31.10.2018

Fachkräftemangel begegnen – kreative Ideen gefragt!

Mit zwei kleinen Kindern verbringe ich viel Zeit auf Spielplätzen und viel Zeit mit anderen Müttern in Elternzeit. Ein allgegenwärtiges Thema: Die Rückkehr in den Job bzw. eigentlich gerade das Gegenteil – die meisten Mütter wollen nicht in ihren alten Job zurück. Wieder arbeiten, ja, aber etwas anderes. Etwas Sinnvolleres. Etwas, für das es sich lohnt, die eigenen Kinder in eine Betreuung zu geben (und für diese zu zahlen), „nur“ damit man selbst wieder arbeiten gehen kann. Und was mir in diesen Gesprächen immer wieder auffällt, ist, dass viele der Frauen im besten Karriere-Alter, mit denen ich mich unterhalte, einerseits bestens ausgebildet sind – also im Allgemeinen Akademikerinnen mit mehreren Abschlüssen – und dass sie andererseits gar nicht wissen, was sie machen wollen und können.

Organisierendes Team

Gleichzeitig schlage ich morgens die Zeitung auf und lese vom „Fachkräftemangel“. Da drängt sich mir die Frage auf: Was ist mit den ganzen Fachkräften am Sandkastenrand? Wäre es nicht gut, hier aufzuklären und abzusammeln, was an Potenzial offensichtlich brachliegt?

An dieser Stelle sei erwähnt, dass es vonseiten der Mütter durchaus Bemühungen gibt, einen neuen, besseren, erfüllenderen Job zu finden. Eine Mutter erzählte mir neulich von ihrem Besuch beim Arbeitsamt. Dort wollte sie sich beraten lassen, welche Möglichkeiten sie mit ihrer Ausbildung – einem Master in Wirtschaftspsychologie – auf dem Arbeitsmarkt habe. Bisher sei sie in der Personalabteilung eines mittelständischen Unternehmens tätig, doch dorthin wolle sie nicht zurückkehren. Gerne würde sie in einem sozialen Beruf arbeiten, da sie in diesem Bereich während des Studiums schon einige Praktika absolviert hatte, so erzählte sie der Mitarbeiterin vom Arbeitsamt. Und was war der Rat der Dame? Werden Sie doch Steuerfachangestellte! Hier wäre der Markt gerade leer gefegt, und gerade als Mutter mit kleinen Kindern der Einstieg in Teilzeit einfach möglich. Nach einer entsprechenden Ausbildung, versteht sich. Frustriert ging meine Gesprächspartnerin wieder nach Hause.

Wenn Sie bis hier gelesen haben, fragen Sie sich jetzt sicherlich: Und was geht mich das alles an? Sehr viel! Denn der Fachkräftemangel ist Fakt und auch in Ihrer Stadt ein Thema. Mit der Information über Berufsbilder und Einstiegsmöglichkeiten dürfen die Berufsinformationszentren und Arbeitsämter nicht allein gelassen werden. Verwaltung, Politik und Wirtschaft müssen an einem Strang der Aufklärung ziehen. Welche Berufe gibt es in Ihrer Region, die sie attraktiv machen, durch die man mitbestimmen und mitgestalten kann? Welche werden gebraucht? Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Gibt es die Möglichkeit zum Quereinstieg? Hier heißt es kreativ werden. Finden Sie die Unternehmen, die Fachkräfte brauchen, und sprechen Sie mit den Verantwortlichen, welche Möglichkeiten Sie gemeinsam entwickeln können, diese Lücken publik zu machen. Bieten Sie beispielsweise Tage der Offenen Tür an! Auch bei Ihnen im Rathaus. Es darf nicht länger dem Zufall überlassen werden, ob Ihre Bürgerinnen und Bürger einen Beruf finden, der zu ihnen passt und sie langfristig glücklich in Ihrer Region hält.

Autor: Magdalena Herbrecht (Magdalena Herbrecht ist Kulturwissenschaftlerin und Fachjournalistin für Energie/Nachhaltigkeit.)