Fachbeitrag | Information 25.02.2016

„Die Wahl-ENTSCHEIDUNGS-Frage“: Welche Fragen Politiker beantworten müssen um Wahlen zu gewinnen (Teil 2)

Wer bestimmt darüber, welche konkrete Frage zur „wahlentscheidenden Frage“ wird? Die Antwort ist einfach: Die Kandidaten tun es. Jede professionell geführte Kampagne verbraucht den größten Anteil ihrer Ressourcen – und damit die meiste Zeit, die meiste Energie und das meiste Geld – darauf, eine Frage zu entwickeln und zu streuen. Es handelt sich dabei um eine Frage, bei der der parteieigene Kandidat die Antwort bzw. die Lösung darstellt. Ziel der Ressourcenbündelung – also der Kampagne – ist es, diese Frage zur wahlentscheidenden Frage umzuformen.

Wahlurne mit Stimmzettel

Die Kunst der Kampagnenführung: Platzierung der richtigen Frage

Eine Kunst der Kampagnenführung besteht darin, die richtige Frage zu finden. Eine weitere Kunst der Kampagnenführung besteht darin, diese Frage in die Wählerschaft zu kommunizieren. Diejenigen, die es schaffen, die wahlentscheidende Frage in der Wählerschaft zu „framen“ – also das Bild von der politischen Ist-Situation zu ihren Gunsten zu beeinflussen – werden in den meisten Fällen die Wahl für sich entscheiden. Das setzt selbstverständlich voraus, dass Kandidaten über die Ressourcen dafür verfügen, eigene Botschaften zu kommunizieren – und dafür zu sorgen, dass sie gehört werden. Doch sind ausreichende Ressourcen einmal vorhanden, können politische Akteure Einfluss auf die Wahlentscheidung nehmen.

Daneben spielen weitere Faktoren eine Rolle, denn all diese Parteien – ganz gleich, ob sie nun in den USA oder in Österreich Tausende Stunden, Dollars oder Euros investieren: Sie alle versuchen, sicherzustellen, dass die Wähler sich genau die Frage stellen, von der die Kampagne möchte, dass sie sich diese Frage stellen. Denn die Antwort haben Sie bereits parat: Die Antwort sind Sie bzw. Ihr Kandidat. Die Platzierung der Frage bestimmt dabei die Gestaltung der Kampagne.

Wie Kampagnen diese Fragen platzieren können und wie sich diese Fragen innerhalb der Wählerschaft herumsprechen, das wäre ein Thema für sich – hier sollten Sie professionellen Rat einholen. Kurz gesagt brauchen Sie für die Platzierung von Fragen in der Wählerschaft fähige Wahlkampfberater, politische Strategen, ausreichende Ressourcen sowie die richtigen Taktiken der Wahlkampfführung – aber auch einen richtigen Umgang mit Medien, bezahlte Werbung, lokale Kampagnenarbeit, das Internet und vieles mehr. Insgesamt all das, was wir als Wahlkampfberatung in unserer alltäglichen Kampagnenarbeit ständig weiterentwickeln und im Rahmen von Beratungen anbieten.

Zusammenfassung: Entwickeln Sie eine „wahlentscheidende Frage“. Prägen Sie mit Ihrer Kampagne die Antwort auf diese Frage.

Es gibt Fragen, die die Politik nicht ignorieren darf. Doch genauso gibt es Fragen, die die Politik prägen kann. In beiden Fällen müssen Kandidaten Antworten liefern, über deren Signifikanz der Wähler entscheidet. Zusammenfassend lässt sich sagen: Wähler gehen in die Wahlkabine und stellen sich – bewusst oder unbewusst – eine Frage: „Wer wird dieses bedeutungsvolle Thema, das wir – die Wähler – als Problem empfinden, am besten behandeln?“ Als politischer Akteur besteht Ihr Ziel darin, basierend auf Ihren durchzuführenden Umfragen und Forschungsleistungen eine solche Frage zu entwickeln. Sie müssen klares Wissen darüber einholen, mit welcher Frage Sie gewinnen können. Dann müssen Sie alles daran setzen, dass Sie eine solche Frage im Rahmen Ihrer Kampagne kommunizieren. Und vergessen Sie nicht: Die Antwort sind Sie.

Anmerkung am Rande: Umfragen und Forschungsarbeiten können im Übrigen bei kleineren Wahlkämpfen, z.B. auf lokaler Ebene, bei Bürgermeisterwahlen und bei Wahlen zum Landtag, zu geringen Investitionen durchgeführt werden! Dafür bedarf es nicht zwingend relativ kostenintensiver Meinungsforschungsinstitute. Bei Bedarf stellen wir gerne einen passenden Kontakt zu politischen Experten und Wissenschaftlern her.
Haben Sie Ihre wahlkampfentscheidende Frage erst einmal entwickelt, steht die Verknüpfung zur Botschaft Ihrer Kampagne an. Im Fall von Barack Obama haben es die meisten noch die folgenden zusammengehörenden Begriffe in Erinnerung: „Obama. Change. Hope.“. Die kommunizierte Frage bestand darin: „Wer kann uns in Washington den echten Wechsel bringen?“. Und als Kampagne wurde kommuniziert: „Washington braucht den Wechsel. Obama bringt uns diesen Wechsel. Denn er ist unsere Hoffnung.“

Beispiel aus dem deutschsprachigen Raum: Die Frage nach dem Umgang mit Flüchtlingszuströmen (Grüne und FPÖ, 2015)

Fortsetzung in der nächsten Ausgabe von „Bürgermeister aktuell“.

Autor: Dr. Reza M. Kazemi (Dr. Reza M. Kazemi ist int. Wahlkampfberater und Inhaber der Agentur Campaigns&Technology.)