25.03.2019

Löschspraydosen in Arbeitsstätten: Einsatz jetzt bedenkenlos möglich?

Die ASR A2.2 vom Mai 2018 erlaubt es dem Arbeitgeber, in der Grundausstattung unter bestimmten Bedingungen auch Feuerlöscher mit weniger als sechs Löschmitteleinheiten (LE) einzusetzen. Somit stellt sich die Frage, ob auch andere Löschgeräte als Feuerlöscher eingesetzt werden dürfen, z.B. Löschspraydosen. Dieser Beitrag beschreibt die Anforderungen an Löschspraydosen, die Festlegungen der ASR A2.2 sowie die Voraussetzungen für die Vorhaltung dieser Löschgeräte.

Feuerlöschen mit Löschspraydose

Die bisherige ASR A2.2 aus 2012 hielt an der Forderung nach Löschgeräten mit mindestens 6 Löschmitteleinheiten (LE) fest. Die neue ASR A2.2 vom Mai 2018 geht einen Schritt weiter: Sie erlaubt auch Löschgeräte mit 2 LE als Grundausstattung mit Feuerlöschgeräten – und damit faktisch den Einsatz kleinerer Löschspraydosen. Dabei setzt sie diesen aber enge Grenzen:

Wann dürfen Arbeitgeber Löschspraydosen nach ASR A2.2 verwenden?

  • Der Einsatz von kleineren Löschgeräten ist nur bei ausschließlich normaler Brandgefährdung vorgesehen.
  • Feuerlöscher sind als Geräte nach DIN EN-7 beschrieben. Der Einsatz anderer Löscheinrichtungen bedeutet somit eine Abweichung von der Grundausstattung, die der Arbeitgeber im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung eigenverantwortlich beschreiben muss.
  • Feuerlöscher mit weniger als 6 LE dürfen keine großen leistungsschwachen Geräte sein (wie sehr alte Wasserlöscher mit 2 LE).
  • Die Entfernung zum nächstgelegenen Feuerlöscher von bislang 20 m Laufwegslänge ist zu halbieren. Die Verringerung ergibt sich in der Praxis schon zum Teil aus der notwendigen Verdoppelung (bei Löschern mit 3 LE) oder Verdreifachung (bei Löschern mit 2 LE) der Anzahl der Löschgeräte. Letztendlich muss die Laufwegslänge vor Ort geprüft werden und ggf. müssen weitere Löschgeräte aufgestellt werden.
  • Die Anzahl der Brandschutzhelfer von mindestens 5 % der Belegschaft ist zu verdoppeln, um die Mehrzahl an Geräten auch einsetzen zu können. Dies führt in kleinen Arbeitsstätten sicher zu einer 100%igen Ausbildung oder sogar zu einem Mangel an Bedienern, wenn man hier die Ausstattung überzieht.

Löschspraydose

Achtung

Aktuell gibt es nur drei nach GS-Zeichen geprüfte Löschspraydosen auf dem Markt. Die Norm, an die das GS-Zeichen bei Löschspraydosen gekoppelt ist: DIN SPEC 14411. Ohne die Erfüllung dieses Normungsstandards kann kein GS-Zeichen vergeben werden. Teilweise verunsichern andere Kennzeichnungen wie „in Anlehnung geprüft“ oder „CE geprüft“ auf den Spraydosen. Es lohnt sich also, genau hinzuschauen. Eine Liste über vergebene und heute gültige GS-Zeichen finden Sie unter: https://www.mpa-dresden.de/de/gs-zeichen-loeschsprays.html

ASTA/BAuA zum Einsatz von Löschspraydosen

Unter dem Titel „Empfehlung zur ASR A2.2 ‚Maßnahmen gegen Brände‘ zur Gefährdungsbeurteilung bei der Verwendung von Löschspraydosen“ hat der Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) in einer Bekanntmachung Empfehlungen herausgegeben, die dem Arbeitgeber helfen sollen, Löschspraydosen im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen.

Hier eine Zusammenfassung der wesentlichen Punkte:

  • Löschspraydosen entsprechen nicht dem Stand der Technik, da der Konsens innerhalb der Fachwelt fehlt.
  • Löschspraydosen sind „handbetriebene Geräte zur Bekämpfung von Entstehungsbränden“ im Sinne von Punkt 3.6 der ASR A2.2 und keine Feuerlöscher nach DIN EN 3-7:2007-10. Die oben genannte Ausnahmeregelung gilt damit nicht für Löschspraydosen, auch wenn diese jeweils über mindestens 2 LE verfügen würden. Löschspraydosen können daher nicht für die Grundausstattung angerechnet werden.

Plant der Arbeitgeber trotzdem, Löschspraydosen einzusetzen, hat er im Rahmen der Durchführung und Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung insbesondere folgende Voraussetzungen einzuhalten:

  • Die nach ASR A2.2 erforderliche Grundausstattung (also Feuerlöscher mit 6 LE) ist vorhanden.
  • Die Löschspraydosen verfügen über mindestens zwei Löschmitteleinheiten, oder – im Fall von Fettbränden – über ein Löschvermögen von mindestens 5 F.
  • Die Löschspraydosen sind für Beschäftigte zu jeder Zeit sichtbar, unmittelbar zugänglich und einsetzbar.
  • Der Zugriff für Unbefugte (z.B. Kinder in Kindertageseinrichtungen oder Besucher von Verwaltungen) ist ausgeschlossen.
  • Zusätzlich zu der Anzahl der gemäß ASR A2.2 benannten Brandschutzhelfer sind weitere Brandschutzhelfer in Abhängigkeit der Menge eingesetzter Löschspraydosen benannt.
  • Im Bereich der Aufstellungsorte von Löschspraydosen besteht normale Brandgefährdung.
  • Da sich noch keine einheitliche Kennzeichnung von Löschspraydosen durchgesetzt hat, stellt der Arbeitgeber sicher, dass keine Verwechslungsgefahr mit anderen Spraydosen besteht.

Einsatzbereiche für den ergänzenden Einsatz von Löschspraydosen können z.B. Büros in Verwaltungsbereichen, Aufenthaltsräume in Kindertageseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen oder Arztpraxen sein. Kritisch zu sehen oder auszuschließen ist hingegen der Einsatz von Feuerlöschsprays in Laboren, Produktionsstätten, Räumen oder Hallen mit großer Ausdehnung und überall dort, wo die begrenzte Löschwirkung der Feuerlöschsprays nachteilig ist.

Wirtschaftlichkeit von Löschspraydosen

Sicherlich sind Feuerlöscher erheblich teurer als Löschspraydosen, allerdings würde bei einer Berechnung über zehn Jahre eine Kostenersparnis zugunsten des Feuerlöschers festzustellen sein, obwohl der Feuerlöscher regelmäßig Wartungskosten erzeugt. Gründe dafür sind die höhere Anzahl und die begrenzte Lebensdauer der Löschspraydosen (nach Norm 39 Monate), die eine regelmäßige Entsorgung nötig macht.

Neben den Kosten für Beschaffung und Prüfung kommen noch erhöhte Kosten für Entsorgung sowie die Aus- und Weiterbildung der höheren Anzahl von Brandschutzhelfern hinzu. In der Praxis hat sich auch gezeigt, dass Löschspraydosen aufgrund ihrer geringen Größe eher mal entwendet wurden als ein sechs Liter Feuerlöscher.

Bedienung von Löschspraydosen

Löschspraydosen und Feuerlöscher sind gleichermaßen zu bedienen: entsichern und nach Aktivierung löschen. In der Praxis hat sich auch gezeigt, dass der Einsatz von Löschspraydosen bei größerer Flammenhöhe oder einer gefühlt höheren Gefahr durch den Bediener infrage gestellt wird und dieser aus psychologischen Gründen eher zu einem aus seiner Sicht leistungsstarken, größeren Feuerlöscher greift.

Entsorgung von Löschspraydosen

Ein direkter Vergleich von Feuerlöschern mit Löschspraydosen eine erhebliche Mehrbelastung der Umwelt durch die Löschspraydose: Ein Schaumlöscher mit einem Volumen von sechs Litern mit heute 10 LE erzeugt in zehn Jahren durch den notwendigen Wechsel des Löschmittels einmalig ca. 0,25 Liter zu entsorgendes Schaummittel. Eine Löschspraydose mit 0,5 Liter Inhalt durch die Haltbarkeit von 39 Monaten und einer angenommenen Leistung von 2 LE insgesamt 7,5 Liter zu entsorgendes Schaummittel.

Fazit

Die Löschspraydose ist, sofern genormt und vorzugsweise mit GS-Zeichen versehen, ein Löschgerät für den häuslichen Bereich und dort sicher auch wünschenswert. Für den Arbeitgeber jedoch ist es die einfachste Lösung, wenn er die Arbeitsstätten mit geeigneten Feuerlöschern gemäß ASR A2.2 ausstattet und somit Kosten einspart und kein Risiko einer Fehlausrüstung eingeht.

Autor: WEKA Redaktion