26.11.2018

Fakten, Fakten, Fakten – oder eben doch nicht. Es war mal wieder so weit: Wahrheit vs. Fakten, Fakten vs. Gefühl und alle (gefühlt) gegen die Medien

Es war eine denk- und merkwürdige Pressekonferenz, die der FC Bayern München in unsere Wohnzimmer und Büros getragen hat. Eine künftige Berichterstattung „auf faktischer Natur“ wünsche sich der deutsche Rekordmeister, wenn es um den eigenen Club geht, so Rummenigge. Es gehe teilweise um „unwahre Fakten“ in der Berichterstattung der Medien. Wie ein Fakt „unwahr“ sein kann, bleibt sein Geheimnis. Wir machen uns in diesem Artikel aber mal darüber Gedanken, was denn Fakten überhaupt sind.

Gewerbeuntersagung andere gewerbliche Tätigkeit

Mit den „Fakten“ ist das so eine Sache. Seit Donald Trumps Regierungsantritt wissen wir, dass „alternative Fakten“ gerne mal den „alternativlosen Fakten“ gegenüberstehen können. Was aber kann denn an Fakten „alternativ“ sein? Eben nichts. Fakten sind Fakten. Dennoch fällt es vielen Bürgermeistern schwer, sich mit Faktenleugnern zu streiten. Der Hintergrund ist der Umstand, dass sie bei Faktenleugnern zuerst eine Schwelle der Überzeugung überschreiten müssen, um zum eigentlichen Streitthema zu gelangen. Ist diese Hürde genommen, wird es in der Regel nicht leichter. Faktenleugner haben eine Schwachstelle in unserer demokratischen Streitkultur erkannt und nutzen sie aus: die Toleranz.

Nicht aus der Ruhe bringen lassen!

Ganz wichtig im Umgang mit beharrlichen Faktenleugnern ist: Sie haben die Fakten auf Ihrer Seite! Bleiben Sie auch dort und verlassen Sie nicht das Terrain der gesicherten Erkenntnisse und betreten das Spielfeld der „Schwurbelei“. Die Aussage „Ich hab mich mal schlau gemacht“ bedarf einer grundsätzlichen Klärung: „Wo denn?“ Wo erfährt man Unsinn wie die Meinung (!), die Erde sei zwischen 6.000 und 10.000 Jahre alt? Meistens „im Internet“. Keine dieser dort häufig geäußerten Überzeugungen (!) ist ein Fakt und hält einer wissenschaftlich-seriösen Betrachtung stand. Bleiben Sie also immer ruhig und klopfen Sie zuerst ab, ob es sich bei dem Geäußerten um eine Meinung oder einen Fakt handelt. „Ich glaube, dass intelligentes Design die Erde erschaffen hat …“ ist etwas völlig anderes als „… die Wissenschaft hat das nachgewiesen“.

Finger weg von persönlichen Gefühlen!

Häufig erlebe ich die zweite Strategie der „Schwurbler“: „Meine Gefühle sind verletzt!“ Ein gerade in den USA äußerst beliebter Trick, wenn es um Streit geht: Wer Opfer ist, wessen Gefühle verletzt sind, der muss ja richtig liegen. Gerne solidarisieren wir uns mit Opfern und deren Handlungen. Lassen Sie sich also niemals auf diese Spielart ein und bleiben Sie standhaft: „Das tut mir persönlich auch sehr leid für Sie, es ändert allerdings nichts am Gehalt meiner Aussage.“ Wer sich wissenschaftlich fundiert streitet, benötigt im Disput keine Gefühle. Klar ist aber auch: Meinungen entstehen unbewusst. Erst danach suchen Menschen nach scheinbaren Argumenten, welche ihre Meinung unterstützen. Das gilt aber für alle Menschen, nicht bloß für Irrationalisten.

Bleiben Sie also immer sachlich. Sie werden erkennen: Die Richtigkeit ist auf Ihrer Seite!

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)