22.05.2020

Gemeinsames Online-Festival als positives Zeichen

Kulturschaffende und Eventmanager trifft die Corona-Krise mit am heftigsten. Konzerte, Lesungen und Veranstaltungen jeglicher Couleur werden seit Anfang März abgesagt. Aber die Kultur knickt nicht ein, sondern hat sich sofort ein neues Forum geschaffen: das Streamen von Veranstaltungen.

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In Hamburg ist dadurch ein ganz besonderes Online-Event zustande gekommen, das verschiedene Unternehmen der Hamburger Veranstaltungs- und Tourismusbranche zusammen initiierten: Am 14. Mai veranstalteten sie gemeinsam ein digitales Festival. Ihr Ziel war es, Unternehmen, Kunst- und Kulturinteressierten zu zeigen, was auch bei digitalen Events alles möglich ist. Auch war es den Veranstaltern ein Anliegen, sich selbst und allen Menschen, die Kultur, Veranstaltungen und das gemeinsame Feiern vermissen, mitzuteilen, dass man auch in dieser Krise den Humor behalten kann.

Nadja Kahn von der Eventagentur KahnEvents hat die Idee dazu entwickelt und rasch zwei Partner gewonnen: das Scharlatan Theater und die Betreiber der Eventlocation Kaispeicher B. Im nächsten Schritt wurde die Online-Plattform für das Festival aufgesetzt und zahlreiche Partner aus den Bereichen Gastronomie, Hotellerie, Künstler, Dekoration und Technik kamen hinzu. Sie alle traten nun bei dem Online-Festival mit Namen „DisTanz im Mai“ gemeinsam auf.

Das 90minütige Programm am 14. Mai stand unter dem Motto „Lieber ein Mai-Beben als klein beigeben“. Schauspieler des Scharlatan Theaters, der Songwriter Lukas Dröse sowie DJ Alex Naevecke mit seinem Saxofonisten Kamil spielten auf zwei verschiedenen Bühnen. Ab 17 Uhr konnten die Festival-Besucher per Live-Stream teilnehmen.

Während des kulturellen Programms auf den Bühnen konnten sich Hamburger Unternehmen der Eventszene in einem speziellen Bereich digital präsentieren. Auch gab es virtuelle Räume für Sessions, in denen sich Teilnehmer in kleineren Gruppen treffen und austauschen konnten. Spontane Zufallsbekanntschaften waren über ein digitales Speed-Dating, bei dem immer zwei Teilnehmer per Zufall zusammentrafen, möglich. Es wurden also alle digitalen Möglichkeiten ausgeschöpft, um das Festival auch so live wie möglich zu gestalten. Die Einnahmen des Festivals kommen Künstlern zugute, die in der aktuellen Krise mit enormen Verdienstausfällen zu kämpfen haben. Die teilnehmenden Unternehmen veranstalteten das Festival pro bono und stellten ihre eigenen Leistungen kostenlos zur Verfügung.

Auch das Kultur- und Bürgerzentrum der Landeshauptstadt München, Pasinger Fabrik, setzt während der Schließzeit die Aktivitäten im Netz fort unter dem Motto: Freunde Streamen Musik. In Kooperation mit der Abendzeitung München streamt die Pasinger Fabrik in regelmäßigen Abständen 1–2 Konzerte pro Woche live. Auf dem Programm stehen Solisten und Ensembles vieler Sparten, von der Volksmusik über Jazz bis hin zur Klassik, aufgetreten sind bereits z.B. das Ensemble Quadro Nuevo und das Max Geller Trio.

Beginn ist in der Regel um 20.30 Uhr. Der Stream ist live über einen Link zu YouTube verfolgbar. Die Kulturmanager der Pasinger Fabrik wollen so die Fortsetzung ihrer kulturellen Aktivitäten für ihr Publikum ermöglichen und zudem die Künstler unterstützen. Ein freiwilliger Spendenaufruf mit einem „virtuellen Eintritt“ direkt auf das Konto der auftretenden Künstler ist dabei ein fester Bestandteil des Streamings. Auf diese Weise erhielten die Künstler bisher jeweils zwischen 600 und 1.200 Euro „virtuelle“ Gage.

Autor: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin für Garten- und Landschaftsarchitektur.)