Fachbeitrag | Informieren und Recht
13.11.2012

Die neue ASR A2.2

Die ASR A2.2 stärkt die Gefährdungsbeurteilung in Bezug auf Maßnahmen bei Entstehungsbränden und löst die bestehende ASR 13,1.2 ab.

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) konkretisieren die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Sie ersetzen sukzessive die bisher geltenden Arbeitsstätten-Richtlinien.

Bisher wurde für alle Brandgefährdungen über Tabellen eine bestimmte Anzahl von Feuerlöschern festgelegt. Die ASR A2.2 Maßnahmen gegen Brände legt neue Regeln fest.

Die neuen Regelungen der ASR A2.2

  1. Grundschutz
    Die bisherige geringe Brandgefahr wird in einen Grundschutz umgewandelt und deckt Gefahren, vergleichbar einer Büronutzung, ab.
    Für diesen Grundschutz werden weiterhin über Tabellen die Anzahl von Feuerlöschern sowie weiterhin die Anrechnung von Wandhydranten festgelegt.
  2. Erhöhte Brandgefahr
    Darüber hinausgehende Gefährdungen  werden als erhöhte Brandgefahr bezeichnet und decken den Bereich der bisherigen mittleren und großen Brandgefahr ab, ohne allerdings konkrete Stückzahlen an auszurüstenden Feuerlöschern zu fordern.
    Hier tritt die bereits in dem Arbeitsschutzgesetz geforderte Gefährdungsbeurteilung stärker in den Vordergrund.
    Die letztendliche Entscheidung obliegt also dem Betreiber bzw. Arbeitgeber.
  3. Berücksichtigung anderer Verordnungen
    Zusätzlich sollen auch Gefährdungsbeurteilungen und Maßnahmen aus anderen Verordnungen wie der Gefahrstoffverordnung stärker berücksichtigt werden.
    Hierzu verweist die  ASR A 2.2. auf die TRGS 400 sowie TRGS 800.
  4. Verkürzte Reaktionszeit bei der Brandmeldung
    Stärker berücksichtigt wird auch eine Verkürzung der Reaktionszeit durch schnelle Brandmeldung über Brandmelder oder Brandmeldesysteme.
    Zusätzlich soll sich die Reaktionszeit der Selbsthilfekräfte durch schnelles Auffinden der nächstgelegenen Löschgeräte möglichst verringern.
    Damit die tragbaren Feuerlöscher im Brandfall schnell zur Hand sind, dürfen sie sich nicht an einer, womöglich weit entfernten, Stelle konzentrieren. Deshalb sieht die ASR A 2.2 vor, dass die Entfernung von jeder Stelle zum nächstgelegenen Feuerlöscher nicht mehr als 20 Meter tatsächliche Streckenlänge betragen soll.
  5. Regelmäßige Unterweisung, Brandschutzhelfer
    Die regelmäßige Unterweisung aller Mitarbeiter bzw. die Benennung und Ausbildung von Brandschutzhelfern und die wiederkehrende Instandhaltung und Prüfung aller brandschutzrelevanten technischen Einrichtungen sichern die Maßnahmen bei Entstehungsbränden zusätzlich ab.

Besonderheiten bei Baustellen

Auf Baustellen bestehen besondere Brandgefahren, z.B. durch Schweißen, Trennen und Schneiden. Deshalb sieht die ASR A2.2 für Baustellen vor, für jedes gleichzeitig eingesetzte Arbeitsmittel einen geeigneten tragbaren Feuerlöscher mit mindestens 6 Löschmitteleinheiten bereitzuhalten.

Muss der Arbeitgeber die neuen Regeln zwingend einhalten?

Der Arbeitgeber kann eigenständig von den Vorgaben der ASR abweichen und die Schutzzielvorgaben der Arbeitsstättenverordnung einschließlich des Anhangs auch auf andere Weise erfüllen. In diesem Fall muss er die ermittelten Gefährdungen, denen die Beschäftigten ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein können, auf andere Weise so beseitigen oder verringern, dass dabei das gleiche Schutzniveau wie in der ASR erreicht wird („Stand der Technik“).

Bestandsschutz

Dort, wo bei der Bekanntgabe der ASR neue Anforderungen aufgrund der Fortentwicklung des Standes der Technik enthalten sind und die Maßgaben nur mit umfangreichen Änderungen oder erheblichen Aufwendungen in den bereits eingerichteten und betriebenen Arbeitsstätten umsetzbar sind, stellt sich die Frage des Bestandsschutzes. Ob der Arbeitgeber die Arbeitsstätte den neuen Regelungen anpassen muss oder ob die bestehende Arbeitsstätte auch weiterhin den Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung entspricht, lässt sich nur mit der Wiederholung der Gefährdungsbeurteilung ermitteln.

Wichtig: regelmäßig unterweisen

Natürlich genügt eine ausreichende Anzahl an tragbaren Feuerlöscher nicht, um einen Brand abzuwehren, wenn es zu wenig unterwiesene Kräfte gibt oder diese nicht umfassend geschult sind.

Die ASR A2.2 fordert deshalb, alle Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen, mindestens einmal jährlich, in wesentlichen Fragen des Verhaltes im Gefahrenfall zu unterweisen.

Brandschutzhelfer

Zusätzlich muss der Arbeitgeber  eine ausreichende Anzahl von Beschäftigten zu Brandschutzhelfern ernennen. Ausreichend heißt: ein Anteil von 5 % der Beschäftigten an Brandschutzhelfern.

Die  tatsächliche Zahl der erforderlichen Brandschutzhelfer muss über eine Gefährdungsbeurteilung bestimmt werden. Sie kann, bedingt durch Schichtdienst, erhöhte Brandgefährdung, Anwesenheit vieler Personen, Personen mit eingeschränkter Mobilität oder großer räumlicher Ausdehnung, höher ausfallen.

Brandschutzhelfer unterweisen

Weiterhin gibt die ASR A2.2  Hinweise dazu, was die Unterweisung der Brandschutzhelfer beinhalten sollte:

  • Grundzüge des vorbeugenden Brandschutzes
  • Gefahren durch Brände
  • Verhalten im Gefahrfall
  • Kenntnisse der betrieblichen Brandschutzorganisation
  • Funktion und richtiger Einsatz der Löschgeräte
  • praktische Übung im Umgang mit Löschgeräten

Feuerlöschgeräte regelmäßig warten

In der ASR A 2.2 finden sich zudem Vorgaben zur regelmäßigen Wartung von Feuerlöschern, die weiterhin mindestens alle zwei Jahre erfolgen muss. Davon unberührt bleiben die zusätzlichen Prüfungen der Feuerlöscher als Arbeitsmittel und überwachungsbedürftige Anlage gemäß Betriebssicherheitsverordnung.

Fazit: Die ASR A2.2 konkretisiert insbesondere die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung hinsichtlich der Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen sowie der Ableitung von geeigneten Schutzmaßnahmen.

Diese technische Regel verfolgt das Ziel, eine einfache und allgemeingültige Regelung zu schaffen, ohne die vielfältigen Belange des einzelnen Betreibers oder Einsatzorts konkret zu berücksichtigen.

Das ist für den Betreiber sicherlich zunächst einmal eine Erleichterung, allerdings fordert die ASR A2.2 gleichzeitig auch die Verpflichtung zur eigenverantwortlichen Ausrüstung und Organisation, insbesondere zu einer verantwortlichen Gefährdungsbeurteilung aus brandschutztechnischer Sicht.

Hierbei sollten vor allem kleine Betriebe ohne eigene Brandschutzorganisation fachliche Hilfe zu Rate ziehen.

Autor: Michael Becker

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