22.03.2021

In Deutschland herrscht Mangel an bezahlbarem Wohnraum für niedrige und mittlere Einkommensgruppen

Etwa 2,3 Mio. Wohnungen in Deutschland befinden sich in kommunaler Hand. Dies entspricht einem Anteil von ungefähr 10 % der Mietwohnungen insgesamt. Die Ergebnisse der aktuellen Studie „Kommunale Wohnungsbestände: Mietengestaltung – Ausweitung – Investitionen“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigen, dass viele Städte und Gemeinden eine aktive Wohnungsmarktpolitik betreiben und verschiedene strategische Planungs- und wohnungspolitische Instrumente einsetzen. Zugrunde liegt eine Befragung vom Herbst 2018, die das BBSR in Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden aller Städte und Gemeinden ab 10.000 Einwohnern und aller Landkreise zu kommunalen Wohnungsbeständen durchgeführt hat.

Fahrradstraße erhöhte Gefahr

Die Themen umfassen neben allgemeinen Angaben zur Wohnungsmarktsituation die Eigentumsverhältnisse an kommunalen Mietwohnungen sowie deren Qualitäten; zudem wurde der Fokus auf Mietengestaltung, Ausweitung kommunaler Wohnungen und Investitionen in kommunale Wohnungsbestände gelegt. Die Befragungsergebnisse sind nun als BBSR-Sonderpublikation veröffentlicht.

Dem Fazit der Befragung entsprechend gibt es trotz der großen Bemühungen der letzten Jahre in Deutschland noch immer zu wenig bezahlbaren Wohnraum für niedrige und mittlere Einkommensgruppen. Gleichzeitig ist die Wohnungswirtschaft gefordert, die gesetzten Klimaschutzziele zu erreichen. Die kommunalen Wohnungen spielen bei der Bewältigung dieser Herausforderungen eine wichtige Rolle. Die Kommunen können zudem direkten Einfluss auf die Gestaltung des kommunalen Wohnraums nehmen und diesen für die Verfolgung kommunaler Ziele zur Wohnraumversorgung sowie zur Stadtentwicklung einsetzen.

Entsprechend den Ergebnissen der Befragung 2018 haben die Kommunen insbesondere Engpässe bei der Versorgung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen mit angemessenem Wohnraum sowie Engpässe bei der Verfügbarkeit von Baugrundstücken benannt. Aufgrund des hohen Nachfragedrucks fehlen bezahlbare Baugrundstücke. Zudem mangelt es vielerorts an verfügbaren Grundstücken mit Baurecht. Zahlreiche Kommunen haben sich in den letzten Jahren wohnungspolitisch stärker engagiert und weiten ihren kommunalen Wohnungsbestand aus. Daraus folgen zwei positive Trends, zum einen eine Dämpfung der Mietpreisentwicklung, zum anderen erhöht sich der Bestand an Wohnungen mit niedrigerem Preisniveau.

Ein weiteres Ergebnis der Studie besagt, dass trotz der vielfältigen Anforderungen die kommunalen Wohnungsunternehmen im bundesweiten Durchschnitt weiterhin solide aufgestellt sind. Ihre wirtschaftliche Situation hat sich seit der letzten Befragung weiterhin verbessert, was verdeutlicht, dass die kommunalen Wohnungsunternehmen den Spagat zwischen den an sie gestellten gesellschaftlichen Aufgaben und wirtschaftlichem Agieren mit Erfolg meistern.

Autor: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin für Garten- und Landschaftsarchitektur.)