22.04.2022

Flüchtlingswellen führen ländliche Kommunen vor neue Herausforderungen

Die Kommunen stehen angesichts der derzeitigen Flüchtlingswelle noch vor anderen Herausforderungen. Neben der Erstunterbringung und Versorgung stehen weitere Handlungen an, wie Registrierung und Einleitung des Asylverfahrens. Zudem liegt eine Aufgabe der Kommunen darin, freie Raumkapazitäten zu identifizieren. Denn durch Bevölkerungsrückgang und Landflucht stehen zahlreiche Wohnungen und sogar Häuser insbesondere in den ländlichen Regionen leer. Sie könnten für Flüchtlinge bereitgestellt werden.

Mann bietet Hand

Hinsichtlich der ungleichen Rahmenbedingungen und Potenziale zur Integration in Stadt und Land sind allerdings einige Fragen zu beachten. Einerseits bieten kleinere Kommunen verfügbaren Wohnraum, andererseits sind die notwendigen Rahmenbedingungen für die Integration der Neuzugewanderten häufig nicht wie erforderlich gegeben, da die technische und soziale Infrastruktur sowie der Arbeitsmarktzugang und das Schulangebot im ländlichen Raum nicht gleichermaßen vorhanden sind wie in größeren Städten. Ein weiteres Problem liegt in der Mobilität, da Flüchtlinge besonders auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, diese aber auf dem Land nicht so dicht verfügbar sind wie in der Stadt. Auch weitere Betreuung, wie medizinische und psychologische Versorgung, oder ggf. notwendige juristische Beratung ist auf dem Land schwieriger gewährleistet. Auch mangelt es an Dolmetschern und Sprachlehrern für die notwendigen Sprachkurse.

Hinzu kommt die mitunter fehlende Erfahrung und Expertise im Umgang mit Migranten. Fachkräften im öffentlichen Dienst und in sozialen Einrichtungen fehlen Wissen und Erfahrung hinsichtlich der besonderen Bedürfnisse von Flüchtlingen und deren Integration. Ein weiteres Feld ergibt sich innerhalb der Bildung und im Schulwesen. Auch hier gestaltet sich die Integration der Flüchtlingskinder ganz unterschiedlich. Während sich für jüngere Schulkinder die Unterbringung in Regelklassen empfiehlt, kann es für ältere Kinder und Jugendliche besser sein, sie in „Willkommensklassen“ zu unterrichten, da sie ihrem neuen sozialen Umfeld vorsichtig gegenüberstehen und sich keine Blöße durch mögliche Fehler geben möchten. Eine weitere Altersgruppe stellt die Institutionen vor besondere Herausforderungen. Denn ein großer Teil der Flüchtlinge ist im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Sie finden wahrscheinlich in Ballungsgebieten attraktivere Angebote für Freizeit, Bildung und Arbeit vor als in kleinen Kommunen.

Auch beim Wohnungsbau stellen die Flüchtlingswellen die Kommunen vor neue Aufgaben. Die Konzentration von Flüchtlingen in bestimmten Stadtteilen ist zumindest mittelfristig zu erwarten. Daher müssen genau diese Stadtteile lebenswerter werden und bleiben. Sie dürfen nicht in Ghettos verwandeln, in denen sich bestimmte Bevölkerungsanteile konzentrieren. Die Bekämpfung dauerhafter sozialer Probleme, wie Armut und Perspektivlosigkeit, muss daher frühzeitig ins Auge gefasst werden, damit eine Integration, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land, gelingen kann.

Autor*in: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)