19.12.2019

Feiert die Vielfalt – auch an Weihnachten

Die Gegenwart unterschiedlicher Religionsgruppen am Arbeitsplatz – sei es in Unternehmen oder der Verwaltung – ist eine Tatsache. Daher ist es so wichtig, dass das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) alle Beschäftigten vor Diskriminierung aufgrund der Religionszugehörigkeit und -ausübung im Arbeitsleben schützt. Aber leider kommen Diskriminierungen durch Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen sowie durch Dritte, wie Kundinnen und Kunden, trotzdem immer wieder vor. Als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber haben Sie die Pflicht, ihre Beschäftigten vor solchen Diskriminierungen zu schützen.

Weihnachtsmarkt Eintrittsgeld

Ein möglicher Weg ist es, für Interesse aneinander und für Wissen um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Religionsgruppen zu sorgen. Wenn Sie es schaffen, in Ihrem Rathaus eine Kultur zu etablieren, in der jede Religion ihren Platz hat, in der eine Kultur des echten Interesses anstelle der Vorurteile und Schubladen gepflegt wird, müssen Sie sich um Diskriminierung gleich viel weniger Sorgen machen. Gerade an Festen wie Weihnachten, an denen die (mehr oder weniger) christliche Mehrheit einen ganzen Monat stimmungstechnisch in Beschlag nimmt, ist Sensibilität gefragt.

Die Hauptzielgruppe religionssensibler Maßnahmen im Arbeitsleben sind dabei meist Musliminnen und Muslime als Angehörige der zahlenmäßig größten Minderheitenreligion in Deutschland. Dennoch gilt es erst einmal in Erfahrung zu bringen, welche Mitarbeiterin, welcher Mitarbeiter sich welcher Religionsgruppe zugehörig fühlt und welche Religionen dadurch vertreten sind. Und fragen Sie wirklich nach! Nur weil eine türkische Mitarbeiterin keinen Glühwein trinkt, muss sie nicht gleich praktizierende Muslima sein – sie könnte auch einfach ein Kind erwarten.

Nutzen Sie Anlässe wie Weihnachtsfeiern und Jahreswechsel, um diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Bürgerinnen und Bürger anzusprechen, die sich im Hintergrund halten. Was feiern sie? Wann feiern sie? Warum feiern sie? Schaffen Sie Gelegenheiten, an denen die anderen Feste ihren Platz haben. Eröffnen Sie Gespräche. Austausch untereinander. Vielfalt feiern. Willkommenskultur pflegen. Türen öffnen. Auch darum geht es an Weihnachten.

Autor: Magdalena Herbrecht (Magdalena Herbrecht ist Kulturwissenschaftlerin und Fachjournalistin für Energie/Nachhaltigkeit.)