23.01.2020

Bauhaus in Tel Aviv

In dem gerade vergangenen Jahr haben wir ausgiebig das 100-jährige Jubiläum des Bauhauses gefeiert. Die Medien haben ausführlich berichtet und wir konnten Filme und Dokumentationen im TV sehen.

Frauenauge

In Deutschland selbst gibt es nur wenige reale architektonische Beispiele, die man noch anschauen oder gar begehen kann, darunter das von Walter Gropius gebaute und zum heutigen Bauhaus-Museum in Dessau gehörende Bauhaus-Gebäude. Erstaunlicherweise findet sich im Nahen Osten eine kleine Hochburg des Bauhauses, nämlich in Tel Aviv. Mit den jüdischen Immigranten, die in den 1930er Jahren vor den Nazis nach Israel geflüchtet sind, ist auch der Bauhaus-Stil mit ausgewandert.

Mit den Bauhaus-Architekten entstand die sog. Weiße Stadt. Die 1909 gegründete Stadt Tel Aviv war damals eine kaum mehr als 20 Jahre alte Siedlung jüdischer Einwanderer vor den Toren von Jaffa. Mit dem Entwurf eines Masterplans des schottischen Stadtplaners Patrick Geddes schaffte es der Bürgermeister von Tel Aviv, Meir Dizengoff – nach ihm ist eine große Straße benannt –, in den Jahren von 1921 bis 1936, dass die Stadt schnell wuchs und gleichzeitig ein einmaliges Beispiel der innovativen Architektur aus Deutschland wurde.

Eines dieser einzigartigen Bauhaus-Zeugnisse hat der Unternehmer Mati Broudo im ältesten Viertel von Tel Aviv entdeckt: einen Bau aus den Zwanziger Jahren. Dieser liegt zwischen den engen Straßen von Neve Tzedek, Tel Avivs ältestem Stadtteil, der 1887 noch vor der eigentlichen Stadtgründung als erste jüdische Siedlung außerhalb von Jaffa entstanden ist. Mati Broudo hat hier ein Kleinod der israelischen Moderne gefunden und ausgebaut. Viele der Bauhaus-Bauten der ersten Stunde sind heruntergekommen, wie z.B. das Herzl 16, das erste Kaufhaus mit dem ältesten Fahrstuhl der Stadt. Glücklicherweise hat 2003 die Unesco das Tel Aviver Bauhaus zum Weltkulturerbe erklärt. Mit dem Bauhaus wurde die Idee verfolgt, etwas Europäisches in den Nahen Osten zu bringen und damit das bis dahin dominierende Arabische zu verdrängen.

Autor: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin für Garten- und Landschaftsarchitektur.)