22.04.2022

Frauen an die Macht – die Hofburg in Wien empfängt Bürgermeisterinnen zur Bundestagung

Der Österreichische Gemeindebund hat Ende März ausschließlich Bürgermeisterinnen – ohne ihre männlichen Kollegen – in die Wiener Hofburg geladen. Zu dieser Bundestagung vom 31. März und 1. April 2022 diskutierten 100 Bürgermeisterinnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zu den gegenwärtigen Herausforderungen in der Kommunalpolitik. Die Tagung stand unter der Schirmherrschaft von Frauenministerin Susanne Raab, Präsidentengattin Doris Schmidauer, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl.

Frau vor Mikrofon

Der Ausschluss von Männern hatte Symbolcharakter, denn im Fokus der Gespräche stand die Partizipation von Frauen in kommunalen Einrichtungen, die bis hin an die Spitze vorangebracht werden soll. Die Öffentlichkeit müsse für die Notwendigkeit einer besseren Geschlechtergleichstellung in der lokalen Führung sensibilisiert werden. Die Kommunalpolitikerinnen würden dafür eine wichtige Vorbildfunktion einnehmen, wie Doris Schmidauer, Frauenaktivistin, Präsidentengattin und Schirmherrin der Veranstaltung, betonte. Zudem seien die Vernetzung und die gegenseitige Unterstützung unter den Frauen von großer Bedeutung.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka beobachtete eine Klimaänderung, sobald Frauen Verantwortung übernähmen. Unter Frauen werde respektvoller diskutiert und es herrsche auch ein anderer Umgang mit unterschiedlichen Meinungen. Frauen müssten in der Politik immer mehr zur Selbstverständlichkeit werden. Für Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl sind Bürgermeisterinnen große Vorbilder und Mutmacherinnen für alle Frauen, die auf Führungspositionen zustrebten. Er wolle die Belange der Bürgermeisterinnen genau anhören und darauf eingehen. Zentrale Forderungen der Bürgermeisterinnen sind eine bessere soziale Absicherung, ein Ende der privaten Haftung von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie eine Vereinheitlichung der Bürgermeisterbezüge über die Bundesländer hinweg.

Initiatorin des jährlichen Bürgermeisterinnentreffens des Gemeindebundes sind Bürgermeisterin Sonja Ottenbacher und Gemeindebund-Vizepräsidentin Andrea Kaufmann. Sie sprachen über die schönen Seiten des Amtes: „In allen unseren Gesprächen und Diskussionen ist klar, dass Bürgermeisterinnen Mutmacherinnen für alle Frauen sind, sich politisch zu engagieren.“ Sonja Ottenbacher hielt fest: „Wir sind nicht gegen Männer – wir sind für Frauen!“ Petra Gajar vom Fonds Gesundes Österreich hielt einen Workshop zur inneren Balance. Sie bestärkte die Teilnehmerinnen, in ihre Selbstwirksamkeit Vertrauen zu haben. Um hier weiterzukommen, müssten traditionelle Geschlechterrollen aufgebrochen werden, wie Familienforscherin Sonja Dörfler-Bolt betonte. Notwendig seien ein Öffnen der Parteien sowie flachere Hierarchien. Ein Hindernis bestehe noch darin, dass Frauen sich weniger zutrauen, perfektionistischer sind und höhere Ansprüche an sich setzen als ihre männlichen Kollegen. Helga Lukoschat von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft, Berlin, stellte Empowerment-Maßnahmen aus Deutschland vor: Dort gibt es neben dem Helene-Weber-Kolleg für Frauen in der Politik auch eigene Mentoring- und Aktionsprogramme für Kommunalpolitikerinnen, die teilweise vom Bund mit eigenen Budgets gefördert werden. Es sei wichtig, Ämter für Frauen attraktiver zu machen.

Autor*in: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)