08.05.2017

Erleichterungen für den Sicherheitstreppenraum im Regelbau

Anforderungen an den Sicherheitstreppenraum sind im Punkt 4.2 und 6.2 der Muster-Hochhaus-Richtlinie beschrieben. In Fachkreisen wird seit einiger Zeit diskutiert, ob Erleichterungen für Sicherheitstreppenräume im Regelbau möglich sind. Berlin hat es bereits vorgemacht und Erleichterungen eingeführt, die seit 1. Januar 2017 gelten.

Fluchtweg Treppenraum

In der Schweiz und in Österreich sind die Anforderungen an Rettungswege und damit auch an den Sicherheitstreppenraum deutlich geringer als in Deutschland. In Deutschland hat das Land Berlin jetzt vorgelegt und Erleichterungen für Sicherheitstreppenräume eingeführt.

Generell ist in § 33 der MBO festgelegt, dass für Nutzungseinheiten, die nicht zu ebener Erde liegen, der erste Rettungsweg über eine notwendige Treppe führen muss. Der zweite Rettungsweg kann eine weitere notwendige Treppe oder eine mit Rettungsgeräten der Feuerwehr erreichbare Stelle der Nutzungseinheit sein. Ein zweiter Rettungsweg ist nicht erforderlich, wenn die Rettung über einen sicher erreichbaren Treppenraum möglich ist, in den Feuer und Rauch nicht eindringen können (Sicherheitstreppenraum). Der Sicherheitstreppenraum wird in der MBO zwar definiert, aber nicht weiter beschrieben. Wie ein Sicherheitstreppenraum hergestellt werden muss, ist im Punkt 4.2 und 6.2 der Muster-Hochhaus-Richtlinie beschrieben.

In Fachkreisen wird seit einiger Zeit diskutiert, ob Erleichterungen für Sicherheitstreppenräume im Regelbau möglich sind. Betrachtet man die Erläuterungen zur Muster-Hochhaus-Richtlinie könnte durchaus gefolgert werden, dass Anforderungen an Sicherheitstreppenräume im Regelbau sich von denen im Hochhaus unterscheiden.

Das sagt die Muster-Hochhaus-Richtlinie zum Thema Sicherheitstreppenraum:

Auf Grund ihrer gebäudespezifischen Eigenschaften werfen Hochhäuser jedoch allgemeine Sicherheitsprobleme auf, die sich von denen anderer Gebäudearten unterscheiden. Hochhäuser sind gekennzeichnet durch

  • eine große Zahl von Geschossen auf relativ kleiner Grundfläche,
  • eine große Zahl von Personen im Gebäude,
  • die vertikale Haupterschließung.

Daraus ergeben sich spezifische Anforderungen an das Rettungswegsystem, das zum einen die Selbstrettung von Personen aus dem Gebäude und zum andern den Angriff der Feuerwehr sicherstellen muss.

Zur Entscheidungsfindung hilft auch ein Blick über die Landesgrenzen. In der Schweiz und in Österreich sind die Anforderungen an Rettungswege deutlich geringer. In der Schweiz genügt bei Bauten mit einer Geschossfläche bis 900m² ein vertikaler Fluchtweg. In Österreich genügt beispielweise ein Treppenhaus als Fluchtweg in Gebäuden der Gebäudeklasse 5, wenn eine mechanische Belüftung vorgeschriebener Dimension vorhanden ist. In beiden Ländern ist die Definition von Sicherheitstreppenräumen an Hochhäuser gebunden. Vergleicht man die Brandtoten pro 1 Million Einwohner, liegt die Schweiz mit 3,6 vor Österreich mit 4,5 und Deutschland mit 5 an erster Stelle.

Auch eine umfangreiche wissenschaftliche Analyse und Bewertung unter Einbeziehung folgender Fragestellungen hilft, die Frage zu beantworten: Wo sind die meisten Brandtoten und Verletzten? Was waren die Brandursachen? Welche Personengruppen sind vorrangig beteiligt? Ist der Treppenraum daran maßgeblich beteiligt? Und wie war er baulich errichtet? Hätte ein Sicherheitstreppenraum zur Reduzierung der Opfer beigetragen?

Welche „Erleichterungen“ für Sicherheitstreppenräume im Regelbau sind konkret denkbar?

Beim außenliegenden Sicherheitstreppenraum steht der Abstand von 3m zwischen der Tür zum Sicherheitstreppenraum und anderen Türen zur Disposition. Hintergrund ist in erster Linie, den Raumbedarf des Sicherheitstreppenraumes zu reduzieren.

Vor allem geht es jedoch um den innenliegenden Sicherheitstreppenraum. Hier wird angestrebt, auf den Vorraum und die Druckbelüftungsanlage zu verzichten. Wird auf diese Elemente verzichtet, kann Rauch in den Treppenraum eindringen und somit wird die Definition des Sicherheitstreppenraumes nicht mehr erfüllt. Der erste Schritt in Richtung Sicherheitstreppenraum im Regelbau ist also die Änderung der Definition.

Vorstellbar ist in Anlehnung an die Formulierung der Anforderungen an notwendige Flure folgender Wortlaut:
Ein zweiter Rettungsweg ist nicht erforderlich, wenn die Rettung über einen sicher erreichbaren  Treppenraum möglich ist, deren Nutzung im Brandfall ausreichend lange möglich ist (Sicherheitstreppenraum).

Autor: Reimund Roß