27.07.2017

Empfingen? Empfingen! Empfingen sucht den Super-Bürgermeister!

„Niemand interessiert sich mehr für die Kommune!“ „Wir finden keinen Nachwuchs mehr, und die Stühle bleiben unbesetzt!“ So und ähnlich tönt und stöhnt es aus allen Ecken der Bundesrepublik: Die Kommunen bluten aus, was das Personal betrifft. Doch das muss nicht sein. Eine kleine Kommune in Baden-Württemberg macht die Not zur Tugend – und zu einer kleinen Marketing-Sensation: Empfingen!

Rotes Rathaus Berlin

Was tun gegen Personalschwund, Desinteresse und Zukunftsängste? Diese Fragen stellen sich Kommunalpolitiker immer und immer wieder. Dabei geht es schon lange nicht mehr um die ungeliebte Position im langweiligen Ortsbeirat: Es geht immer wieder um angesehene und auch gut dotierte Positionen im öffentlichen Dienst: Die Stelle des Bürgermeisters. Eine kleine Stadt in Baden-Württemberg macht jetzt die Not zur Tugend: Empfingen.

Vom Suchen und Finden

Es stimmt: Auch ich finde immer mal wieder Ausschreibungen, in denen ein Bürgermeisterkandidat gesucht wird. Grundsätzlich kein Problem. Aber: Die meisten Ausschreibungen lesen sich wie eine gruselige Kurzgeschichte: „Wir haben kein Geld, die Kommune hat kein Geld, und die Kandidatur ist chancenlos“ (dramatisierte Zusammenfassung). Was kann einen jungen, gut ausgebildeten Menschen also dazu bewegen, sich freiwillig auf den heißen Stuhl zu setzen, um sich verheizen zu lassen? Antwort: Nichts!

Was muss also her? Zuerst: Attraktivität! Empfingen macht es vor: Mit einem handgezeichneten Image-Video wirbt die Stadt in erster Linie für sich selbst. Unkonventionelles Denken sei hier ebenso zu Hause wie Toleranz und Tradition. Es gibt kleine Unternehmen und große Brötchengeber. Eben ein Ort, in dem man gestalten kann, statt verwalten zu müssen. Kandidaten sind willkommen und sollten Leidenschaft für sich, ihr Handeln und für Empfingen mitbringen. So weit, so gut.

Der Hintergrund macht den Unterschied

Empfingen macht es richtig: Menschen, die sich für eine Karriere als Bürgermeister begeistern können, müssen Menschen sein, die Idealen folgen. Hand aufs Herz: Bei einer solchen Verantwortung könnten Sie in der „freien Wirtschaft“ vergleichbar ein Vielfaches verdienen, oder? Eben! Empfingen hat verstanden, dass Parteibücher allein nicht mehr den Unterschied machen können, wenn es darum geht, Menschen für sich und eine politische Idee zu gewinnen. Vielmehr machen Leidenschaft, Charisma und eine klare Vision den Unterschied.

Ein Kandidat, der sich freiwillig meldet und neben dem nötigen Fachwissen (das übrigens nicht immer Verwaltungswissen bedeuten muss) auch noch eine Portion Leidenschaft in den Wahlkampf wirft, hat gute Chancen, ein langfristiges Vertrauen zu den Menschen aufzubauen, Dialoge vertrauensvoll möglich zu machen und damit einer Kommune die Gewissheit zu geben, in guten Händen zu sein.

Quelle/Literaturtipps
https://www.youtube.com/watch?v=cfUmc3xVN_M

http://www.empfingen-sucht-buergermeister-in.de/
https://kommunal.de/artikel/empfingen-buergermeister/

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)