22.10.2021

Agrarministerkonferenz beschließt Honorierung von Klimaschutz im Wald

Während der Hitzeperioden der letzten Sommer haben die Wälder enorm gelitten. Die Schäden sind vielerorts deutlich sichtbar. In den Extremwetterjahren 2018–2020 sind den Forstbetrieben Schäden in Höhe von ca. 13 Milliarden Euro entstanden. Diese enormen Waldschäden und die Bedeutung eines gesunden Waldes für den Klimaschutz waren daher Thema der Agrarministerkonferenz (AMK), die vom 30. September bis 01. Oktober 2021 in Dresden stattfand. Diskutiert wurden dort Wege und Unterstützungsmöglichkeiten, um einerseits Waldschäden zu beseitigen und andererseits den Umbau der Wälder hin zu klimastabilen, arten- und strukturreichen Mischwäldern zu beschleunigen.

Beseitigung Eichenprozessionsspinner Kosten

Eine Lösung sahen die Agrarminister in einer Belohnung von waldschützenden Maßnahmen, d.h. einer Honorierung entsprechender Leistungen. Der Bund soll dafür bis Mitte Dezember 2021 ein Honorierungsmodell für die Klimaschutzleistungen des Waldes vorlegen. Das Modell des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) verfolgt dabei einen breiten Ansatz, mit den Hauptzielen Klimaschutz sowie Erhalt und Entwicklung von an den Klimawandel angepassten, nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Dazu heißt es in dem Beschlusspapier, dass nur „klimaresiliente“ Wälder auf Dauer die Klimaschutzleistung, die Deutschland zur Erfüllung seiner Klimaschutzziele dringend benötigt, erbringen. Dafür reiche es nicht aus, den Waldbesitzenden einen Teil ihrer Kosten für die Begründung von klimastabilen Wäldern zu erstatten, wie es bereits im Rahmen der bestehenden GAK möglich ist, nach der allerdings nur Wälder bis zu einem Alter von 15 Jahren abgedeckt sind.

Das BMEL verfolgt daher ein „Kombimodell“, das sowohl die CO2-Speicherung der Wälder als auch die Aufwendungen für die Pflege klimaresilienter Wälder berücksichtigt. Nach dem Modell von Bundesministerin Julia Klöckner sind in der 1. Stufe (Sockel) Zahlungen für zusätzliche Aufwendungen einer klimaangepassten Bewirtschaftung vorgesehen, die bisher in der GAK nicht adressiert sind. In einer 2. Stufe (Aufschlag) erfolgen Zahlungen für die CO2-Bindungsleistung unter Einbeziehung der Holzprodukte. Die Höhe der Zahlungen orientiert sich zum einen an der gesteigerten Klimaschutzleistung des Waldes und zum anderen an den Aufwendungen der Waldbesitzenden für die langfristige Erbringung dieser Leistung. Die Anschubfinanzierung ist durch das „Klimaschutz Sofortprogramm 2022“ des Bundeskabinetts am 23. Juni 2021 auch für die neue Legislaturperiode gesichert. Der Beschluss des Bundeskabinetts zum Entwurf des Bundeshaushalts 2022 beinhaltet 200 Millionen Euro aus dem Energie- und Klimafonds für den Einstieg in diese Honorierung der Klimaschutzleistung von Wäldern.
Es besteht eine enorme Herausforderung, aber auch eine große Chance, neue Wälder aufzubauen, die dem Klimawandel standhalten können. Die Pflege und Anpassung der Wälder an extreme Wetterbedingungen sind wichtige Maßnahmen für den Klimaschutz, die die von der Waldkrise besonders betroffenen Forstbetriebe ohne staatliche Förderung nicht leisten können.

Autor: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)