30.01.2009

Ist es notwendig, Brandschutzhelfer zu schulen?

Hans-Jürgen Straub verfügt nicht nur über dreißig Jahre Erfahrung im professionellen Brandschutz. Er ist zudem Umweltschutzfachwirt, Qualitäts- und Projektmanager und nicht zuletzt Unternehmensberater für den betrieblichen Brandschutz. Wir sprachen mit ihm über Brandschutzhelfer und deren Bedeutung für Unternehmen.

1. Herr Straub, weshalb haben Sie sich auf die Ausbildung von betrieblichen Brandschutzhelfern spezialisiert?

Ich erachte die Ausbildung von betrieblichen Brandschutzhelfern als ausgesprochen wichtig für den Schutz der Menschen, die in einem Unternehmen beschäftigt sind. Die Tätigkeit gut ausgebildeter Brandschutzhelfer ist aber auch für die Unternehmen selbst sehr wichtig. Werden im Zeitraum vom Absetzen der Brandmeldung bis zum Eintreffen der Feuerwehr erste Brandbekämpfungsmaßnahmen erfolgreich durchgeführt, so verringern sich Brandschaden und wirtschaftliche Verluste erheblich.

2. Sachschäden werden aber von Versicherungen übernommen?

In der Regel schon, aber nicht alles kann von Versicherungen abgedeckt werden. Sind beispielsweise Kunden erst einmal verloren, weil man durch einen brandbedingten Produktionsausfall nicht liefern konnte, bekommt man diese so schnell nicht wieder zurück.

3. Gibt es gesetzliche Vorgaben für die Schulungen der Brandschutzhelfer?

Ja, sicherlich. Gesetzliche Vorschriften gibt es beispielsweise im Arbeitsschutzgesetz, aber auch in unterschiedlichen berufsgenossenschaftlichen Vorgaben. Ich biete in meinen Seminaren allerdings weit mehr an, als das was beispielsweise in der BGI 560 – Arbeitssicherheit durch vorbeugenden Brandschutz (Anm.: jetzt DGUV Information 205-001) – gefordert ist. Die von mir unterwiesenen Brandschutzhelfer können auch im Alltag die für den Brandschutz verantwortlichen Führungskräfte mit ihrem erworbenen Fachwissen unterstützen.

Tipp: Nutzen Sie die kostenlose Checkliste für Brandschutzhelfer. Sie können sie Ihren Brandschutzhelfern als Leitfaden für die Vorbereitung auf den Notfall an die Hand geben.

4. Wie ist die Ausbildung für Brandschutzhelfer aufgebaut?

Die Ausbildung für Brandschutzhelfer umfasst zunächst eine Einführung in das Thema Brandschutz. In dieser Einführung werden Themen behandelt wie beispielsweise Grundlagen der Brandlehre, Löschlehre, Gefahren an Brandstellen und taktisch richtiges Vorgehen für Selbsthilfekräfte. Danach folgen die Grundlagen des vorbeugenden baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutzes.

5. Es handelt sich also um rein theoretische Lehrinhalte, die Sie vermitteln?

Nein. Den Abschluss bildet in aller Regel eine praktische Übung mit Feuerlöschern. Diese Übung kann den örtlichen Gegebenheiten entsprechend auch „heiß“, also mit einem gasbetriebenen Übungsgerät durchgeführt werden.

6. Warum liegen Ihnen Jugendherbergen so am Herzen?

Dies hat unter anderem einen persönlichen Hintergrund. Als ehemaliger Pfadfinder bin ich in jungen Jahren viel in Jugendherbergen unterwegs gewesen und ich habe dort sehr viel Positives erfahren. Aber es hat natürlich auch einen fachlichen Hintergrund. Bei Brandereignissen in Jugendherbergen sind meist viele Menschen gefährdet. Dies stellt die Feuerwehren immer vor große Herausforderungen. Müssen Brandbekämpfung und Menschenrettung parallel laufen, ist hoher Personaleinsatz erforderlich. Im Brandschutz gut ausgebildete Mitarbeiter (Anm.: der Jugendherbergen) können eine enorme Unterstützung sein. Dies gilt natürlich grundsätzlich für alle Beherbergungsbetriebe bzw. Heime jedweder Art.

7. Reicht es nicht aus, wenn Unternehmen über Brandmeldeanlagen verfügen, die auf die zuständige Feuerwehrleitstelle aufgeschaltet sind?

Ein ganz deutliches Nein. Brandschutz sollte man dreigliedrig begreifen:
Der vorbeugende bauliche Brandschutz, der anlagentechnische Brandschutz und der organisatorische Brandschutz.

Fehlt eine dieser drei Säulen, beispielsweise die gute Schulung und Organisation (z. B. in Brandschutzordnungen nach DIN 14096 in den Teilen A bis C), besteht im Gefahrenfall immer das Risiko einer Katastrophe. Umfassender Brandschutz muss alle Bereiche erfassen.

8. Ist die Teilnahme an den Brandschutzschulungen Pflicht für die Mitarbeiter?

Ja, kein Mitarbeiter eines Unternehmens kann sich der Verpflichtung entziehen, an dienstlich angeordneten Schulungsmaßnahmen zur Arbeitssicherheit teilzunehmen.

9. Wie sind Ihre Erfahrungen? Sind die Mitarbeiter motiviert oder müssen Sie erst Gefahrenbewusstsein schaffen?

Ich stelle bei meinen Veranstaltungen immer wieder fest, dass die Mitarbeiter in den Unternehmen dem Thema Brandschutz sehr offen gegenüberstehen. Das Bewusstsein über die Brandgefahren gerät sicherlich im Alltag schnell in den Hintergrund. Ich denke, dies ist auch normal. Wer denkt schon beim Autofahren jeden Tag daran, dass er tödlich verunglücken könnte? Das geht ja gar nicht. Aber, nach kurzen Einführungsphasen, steigen Mitarbeit und Interesse sehr schnell an. Dies lässt beim „Durchackern“ von Rechtsgrundlagen zwar etwas nach. Aber spätestens, wenn die Flamme des Übungsgerätes brennt und die Feuerlöscher einsatzklar gemacht werden, sind wieder alle hochmotiviert.

10. Wo sehen Sie noch Schwachpunkte beim Brandschutz in den Unternehmen?

Sicherlich bin ich jetzt etwas ungerecht, aber ich kann es nur aus der Sicht des Brandschutzpraktikers betrachten. In den Unternehmen wird noch immer zu wenig geschult und geübt. Mir ist klar, dass es im betrieblichen Alltag andere Prioritäten gibt. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, wie groß das Entsetzen oft ist, wenn der Fall der Fälle eingetreten ist und man vor großen menschlichen, aber auch wirtschaftlichen Problemen steht. Von daher sollte man die Gefahrenprävention nicht aus den Augen verlieren und in die Betriebsabläufe implementieren.

Autor: Markus E. Ungerer