Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
28.09.2015

Gefährdungsbeurteilung Brandschutz: Brandgefährdungen können gezielt minimiert werden

Arbeitgeber stehen in der Verantwortung, Brandgefährdungen in der Arbeitsstätte mit Hilfe einer Gefährdungsbeurteilung Brandschutz entgegen zu wirken bzw. nachhaltig zu minimieren. Neben der Pflicht, die sich aus mehreren Vorschriften ergibt, sprechen weitere Gründe dafür, dem betrieblichen Brandschutz Priorität einzuräumen. Denn im Brandfall sind neben den Einsatzkräften der Feuerwehr und Rettung häufig auch die Aufsichtsbehörden und die Polizei vor Ort, um Brandursachen oder Urheber zu ermitteln. Und tritt eine Pflichtverletzung zutage, drohen nicht nur Bußgelder oder Strafen, sondern darüber hinaus durch öffentliche Berichterstattung auch ein Imageverlust.

Doch auch aus ökonomischer Sicht ist es sinnvoll Brandgefährdungen rechtzeitig und gezielt zu ermitteln.© fotografiche /​ iStock /​ Thinkstock

Vor diesem Hintergrund ist es aus Brandschutzgründen, aber auch aus ökonomischer Sicht ratsam, Brandgefährdungen rechtzeitig und gezielt zu ermitteln.

So kommen Sie Brandgefährdungen gezielt auf die Spur

Entstehungsbrandrisiken in Arbeitsstätten werden grundsätzlich vor Tätigkeitsaufnahme erfasst und mit Hilfe einer Gefährdungsbeurteilung geeignete Maßnahmen ergriffen. Als Handlungshilfe für die Gefährdungsbeurteilung nach
§§ 5, 6 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)  – in Verbindung mit den jeweiligen Bauordnungen der Länder, DGUV Vorschrift 1, ArbStättV, ASR A 1.3, ASR A 1.8, ASR A2.2, ASR A 2.3, DGUV Regel 105-001 (bisher BGR 134), DGUV Information
205-001 (bisher BGI 560), TRGS 510, ggf. TRGS 800. Um Brandgefährdungen lückenlos und sicher zu erfassen, sind folgende Fragen zu beantworten.

Sind alle erforderlichen baulich-technischen Maßnahmen zur Brandverhütung getroffen?

  • Brandschutztechnische Ausführung der Gebäude und Räume entsprechen den Bauvorschriften/-auflagen (u.a. Brandmeldeanlage, RWA Anlage etc.)
  • Schließfunktion der Brandschutztüren gewährleisten (nicht verkeilen!)
  • In feuergefährdeten Bereichen Zündquellen fernhalten und Rauchen verbieten.
  • Feuerlöscheinrichtungen in ausreichender Anzahl bereitstellen.
  • Feuerlöscher regelmäßig durch befähigte Personen prüfen lassen.
  • Stellen, an denen Feuerlöscheinrichtungen bereitgehalten werden, entsprechend kennzeichnen.
  • Zugang zu Feuerlöscheinrichtungen nicht verstellen.
  • Durchführung von Feuerarbeiten organisieren.
  • Flucht- und Rettungsweglängen, Anzahl und Kennzeichnung der Notausgänge sind rechtskonform.
  • Verunreinigtes Putzmaterial, von dem Brandgefahr ausgehen kann, in verschließbaren Sammelbehältern aus nicht brennbarem Werkstoff mit selbsttätig und dicht schließendem Deckel aufbewahren.
  • Brandlasten in Verkehrswegen/vor Notausgangstüren werden konsequent vermieden.
  • Gefahrstoffe werden nur in ausgewiesenen Lagerräumen, trocken, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt, rechtskonform verpackt und gekennzeichnet  bereitgestellt/gelagert.

Sind die Mitarbeiter zum Verhalten im Brandfall unterwiesen?

  • Eine ausreichende Anzahl von Beschäftigten ist durch Brandschutzunterweisung„>Brandschutzunterweisung und Übung im Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen vertraut zu machen.
  • Sofern möglich, wird die Teilnahme an Löschübungen empfohlen.
  • Für diesen Zweck gibt es von verschiedenen Anbietern Feuerlöschtrainer.
  • Übungen auf Löschplätzen bietet z.B. die Feuerwehr an.

Wurde eine ausreichende Anzahl von Brandschutzhelfern bestellt?

  • Die notwendige Anzahl von Brandschutzhelfern ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung.
  • Ein Anteil von fünf Prozent der Beschäftigten ist in der Regel ausreichend.
  • Eine größere Anzahl von Brandschutzhelfern kann z. B. bei erhöhter Brandgefährdung, der Anwesenheit vieler Personen, Personen mit eingeschränkter Mobilität sowie großer räumlicher Ausdehnung der Arbeitsstätte erforderlich sein.

Wurden die Brandschutzhelfer im Hinblick auf ihre Aufgaben fachkundig unterwiesen?

  • Die Brandschutzhelfer sind im Hinblick auf ihre Aufgaben fachkundig zu unterweisen.
  • Zum Unterweisungsinhalt gehören neben den Grundzügen des vorbeugenden Brandschutzes
    • Kenntnisse über die betriebliche Brandschutzorganisation, die Funktions- und Wirkungsweise von Feuerlöscheinrichtungen, die Gefahren durch Brände sowie über das Verhalten im Brandfall
    • Praktische Übungen (Löschübungen) im Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen gehören zur fachkundigen Unterweisung.

Sind ergänzende Sicherheitsmaßnahmen für erlaubnispflichtige Tätigkeiten (u.a. Schweißerlaubnis) schriftlich festgelegt?

  • Ein Erlaubnisschein für feuergefährliche Arbeiten ist einzuholen.
  • Sämtliche brennbaren Stoffe und Gegenstände sind zu entfernen.
  • Das Entfernen schließt auch brennbare Stoffe und Gegenstände ein, die fest mit dem Gebäude verbunden sind, z.B. Umkleidungen oder Isolierungen.
  • Werden nicht benötigte elektrische Geräte bei längerer Nutzungspause abgeschaltet (z.B. Kaffeemaschine)?

Weitere Fragepunkte

  • Wird Zigarettenasche nur in schwer entflammbare/selbst löschende Abfallbehälter (z.B. Metalltreteimer) entleert?
  • Sind Feuerlöscheinrichtungen aktuell geprüft (Feuerlöscher und Wandhydranten alle 2 Jahre)?
  • Wurde das ggf. erforderliche Gefahrstoffverzeichnis der ortsansässigen Feuerwehr übermittelt?
  • Sind alle Feuerlöscheinrichtungen frei zugänglich?
  • Sind die vorhandenen Brandschutztüren intakt und funktionsfähig?
  • Sind die Technikräume frei von brennbaren Gegenständen?
  • Gibt es einen ausgewiesenen Sammelpunkt, der im Flucht- und Rettungsplan ausgewiesen wurde?
  • Gibt es ausgewiesene Raucherzonen (außerhalb von Werkstätten, Lägern etc.!)
  • Werden regelmäßig Brandverhütungsschauen und Räumungsübungen durchgeführt, protokolliert und analysiert?
  • Brandschutzkonzept und Brandschutzordnung„>Brandschutzordnung regelmäßig prüfen und ggf. überarbeiten.
Autor: Stefan Johannsen

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