29.06.2020

Die Deutschen werden zur Fahrradnation

Während der Corona-Krise erfreut sich das Fahrrad einer großen und wachsenden Beliebtheit. Nicht nur vermeiden Städter die öffentlichen Verkehrsmittel, um den dort dichtgedrängten Mengen auszuweichen, sondern das Fahrrad bietet auch attraktive Möglichkeiten zur sportlichen Aktivität. Vor allem auch das E-Bike wird als Fortbewegungsmittel und Sportgerät immer beliebter im Freien. Die Nachfrage gegenüber dem Vorjahr ist drastisch angestiegen. Das Interesse an E-Bikes stieg um bis zu 466 Prozent, wie eine aktuelle Analyse des Preisvergleichsportals billiger.de zeigt, die Nachfrageveränderungen und Preisentwicklung verschiedener Produkte im Zusammenhang mit der Corona-Krise näher betrachtete.

Fahrradstraße

Ab Ende März stieg die Nachfrage nach E-Bikes gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum kontinuierlich und massiv an. Sie lag in den ersten beiden Aprilwochen zwischen 114 und 290 Prozent höher als im April 2019. Am 19. April, unmittelbar vor der Wiedereröffnung der Fahrradläden einen Tag später, lag die Steigerung bei der Online-Nachfrage sogar bei 466 Prozent. Danach pendelte sich die höhere Nachfrage nach den beliebten E-Bikes bei einer durchschnittlichen Nachfragesteigerung von rund 170 Prozent ein.

Die gesteigerte Nachfrage hatte aber nicht unbedingt eine Auswirkung auf die Preisentwicklung zur Folge. Die Preisanalyse der zehn beliebtesten Modelle in den drei E-Bike-Kategorien Trekking-Bike, City-Bike und Mountain-Bike zeigt abweichende Entwicklungen, allerdings ohne die extremen Preissprünge, wie sie während der Corona-Krise bei anderen Produkten zu verzeichnen waren. Bei den Trekkingrädern gingen die Preise zwischen Februar und April durchweg nach unten, so z.B. bei dem teuersten Modell der Trekkingkräder von 2.074 Euro im Februar auf 1.888 Euro. Bei den City-Rädern gingen die Preise teilweise zunächst nach unten, um dann wieder deutlich zu steigen. Hier kostete das Prophete Geniesser 20.emc.20 als teuerstes Modell im Februar noch 1.917 Euro, sank dann auf 1.724 Euro im März und kostete im April dann wieder 1.918 Euro. Bei den elektrischen Mountain-Bikes gab es dagegen kaum nennenswerte Preisbewegungen.

Die steigende Nachfrage nach Bikes verdeutlicht, dass die Radler und Radlerinnen auf ihre umweltfreundlichen Fahrzeuge nicht verzichten wollen. In den Innenstädten nimmt man diesen Anstieg der Fahrradnutzung sehr stark wahr. Fahrradwege werden immer mehr zu dicht befahrenen Highways durch die verstärkte Nutzung von Zweirädern. Das stellt Kommunen natürlich auch vor neue Herausforderungen, was den Ausbau von Fahrradwegen betrifft. In den Niederlanden, wo die Nutzung von Fahrrädern traditionell verbreiteter ist als bei uns, gibt es schon länger regelrechte Parkhäuser für Fahrräder. So findet man bewachte Fahrradparkplätze in den Niederlanden an rund 100 Bahnhöfen, mit meist mehr als 1.000 Stellplätze. Manche kennen vielleicht das dreistöckige Fahrradparkhaus auf Stelzen über dem Wasser am Bahnhof in Amsterdam. Und in der viertgrößten Stadt der Niederlande, Utrecht, wurde jüngst ein riesiges, futuristisch gestaltetes Parkhaus für 12.500 Fahrräder auf drei Etagen eröffnet. Es gilt als das größte Fahrrad-Parkhaus der Welt.

Autor: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin für Garten- und Landschaftsarchitektur.)