14.08.2017

Brandsicherheit von Fassaden

Nach dem verheerenden Hochhausbrand im Grenfell Tower in London wurde schnell deutlich, dass die Fassadendämmung den entscheidenden Anteil an der Tragödie hatte. Insbesondere Dämmmaterialien aus Polystyrol führen dazu, dass sich ein Brand über die Fassade rasch ausbreiten kann. Warum die Wahrscheinlichkeit, dass solche Hochhausbrände auch in Deutschland passieren, eher gering ist:

Hochhausfassade

Am 17. Juni 2017 ereignete sich ein verheerender Brand im Grenfell Tower in London, das weltweit Aufsehen erregte. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein 24-geschossiges, erst 2016 modernisiertes Hochhaus.

Beim Großbrand in diesem Gebäude kamen 79 der 600 Bewohner ums Leben. Der Brand breitete sich sehr schnell auf das gesamte Gebäude aus, und führte letztendlich dazu, dass Rettungswege nicht mehr nutzbar waren.

Fassadendämmung war Schuld

Sehr schnell wurde deutlich, dass die bei der Sanierung des Gebäudes aufgebrachte Wärmedämmung den entscheidenden Anteil an der Tragödie hat. Insbesondere Dämmmaterialien aus Polystyrol führen dazu, dass ein Brand  nicht auf die Außenfront begrenzt bleibt, sondern dass ein Feuerüberschlag von Geschoss zu Geschoss stattfindet.

Hochhaus in Wuppertal geräumt

Sind solche Brände in Deutschland auch möglich? Grundsätzlich kann dies nicht ausgeschlossen werden. Bestes Beispiel dafür ist die Räumung eines Hochhauses in Wuppertal, die aufgrund des Brandereignisses in London durchgeführt wurde. In diesem Hochhaus wurden ähnliche Dämmmaterialien verwendet. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem solchen Brand in einem Hochhaus in Deutschland kommt, eher gering einzustufen.

In einer Reihe von Bundesländern laufen Überprüfungen

Die baurechtlichen Anforderungen sind seit 1981 in der Muster-Hochhaus-Richtlinie niedergeschrieben. Unter Anderem wird darin festgelegt, dass  brennbare Außenwandverkleidungen, wozu Wärmedämmverbundsysteme zählen, im Hochhausbereich (Gebäude über 22m Oberkante Fußboden des höchstmöglichen Aufenthaltsraumes) nicht zulässig sind. Im Einzelfall können jedoch in Hochhäusern, die vor 1981 erbaut worden sind, brennbare Außenwandverkleidungen vorhanden sein. Gegenwärtig laufen deshalb in einer Reihe von Bundesländern Überprüfungen in diesen Objekten.

Fassadendämmung: Brandschutz wird nachgebessert

In Gebäuden unterhalb der Hochhausgrenze sind brennbare Fassadensysteme jedoch zugelassen. Gemäß der Musterbauordnung Stand 13.05.2016 müssen Oberflächen von Außenwänden sowie Außenwandbekleidungen einschließlich der Dämmstoffe und Unterkonstruktionen schwerentflammbar sein. Dies betrifft auch Wohngebäude, in denen sich gleichzeitig eine große Anzahl an Menschen aufhält.

In diesen Gebäuden gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche Brände, z.T. mit Todesopfern. Brandursachen waren unter anderem in Brand geratene Gegenstände vor der Fassade des Hauses, wie z.B. brennende Müllcontainer oder Brände auf Balkonen, welche sich dann auf die Fassade ausgebreitet haben. Auch Wohnungsbrände können sich bei geöffneten Fenstern oder nach deren Durchbrand in gleicher Form auf die Fassade ausbreiten.

Seit 2012 beschäftigt sich die Bauministerkonferenz mit diesem Problem. So wurden Großbrandversuche in Auftrag gegeben und die Auswertung realer Brandfälle vorangetrieben. Festgestellt wurde, dass bewegliche Brandlasten vor der Fassade einen wesentlichen Gefahrenpunkt darstellen. Darüber hinaus können Brandriegel zwischen den Geschossen die Brandausbreitung verzögern. Ein Schwachpunkt stellen auch beschädigte Wärmedämmverbundsysteme dar, insbesondere wenn die brennbare Dämmung frei liegt.

Gegenwärtig wird versucht, diese Ergebnisse in die Erarbeitung des Teils 24 der DIN 4102 einzubringen. Hier geht es insbesondere um die Normierung eines s.g. Sockelbrandes und die Verhinderung der Übertragung eines Vollbrandes auf die Fassade.

Tipp: Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb) hat ein Positionspapier für die Brandsicherheit von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) an Fassaden mit Polystyrolschaum (EPS) als Dämmstoff veröffentlicht. Sie finden es hier.

Autor: Reimund Roß