24.06.2022

Aktuelle Studie zeigt Problematik der Wohnungslosigkeit bei psychisch erkrankten Frauen

Welche Bedingungen an eine Wohnungslosenunterbringung geknüpft sein müssen, um chronisch psychisch kranken Frauen eine langfristige Wohnperspektive zu ermöglichen, zeigen neue Ergebnisse einer Studie der Hochschule München unter der Leitung von Professorin Dr. Unterkofler. Die Studie wurde von der Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnotfallhilfe München und Oberbayern in Auftrag gegeben.

Trauer

Bürgermeisterin Verena Dietl sieht in dem Forschungsbericht eine wissenschaftliche Bestätigung dafür, dass eine dauerhafte Wohnunterbringung für chronisch psychisch erkrankte Frauen nur dann gelinge, wenn vor Ort alle Hilfsangebote für die Problemlagen dieser Frauen aus einer Hand vorgehalten würden. Die Stadt München hat mit den Lebensplätzen eine Einrichtung geschaffen, die wohnungslosen Frauen mit seelischen Behinderungen eine betreute Heimat bietet. Aber es bestehen noch Versorgungslücken, die durch die Studie zum Vorschein kommen. Diese gelte es zu schließen, insbesondere durch gemeinsame Lösungen, die in der Kommune, im Bezirk und im Freistaat Bayern gefunden werden müssen, um unbürokratische, barrierefreie Zugänge zu den nötigen Hilfsangeboten zu ermöglichen.

Die Privatsphäre ist für psychisch erkrankte Frauen von zentraler Bedeutung, um ein Wohnangebot anzunehmen, wie die Studie zeigt. Daher werden Einzelzimmer gegenüber Mehrbettzimmern bevorzugt, um Ruhe und Sicherheit zu gewährleisten. In gemischtgeschlechtlichen Haushalten besteht das Risiko von Übergriffen oder gewalttätigem Verhalten vonseiten der untergebrachten Männer. Dies bringt viele Frauen dazu, nur in reine Fraueneinrichtungen zu gehen oder sogar im Freien zu bleiben. Auch wenn die Frauen einen gesetzlichen Anspruch auf Hilfsangebote haben, seien bürokratische Hürden, wie ein schriftlicher Antrag, häufig der Grund dafür, dass diese Angebote nicht in Anspruch genommen würden, wie die Studie ebenfalls zeigt. Der Umgang mit Ämtern und Behörden ist oft gerade für Frauen eine Herausforderung, weil sie die Anforderungen dort beispielsweise überfordern. Sobald sie entsprechende fachliche Unterstützung erhalten, sind sie offener für einen Behördengang.

Probleme haben die chronisch psychisch erkrankten Frauen besonders, wenn die Einrichtung nach außen hin als Wohnungsloseneinrichtung erkennbar ist. Sie befürchten dann die Diskriminierung und Stigmatisierung als obdach- bzw. wohnungsloser Mensch. Hilfreich wäre eine von außen unscheinbare Unterkunft, die keinen oder einen neutralen Namen trägt. Von großer Bedeutung für die betroffenen Frauen sind Wertschätzung und Respekt. Hier zeigt die Studie, dass es den Frauen wichtig ist, selbstbestimmt wohnen zu können und selbst zu entscheiden, welche Angebote sie nutzen möchten. Zudem sollte genügend Zeit vorhanden sein, um Vertrauen und eine Beziehung zu den Fachkräften aufbauen zu können, die ihnen bei den sozialen und medizinischen Fragen zur Seite stehen.

Über die Zusammenarbeit der Stadt München mit der Arbeitsgemeinschaft der Wohnungsnotfallhilfe München und Oberbayern hat sich eine funktionierende und sich ergänzende Gremienstruktur etabliert, die eine wichtige Austauschfunktion einnimmt und als Schnittstelle zwischen Stadtrat, Verwaltung und freier Wohlfahrtspflege fungiert. Jörn Scheuermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Wohnungsnotfallhilfe München und Oberbayern, resümiert, dass es zu Beginn der Pandemie deutlich geworden sei, dass mit den chronisch psychisch erkrankten Frauen im Wohnungsnotfallhilfesystem immer deutlicher eine Zielgruppe in den Blick gekommen sei, die mit bisherigen etablierten gemeinsamen Angeboten noch nicht optimal erreicht worden sei.

Autor*in: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)