17.04.2019

Achtung: Füllwörter!

Sie sitzen in einem Vortrag und schon nach kürzester Zeit können Sie dem Vortragenden nicht mehr folgen. Das liegt nicht an Ihrer letzten Nacht. Auch nicht am Inhalt – der würde Sie tatsächlich interessieren. Nein. Es liegt am Vortragenden. Und seiner Liebe zu Füllwörtern. Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor?

Rednerin

Das Problem: Wer häufig relativierende Füllwörter verwendet, möchte sich offenbar nicht festlegen. Füllwörter dienen als relativierender Airbag, falls der eine oder andere Begriff nicht zu 100 Prozent stimmig ist. Oder der Redner will Zeit gewinnen, wie zum Beispiel bei der häufigen Verwendung eines „ehrlich gesagt“ am Satzanfang. Besonders Politiker sollten hier vorsichtig sein. Denn: Taucht plötzlich ein „ehrlich gesagt“ auf, wird sich das Publikum fragen, ob der Rest der Rede etwa die Unwahrheit war. Füllwörter können irritieren und den Inhalt des Gesagten verfälschen, verwaschen: „Sozusagen“, „eigentlich“, „einfach“, „irgendwie“, „vielleicht“, „ähm“, „hm“, „ja“, „und“.

Im sogenannten „Sprach-Denk-Prozess“ des Alltags, also indem wir gleichzeitig sprechen und denken, nehmen wir zu oft ein vages Gefühl als Grundlage unserer Argumentation. Dabei bleibt häufig die Stringenz unserer Gedanken auf der Strecke und die Argumente drehen sich im Kreis. Struktur und gedankliche Klarheit (siehe: Achtsamkeit!) sind die Grundlage jeder erfolgreichen Kommunikation. Füllwörter hingegen sind eine bloße Angewohnheit. Und Angewohnheiten lassen sich ändern.

Was tun? Hier drei Schritte, wie die sprachliche Verschlankung und Konzentration auf’s Wesentliche gelingen kann:

  • Erster Schritt: Werden Sie sich Ihrer Lieblingswörter bewusst! Am einfachsten geht das, indem Sie sich Aufnahmen Ihrer Reden anhören. Oft lässt sich dabei (leider) „Füllwort-Bingo“ spielen – aber verzagen Sie nicht: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung!
  • Zweiter Schritt: Machen Sie echte Pausen statt Füllwörter zu nutzen. Jeder Redner muss mal verschnaufen und einen Gedanken sacken lassen. Pausen tun auch Ihrem Publikum gut! Sehen Sie sich eine Helmut-Schmidt-Rede auf Youtube an und lassen Sie sich von der Stille inspirieren.
  • Dritter Schritt: Sprechen Sie frei, dann entfällt die Suche nach dem „richtigen“ Wort. Eine Suche weniger kostet Sie mindestens drei Ähms und vier Jas.

Nutzen Sie dieses Frühjahr und sagen Sie Ihren Füllwörtern Lebewohl. Ein waches Publikum wird es Ihnen danken!

Autor: Magdalena Herbrecht (Magdalena Herbrecht ist Kulturwissenschaftlerin und Fachjournalistin für Energie/Nachhaltigkeit.)