20.03.2020

Corona – Städte im Ausnahmezustand

Leergefegte Fußgängerzonen, geschlossene Geschäfte, fast leere Cafés und Restaurants – momentan erleben wir vor allem in größeren Städten ein ungewohntes Bild. Nicht nur wegen der am 16. März von Bundesregierung und Bundesländern erlassenen „Leitlinien zum einheitlichen Vorgehen zur weiteren Beschränkung von sozialen Kontakten im öffentlichen Bereich angesichts der Corona-Epidemie in Deutschland“, sondern auch aus Angst der Einzelnen vor der Ansteckung mit dem neuartigen Covid-19-Virus.

Corona

Die letzten Wochen waren von einer bisher nicht dagewesenen Dynamik geprägt: Erst wurden Großveranstaltungen wie Fußballspiele abgesagt, dann schlossen nacheinander Theater und Konzertsäle und am 16. März alle Schulen und Kindergärten. Familien werden auf sich zurückgeworfen, Eltern müssen die Lehrer ihrer Kinder ersetzen, Meetings werden abgesagt, und durch die Homeoffice-Regelungen in den Unternehmen verlagert sich auch das Arbeitsleben vieler nach Hause. Restaurants und Gaststätten dürfen nur noch tagsüber, zwischen sechs Uhr morgens und 18 Uhr abends öffnen. Abstandsregelungen für Tische und geregelte Besucherzahlen sollen einen Kontakt zwischen den Menschen verhindern. Bars und Kneipen, Clubs und Diskotheken sowie Theater, Opern, Konzerthäuser und Museen, Kinos, Freizeit- und Tierparks, Sporteinrichtungen wie Schwimmbäder und Fitnessstudios, Spielhallen und Spielbanken schließen. Was das städtische Leben zusätzlich und besonders stark beeinträchtigt, ist das Verbot für Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen und Synagogen sowie in Vereinen und privaten Bildungseinrichtungen. Befinden wir uns in einem neuen Biedermeier-Zeitalter? Aus Angst vor der Ausbreitung eines Virus?

Aber nicht nur für größere Städte bedeutet diese Ausnahmesituation eine große Herausforderung. Auch kleinere Orte stehen vor großen Problemen. Denn hier ist die Versorgung mit Lebensmitteln oder Arzneien aufgrund der geringeren Dichte an Geschäften nicht so organisiert wie in Großstädten. Es gibt oft nur einen Lebensmittelladen in einem Dorf – wenn überhaupt –, Apotheken nur in größeren Ortschaften. Wer nicht mobil ist, dürfte große Schwierigkeiten haben, sich ausreichend zu versorgen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind verheerend – der Dax bricht ein, aufgrund von Lieferengpässen wird die Produktion heruntergefahren, der Einzelhandel erleidet massive Umsatzeinbußen, Künstler verlieren ihre Honorare – eine Rezession ist nicht abzuwenden. Die große Unsicherheit liegt in der Ungewissheit, wie lange dies alles dauern wird.
Einen Boom erfahren allerdings momentan Lebensmittelläden, in denen die Mitarbeiter mit dem Einräumen der Regale nicht mehr nachkommen, Online-Händler und Seminaranbieter, die arbeitsrechtliche Themen in Zeiten von Corona für Unternehmen anbieten.

Wir sollten uns auf jeden Fall nicht entmutigen lassen, nach intelligenten und vielleicht ungewöhnlichen Lösungen suchen und eine Chance in dem teilweisen Rückzug sehen, weil wir mehr zur Ruhe kommen, mehr Zeit mit der Familie verbringen und einmal einen kritischen Blick auf unser hektisches und unruhiges Leben werfen können. Das Klima zumindest profitiert schon vom lahmgelegten Flugverkehr.

Autor: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin für Garten- und Landschaftsarchitektur.)