27.07.2017

„Intelligenter Adlerhorst Kommune?“ Gerald Hüther zeigt, wie kommunale Intelligenz funktionieren kann

Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie und Bildungsexperte, stellt in einem Buch die Frage nach der Möglichkeit kommunaler Intelligenz. Er verbindet damit neueste Erkenntnisse der Neurobiologie mit Entwicklungen der kommunalen Gegenwart, die uns alle zum Nachdenken anregen könnten. Michael Siebel, Trainer und Geschäftsführer der Hessischen Akademie für Kommunalpolitik, setzt sich in einem Beitrag damit auseinander.

Nerd mit Totenkopf vor Schultafel

„Zwischen Problembewältigung und Aktionismus“ sieht Professor Hüther die Kommunen der Gegenwart gefangen. Unrecht hat er damit nicht! Viele Kommunen, die auch ich sehe, schwanken zwischen dem „Fußpilz“ Schuldenbremse (und damit einem Maß an Investitionsverbot) und den „Kopfschmerzen“ Zukunftsvision (also Schulden in der Gegenwart). Dabei wäre ein intelligenter Ausgleich zwischen beidem dringend geboten. Doch wie kann diese Intelligenz hergestellt werden?

Intelligente Potenziale in der Kommune und der Begriff der „Heimat“

Kommunen sind Keimzelle gelebter Demokratie und, wie Heuss bereits wusste, „wichtiger als der Staat“. Es ist uns in Deutschland vergönnt, in einem Land zu leben, das den Kommunen ein umfassendes Selbstverwaltungsrecht in seiner Verfassung zugesteht. Doch die Kommunen sind weit mehr als eine wichtige Ebene des Staates: Sie sind vielmehr psychologische Erfahrungsräume und Stätten der Bildung von sozialer Intelligenz und menschlicher Kompetenz. Um diesen Raum zu stärken, müssen wir uns klarmachen, dass Intelligenz und Schule erstmal nicht viel miteinander zu tun haben müssen. Intelligenz entsteht als plastisches Wachstum des Gehirns, wenn wir in eine emotionale Beziehung zu anderen Menschen treten. Unser Gehirn ist ein sozial gestaltetes Konstrukt; indem wir in Beziehung mit anderen Menschen treten, formen wir es plastisch und damit dauerhaft. Die dort entstehenden Schaltungen formen, verkürzt ausgerückt, damit über emotionale Bindungen auch eine bildliche Vorstellung von „Heimat“ – und die liegt nun mal in der Kommune.

Emotionale Intelligenz in der Kommune

Was bedeutet das für die Kommune? Um gerade junge Menschen an die Kommune und damit an die kommunale Politik zu binden, und sie in einem ersten Schritt überhaupt zu begeistern, müssen Kommunen emotionale Begegnungsräume schaffen. Ein Mehrgenerationenhaus oder ein regelmäßiges Treffen mit geflüchteten Menschen können diese Begegnungen ermöglichen und damit auch emotional erfahrbar machen. In einem gemeinsamen Curriculum können Kommunen und Bildungsverantwortliche beispielsweise zusammen erörtern, welche kommunalen Themen relevant werden können für Jugendliche. Dazu braucht es natürlich ausgebildetes Fachpersonal, das sich nicht zwingend in den engen Grenzen des Machbaren oder des Möglichen bewegt, sondern über diese hinaus sein Wissen und seine Fähigkeiten als Mentalcoach weitergibt und versteht, dass nur emotionale Erfahrungen relevant sind für eine stoffliche Formung von (kommunaler) Intelligenz.

Quelle/Literaturtipp
Siebel, Michael: „Kommunale Intelligenz“, in: DEMO 07/08 2017. http://www.ctb.academy/
Hüther, Gerald: „Kommunale Intelligenz. Potenzialentfaltung in Städten und Gemeinden“, Edition Köber-Stiftung, 2013.

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)