14.06.2019

Fridays for Future als Einladung zum Dialog

Vielleicht sammeln sich auch vor Ihrem Rathaus jeden Freitag Schülerinnen und Schüler Ihrer Gemeinde und demonstrieren für ein Umdenken in der Klimapolitik im Sinne der jungen Schwedin Greta Thunberg. Das ist gut so! Und ein Angebot, in einen Dialog zu treten. Mit den Demonstranten. Aber auch mit den Lehrkräften.

Mann mit Megaphon

Nehmen Sie die Schülerinnen und Schüler ernst und beim Wort

„There is no Planet B“ steht auf vielen Plakaten. Eine Mahnung, die nicht viel Interpretationsspielraum lässt. Nun, die Schülerinnen und Schüler fordern ein Umdenken in der Klimapolitik. Es geht schließlich um ihre Zukunft! Dann nehmen Sie sie beim Wort und machen Sie ihnen ein Angebot: Sie dürfen sich direkt einbringen. Sie sind ja die Zukunft! Also, ganz konkret: Wie kann jede und jeder einzelne einen Beitrag leisten? Was bringt beispielsweise verpackungsfreies Einkaufen? Welche Auswirkungen hat der Sommerurlaub, der eine Flugreise voraussetzt? Und macht es einen Unterschied, ob man sich vegan ernährt oder nicht? Laden Sie zu Workshops ein: Workshops mit Expertinnen und Experten aus der Wirtschaft, aus Wissenschaft und Forschung gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern könnten die (berechtigte) Wut in produktive Bahnen lenken. Wenngleich das – ganz wichtig! – kein Ablenken sein darf. Natürlich stehen auch Sie im Rathaus in der Pflicht, die Forderungen der Schülerinnen und Schüler umzusetzen. Aber lassen Sie sich von den jungen Menschen inspirieren, welche Schritte die ersten sein könnten. Und welche gemeinsam gegangen werden können.

Lassen Sie Ihre Lehrer nicht allein

Dass viele Schülerinnen und Schüler freitags nicht mehr den Unterricht besuchen, stellt viele Schulen vor ein ernsthaftes Problem: Wie kann der Unterrichtsstoff nachgeholt werden? Wie geht man mit den Schülerinnen und Schülern um, die in die Schule kommen, dort aber keine Mitschüler antreffen? Führende Politiker in unserem Land raten Schülerinnen und Schülern dazu, sich einen Schulverweis, den sie dafür bekommen haben, dass sie an einer „Fridays for Future“-Demonstration teilgenommen haben, stolz und gerahmt an die Wand zu hängen. Spätestens jetzt ist es also an der Zeit, sich auch in die Lage der Lehrerinnen und Lehrer zu versetzen. Denn natürlich befürworten viele von ihnen die Aktionen der Schülerinnen und Schüler. Ein Dilemma. Fühlen Sie sich davon angesprochen und gehen Sie offensiv in die Schulen. Eröffnen Sie in einen Dialog und entwickeln Sie gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern Ideen, wie Sie vonseiten der Politik die Situation entschärfen können.

Autor: Magdalena Herbrecht (Magdalena Herbrecht ist Kulturwissenschaftlerin und Fachjournalistin für Energie/Nachhaltigkeit.)