Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
05.10.2015

Brandschutz in Flüchtlingsunterkünften und Notunterkünften

Flüchtlingsunterkünfte sind nicht erst durch die aktuelle Asylbewerberflut in den Fokus gerückt. Insbesondere beim wichtigen Thema Brandschutz ist aber vielerorts noch Klärungsbedarf. Denn wie jedes andere Gebäude unterliegen auch Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland strengen Brandschutzbestimmungen. Maßgeblich dafür sind die jeweiligen Landesbauordnungen.

Flüchtlingsunterkünfte in Beherbergungsstätten werden gemäß den Bauordnungen bzw. der Beherbergungsverordnungen der jeweiligen Bundesländer beurteilt.© HarnZing /​ iStock /​ Thinkstock

So genannte Flüchtlingsunterkünfte dienen der vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Die Unterbringung erfolgt in erster Linie in festen Gebäuden, mitunter in Form von Notunterkünften behelfsmäßig auch in Containerdörfern. In jedem Fall aber unterliegen sie den Anforderungen der  jeweiligen Landesbauordnungen. Daraus ergeben sich auch die Vorgaben für den Brandschutz.

Einrichtung von Flüchtlingsunterkünften

Bei der Einrichtung von Flüchtlingsunterkünften ist immer die zuständige Bauaufsicht zu konsultieren. Die brandschutztechnischen Anforderungen an Flüchtlingsunterkünfte sind maßgeblich abhängig von der Art der Unterbringung und basieren auf den brandschutztechnischen Mindestanforderungen der Landesbauordnung. Jeder Einzelfall bedarf der Prüfung durch die zuständige Behörde.

In der Praxis haben sich fünf Formen der Unterbringung etabliert:

• Unterbringung in Wohngebäuden
• Unterbringung in Hotels
• Unterbringung in Wohnheimen
• Notunterbringung in Hallen
• Unterbringung in Containerdörfern

Flüchtlingsunterkünfte in Wohngebäuden

Bei der vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen in Wohngebäuden ist zu beachten, dass die Belegung der einer üblichen Wohnungsnutzung entspricht. Im Regelfall sollten dies nicht mehr als 6 Personen je Wohnungseinheit sein. Grundvoraussetzungen sind, dass jedem Erwachsenen 9 m² und jedem Kind mindestens 6 m² zur Verfügung stehen. Das Wohngebäude ist entsprechend den Bestimmungen der Landesbauordnung als Standardbau zu beurteilen. Unabhängig von den Bestimmungen der Landesbauordnung wird die Installation von Rauchwarnmeldern zur frühzeitigen Warnung der Nutzer vor Brandrauch als notwendig erachtet.

Flüchtlingsunterkünfte in Beherbergungsstätten werden gemäß den Bauordnungen bzw. der Beherbergungsverordnungen der jeweiligen Bundesländer beurteilt.

Flüchtlingsunterkünfte in Hotels

Bei der vorübergehenden Unterbringung in Beherbergungsstätten ist zu beachten, dass der Charakter der Einrichtung erhalten bleibt. Die vorübergehende Umnutzung z. B. von Restaurantbereichen in Gemeinschaftsräume führt nicht zwangsläufig zu einer anderen brandschutztechnischen Bewertung. Kommt es jedoch zu einer Erhöhung der Bettenzahl, sind die Schwellenwerte für erhöhte materielle Anforderungen der Muster-Beherbergungsstätten-Verordnung zu beachten. Diese liegen bei 30 bzw. 60 Betten.

Flüchtlingsunterkünfte in Wohnheimen

Bei der vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingsunterkünften in Wohnheimen ist als Beurteilungsgrundlage die Muster-Beherbergungsstätte heranzuziehen. Die zwei notwendigen Rettungswege müssen baulich sichergestellt sein. Das Gebäude ist mindestens mit einer Brandmelde- und Alarmierungsanlage nach DIN 14675, Schutzkategorie 3 auszustatten. Brandmeldungen sind automatisch zur Feuerwehralarmierungsstelle zu übertragen. Gleichzeitig sind die Bewohner mittels Alarmierungsanlage automatisch zu alarmieren. Die Wohnräume sind mit Rauchwarnmeldern auszustatten. Im Einzelfall können durch die Brandmelde- und Alarmierungsanlage zu geringe Brandschutzeigenschaften von Bauteilen kompensiert werden.

Dies betrifft insbesondere die Herstellung von Trennwänden zwischen den Wohnräumen ohne klassifizierten Feuerwiderstand, jedoch aus nicht brennbaren Baustoffen, sowie die Türen zwischen Wohnräumen und notwendigen Fluren in dichtschließender Qualität und die Türen zwischen notwendigen Fluren und notwendigen Treppenräumen als rauchdichte und selbstschließende Türen.

Notunterkünfte in Hallen

Notunterkunft in einer Traglufthalle

Bei der vorübergehenden Einrichtung von Notunterkünften in Hallen ist davon auszugehen, dass sich die Betroffenen in einem Großschlafraum, mit separaten Sozialräumen aufhalten.

Großschlafraum

Um eine jederzeitige schnelle Evakuierung der Flüchtlingsunterkünfte sicherzustellen, sind in der Halle Hauptgänge, die zu den direkten Ausgängen ins Freie führen, in einer Breite von 1,50 m bis 2,00 m am Boden zu markieren und dauerhaft frei zu halten. Die Gänge zwischen den Betten müssen eine Mindestbreite von 1,00 m aufweisen und sind ebenfalls am Boden zu markieren und dauerhaft frei zu halten. Die Ausgänge sind mit jederzeit erkennbaren Piktogrammen zu kennzeichnen. Die Halle sollte vorzugsweise mit einer Brandmelde- und Alarmierungsanlage, jedoch mindestens mit Rauchwarnmeldern nach DIN 14676 und nichtelektrischen Alarmierungsanlagen, wie z.B. Handsirenen ausgestattet sein. Für die Erstbrandbekämpfung ist an jedem notwendigen Ausgang ein geeigneter Feuerlöscher bereitzustellen. Für den Fall der Räumung der Halle ist ein Sammelplatz festzulegen und zu beschildern. In der Halle ist Rauchverbot auszusprechen.

Zur Gewährleistung eines sicheren Betriebes der Notunterkunft ist es erforderlich geeignetes Sicherheitspersonal vor Ort zu haben. Das Sicherheitspersonal hat in Flüchtlingsunterkünften vorrangig die Einhaltung der festgelegten Brandschutzmaßnahmen zu kontrollieren und im Brandfall die Räumung der Halle einzuleiten und nach Möglichkeit Löschversuche mittels Feuerlöscher zu unternehmen.

Notunterkünfte in Containern

Eine Einrichtung von Notunterkünften in Containern dient nicht als Dauerlösung und wird in der Regel auf 2 Jahre durch die zuständige Bauaufsicht befristet. Jeder Container muss mindestens in feuerhemmender Bauweise errichtet werden. Unter Einhaltung der Abstandsflächen darf der Baukörper maximal drei Geschosse hoch sein. Durchbrüche von Container zu Container sind brandschutztechnisch entsprechend zu verschließen. Im Abstand von jeweils  40 m ist eine Brandwand zu errichten. Die Container sollten vorzugsweise mit einer Brandmelde- und Alarmierungsanlage ausgestattet werden. Mindestens sind jedoch die einzelnen Container mit einer Brandmeldeanlage auszustatten, wo die Meldung zu einer Rund um die Uhr besetzten Stelle weitergeleitet wird, welche dann die Feuerwehr alarmiert. Die Türen von Gemeinschaftsküchen sind feuerhemmend und selbstschließend herzustellen, Türen zu innenliegenden Treppenräumen und Rauchabschnittstüren in notwendigen Fluren müssen feuerhemmend, rauchdicht und selbstschließend sein.

Organisatorischer Brandschutz für Flüchtlingsunterkünfte und Notunterkünfte

Für alle Unterkunftsformen sind organisatorische Brandschutzmaßnahmen umzusetzen. Dazu zählt in erster Linie die Erstellung einer Brandschutzordnung Teil A bis C. Der Teil A ist nach Möglichkeit mehrsprachig in Abhängigkeit der Nationalitäten der Bewohner zu erstellen. Flucht- und Rettungswegpläne sind zu erstellen. Feuerwehrpläne sind in Absprache mit der zuständigen Feuerwehr zu erarbeiten. Eine Einweisung in die Brandschutzordnung vor Ort ist unabdingbar.

Weitere und vertiefende Informationen zum Brandschutz in Flüchtlingsunterkünften finden Sie in: Baulicher und technischer Brandschutz für Brandschutzbeaufragte

 

Autor: Reimund Roß 

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