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14.09.2015

Regeln zur Entrauchung durch neue MIndBauRL geändert

Die geänderte Muster-Industriebau-Richtlinie (MIndBauRl) betrifft im Wesentlichen den Inhalt der Brandschutzordnungen. Unter anderem wurde zur Entrauchung jetzt auch ein Regelbeispielkatalog geschaffen, der die Verwendung alternativer Möglichkeiten erlaubt, um das Schutzziel (Unterstützung der Brandbekämpfung) zu erreichen.

Nun wurde zur Entrauchung ein Regelbeispielkatalog geschaffen.© Tokarsky /​ iStock /​ Thinkstock

Zur Entrauchung (Rauchableitung) ist im Absatz 5.7 der neuen MIndBauRL folgendes geregelt: Produktions- und Lagerräume mit mehr als 200 m² Grundfläche müssen zur Unterstützung der Brandbekämpfung entraucht werden.

Entrauchung jetzt auch mit alternativen Lösungen möglich

Beim Einsatz qualifizierter natürlicher Rauchabzugsgeräte (NRWG) in Rauchabzugsanlagen gilt diese Vorgabe als erfüllt, wenn je höchstens 400 m² Grundfläche ein solches Gerät mit mindestens 1,5 m² aerodynamisch wirksamer Fläche im oberen Raumdrittel eingebaut wird. Bei der nicht so qualifizierten „Öffnung zur Rauchableitung“ werden lediglich freie Querschnitte erforderlich. Mit den neuen Regelungen zur Entrauchung hat die MIndBauRL einen sogenannten Regelbeispielkatalog geschaffen (siehe Übersicht), der die Verwendung alternativer Lösungsmöglichkeiten eröffnet, um das Schutzziel (Unterstützung der Brandbekämpfung) zu erfüllen, ohne dass es einer formalen Abweichungsentscheidung bedarf.

Übersicht: Regelbeispielkatalog (MindBauRL)

  1. eine Rauchableitung mit qualifizierten natürlichen Rauchabzugsgeräten (NRWG) und einer Vorgabe der Entrauchungsflächen (mind. 1,5 m² aerodynamisch wirksame Rauchabzugsfläche je 400 m² Raumgrundfläche)
  2. eine Rauchableitung mit qualifizierten Rauchgasventilatoren und einer Vorgabe von mindestens 10.000 m³/h je 400 m² Raumgrundfläche
  3. eine Rauchableitung mit unqualifizierten „Öffnungen zur Rauchableitung“ und einer Vorgabe einer freien Öffnungsfläche von 1% (Einbau im Dach) bzw. 2% (Einbau in der Wand)
  4. eine qualifizierte natürliche Rauch- und Wärmeabzugsanlage (NRA)
  5. eine qualifizierte maschinelle Rauch- und Wärmeabzugsanlage (MRA)
  6. bei der nicht qualifizierten „Öffnung zur Rauchableitung“ werden größere Flächen erforderlich

Im Baurecht ist das Thema Entrauchung geregelt

Das Baurecht geht davon aus, dass die drei relevanten Schutzziele Personenschutz, Nachbarschaftsschutz und Umweltschutz auch ohne qualifizierten Rauchabzug ausreichend umgesetzt werden können, wenn die im Baurecht benannten materiellen Grenzen (z. B. für Flächen, vorgegebene Abstände oder Fluchtweglängen, vorgegebene Brandklassen, maximale Personenkonzentrationen, erlaubte Brandlasten usw.) eingehalten werden. An die nur zur Unterstützung des Löschangriffs gedachte „Öffnung zur Rauchableitung“ stellt das Baurecht keine qualifizierten Anforderungen.

Werden hingegen im Einzelfall weitere Schutzziele gefordert oder werden die Grenzen des Baurechts nicht eingehalten, d.h. Abweichungen festgestellt, muss bereits zur Erlangung der Baugenehmigung bei der Entrauchung z.B. neben qualifizierten Rauabzugsanlagen nach DIN EN 12101 auch die qualifizierte Bemessung nach DIN 18232 zugrunde gelegt werden.

Prüfen Sie selbst, anhand unserer Checkliste: Schutzmaßnahmen im Brandfall

Ja oder Nein?

  • Ist der geforderte anlagentechnische Brandschutz zur Branderkennung (Rauchmelder, Brandmeldeanlagen etc.) entsprechend dem aktuellen Stand der Technik installiert?
  • Ist der geforderte anlagentechnische Brandschutz zur Brandableitung (Rauch- und Wärmeabzugsanlagen etc.) entsprechend dem aktuellen Stand der Technik installiert?
  • Gibt es im Betrieb einen internen Krisenstab, der die Aufgabe hat, die Folgen eines Brandes zu bewältigen?
  • Existiert ein interner Plan, der explizit regelt, wie während bzw. nach einem Brand zu verfahren ist
  • Sind für den Krisenstab zur Bewältigung von Brandfolgen die erforderlichen fachkundigen Personen benannt und in die jeweiligen Aufgaben eingewiesen?
  • Ist gewährleistet, dass die notwendigen Sofortmaßnahmen auch dann durchgeführt werden
    können, wenn die fachkundigen Personen nicht direkt anwesend sein können?

Fazit: Können sämtliche Fragen bejaht werden, sind die im Brandfall notwendigen Maßnahmen im Betrieb ergriffen.

 

Autor: WEKA Redaktion 

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