24.06.2022

Der Öffentliche Nahverkehr verlangt nach langfristigen Lösungen

Das 9-Euro-Ticket ist seit 1. Juni „im Verkehr“. Regelmäßige Nutzer und Nutzerinnen von U- und S-Bahnen, Straßenbahnen und Regionalzügen kommen in den Genuss eines günstigen Pauschaltickets. Es wird sich aber erst noch herausstellen, inwieweit auch neue ÖPNV-ler damit gewonnen werden, um die Straße und damit das Klima zu entlasten.

Straßenverkehrsbehörde Lärmaktionsplan

Fraglich ist zudem, inwieweit die drei Sommermonate ausreichen, um einen Verkehrswandel herbeizuführen. Das 9-Euro-Ticket könnte aber einen Impuls geben, schließlich längerfristig ein bundesweit gültiges, einheitliches und vergünstigtes Ticket folgen zu lassen. Die Erfahrungen mit dem 9-Euro-Ticket könnten darüber hinaus Lösungen für die Finanzierung, auch durch Bund und Länder, aufzeigen.

Auf der einen Seite haben wir überfüllte Busse und Bahnen in den Ballungszentren. Die Menschen, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind, müssen nicht mehr überzeugt werden, auf Bahn und Bus umzusteigen, sie sind es bereits. Sie profitieren aber zumindest von einem günstigen Ticket. Um aber noch mehr Menschen vom Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu überzeugen – v.a. auch um die Klimaziele zu erreichen –, muss sich im ÖPNV deutschlandweit einiges ändern. Zu einem Konzept für den ÖPNV gehören neben einfachen Tarifen ergänzende attraktive Angebote, der Infrastrukturausbau in Stadt und besonders auf dem Land, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine sinnvolle Digitalisierung.

Der ÖPNV braucht nach dem 9-Euro-Ticket dringend eine solide Finanzierungsbasis, denn in den günstigen Tarifen liegt die Gefahr, dass die Anbieter ihre Angebote kürzen. Erst mit einer langfristigen Mittelerhöhung durch Bund und Länder bilden sich die notwendigen Spielräume, um mehr Busse und Bahnen fahren zu lassen und auch tarifliche Angebote zu verbessern. Zu den vielseitigen Bemühungen, den ÖPNV als bezahlbare und klimafreundliche Alternative zum Auto interessant zu machen, ist es v.a. in den ländlichen Räumen erforderlich, Lösungen zu finden, denn dort sind die Bewohner auf absehbare Zeit noch auf das Auto angewiesen.

Ein Vorbild könnte Österreich sein, wo man mit einem 365-Euro-Ticket pro Jahr in allen Verkehrsverbünden den ÖPNV benutzen kann. Denn vielen Nutzerinnen und Nutzern sind die vielfältigen unterschiedlichen Tarifbedingungen ein Graus und halten sie vom Fahren mit Bus oder Bahn ab. Ähnlich wie mit der BahnCard 100 könnte auch für den ÖPNV eine einheitliche deutschlandweite Möglichkeit gegeben sein.

Autor*in: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)