27.01.2017

Achtung, Floskelalarm!

Deutsche Politiker greifen gern auf abgedroschene Redewendungen zurück, wie eine aktuelle Analyse zeigt. Mit hohlen Phrasen gewinnt allerdings kein Volksvertreter sein Publikum. Wer wirklich überzeugen will, sollte bei seiner Wortwahl mehr Kreativität wagen. Mit einer originellen, lebendigen Rhetorik zeigen Sie Persönlichkeit.

Sprechblase

Wie redegewandt sind Deutschlands Politiker? Auf welche Sprachbilder haben sie in ihren Reden während des vergangenen Jahres am liebsten gesetzt? Der Berliner Clippingdienst Polit-X  wollte es ganz genau wissen und hat dafür fast 40.000 Drucksachen und Sitzungsprotokolle aus dem Deutschen Bundestag und den Länderparlamenten unter die Lupe genommen. Das Fazit der Monitoring-Experten: „Ein weiteres Jahr voller Worthülsen und mehr oder minder gut platzierten Phrasen liegt hinter den Abgeordneten.“ Angeführt werden die Top Ten der 2016 am häufigsten verwendeten Redewendungen von dem Sprachbild „Auf den Prüfstand stellen“, gefolgt von „Sankt Nimmerlein“ (Platz 2) und dem von Parlamentariern ebenfalls gern zitierten „alten Wein in neuen Schläuchen“ (Platz 3).

Metaphern aus der Mottenkiste

Auch Metaphern wie „über einen Kamm scheren“ oder „die Kirche im Dorf lassen“ brachten es unter die zehn meiststrapazierten Redefiguren in deutschen Parlamenten. Insgesamt erstaunt, dass die Politiker bevorzugt auf sehr konventionelle – um nicht zu sagen: angestaubte – Phrasen zurückgreifen. Das wirkt unzeitgemäß und wenig ambitioniert. Vor allem aber vergeben die Abgeordneten die Chance, dass ihr Anliegen bei den Menschen (und Wählern) tatsächlich verfängt. Denn allzu eingängige Metaphern, die das Publikum schon tausendfach gelesen oder gehört hat, büßen ihre Wirkung ein. Neue, überraschende oder auch aufrüttelnde Sprachbilder dagegen bleiben schlichtweg besser im Gedächtnis der Adressaten haften.

Mehr sprachliche Kreativität

Es lohnt sich daher, in politischen Debatten nicht allein auf das bewährte sprachliche Inventar zurückzugreifen. Abgeordnete und auch Bürgermeister sollten sich vielmehr darum bemühen, ihre zentralen Botschaften in einfallsreiche und eben nicht floskelhafte Worte zu kleiden. Mit dieser Art zu sprechen wirken Sie überzeugender, kraftvoller und noch dazu engagierter. Suchen Sie nach sprachlichen Vergleichen aus Ihrem und dem Alltag Ihrer Zuhörer. Haben Sie Mut zu ungewöhnlichen Wortschöpfungen. Setzen Sie dosiert auch Redewendungen und Ausdrücke ein, die dem Zeitgeist entsprechen und auf aktuelle Ereignisse Bezug nehmen. Auf diese Weise entwickeln Sie Ihre eigene, unverwechselbare Rhetorik – und unterscheiden sich wohltuend von den politischen Phrasendreschern.

www.nicola-karnick.de

Autor: Nicola Karnick (Nicola Karnick ist Redenschreiberin und Autorin von "Praktische Redenbausteine für Bürgermeister".)