26.11.2018

Frauen wählen – seit 100 Jahren hauptsächlich Männer

Vor 100 Jahren wurde im Jahr 1918 das Frauenwahlrecht eingeführt. Bei der Wahl zur verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 konnten dann erstmals Frauen wählen – und sich wählen lassen. Was hat sich seitdem getan?

Rednerin

Zwischen 2008 und 2017 ist der Anteil der Oberbürgermeisterinnen stark eingebrochen – von 17,7 % auf nunmehr 8,2 %. So steht es im letzten „Genderranking der deutschen Großstädte“ der Heinrich-Böll-Stiftung von 2017. Auch der Bundestag ist in dieser Legislaturperiode kein Ruhmesblatt. In der letzten Legislaturperiode waren noch 36,5 % der Abgeordneten Frauen, jetzt sind es 30,9 %. Das ist fast genau der Frauenanteil, den auch der Sudan in seinem Parlament hat. Und in manchen Landtagen ist auch nur etwa ein Viertel der Abgeordneten weiblich – und das bei mehr als 50 % Frauen in der Bevölkerung. Das bedeutet: mehr als 50 % Wählerinnen! Wie kommt es, dass die Zahlen trotzdem so schlecht sind?

In der Studie „Frauen führen Kommunen“ der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) in Berlin von 2015 wird insbesondere die Situation auf kommunaler Ebene unter die Lupe genommen und sowohl nach Ursachen als auch nach Handlungsmöglichkeiten gefahndet. Denn: „Zwar ist die Unterrepräsentanz von Frauen in den Topetagen der Unternehmen heute stark im Fokus der Politik, aber die Situation in der Kommunalpolitik bleibt bislang wenig beachtet. Das soll sich ändern. Denn Demokratie braucht Männer und Frauen gleichermaßen. Das gilt im besonderen Maße für die Kommunalpolitik, die Basis der Demokratie“, so Dr. Helga Lukoschat, Vorstandsvorsitzende der EAF.

Dabei gehören, laut Studie, parteiinterne Nominierungsprozesse zu den größten Hindernissen auf dem Weg nach oben – das „Hans befördert Hänschen“-Problem, wie Lukoschat es ausdrückt. So würden Frauen seltener für aussichtsreiche Kandidaturen aufgestellt und seien oftmals eher „Verlegenheitskandidatinnen“ und „Überraschungssiegerinnen“. Hier sind konkrete Handlungsmöglichkeiten vonnöten! Denn wie sollen Frauen Frauen wählen, wenn gar keine zur Wahl stehen?

Die Studie bietet so einige sinnvolle Ansatzpunkte. So benötige die Kommunalpolitik für mehr Frauen:

  • gezielte Nachwuchsgewinnung
  • neue Formen der Karriereförderung
  • Führung in neuen Zeitmodellen
  • Netzwerke für Frauen
  • Austausch zwischen Ost und West
  • gesetzliche Rahmenbedingungen für mehr Frauen in Führungspositionen
  • öffentliche Anerkennung

 

Fazit: Ein Blick in die Studie lohnt sich – damit innerhalb der nächsten 100 Jahre der Anteil der Oberbürgermeisterinnen auf 50 % steigt. Mindestens.

Autor: Magdalena Herbrecht (Magdalena Herbrecht ist Kulturwissenschaftlerin und Fachjournalistin für Energie/Nachhaltigkeit.)