Fachbeitrag | Informieren und Recht
16.01.2015

Brandschadensanierungsarbeiten sachgerecht durchführen

Jährlich ereignen sich in Deutschland mehr als eine halbe Million Brandschäden aller Art. Dazu zählen Brände in Zimmern, Wohnungen und Häusern bis hin zu Großbränden im gewerblichen oder industriellen Bereich mit einem Gesamtschadenvolumen in Milliardenhöhe. Neben den reinen Sachschäden kommt es oftmals auch zu Personenschäden, meist in Form von Rauchgasvergiftungen (Kohlenmonoxid, Blausäure).

Firmenhalle, in der es gebrannt hat© Александр Васильев /​ iStock /​ Thinkstock

Jährlich ereignen sich in Deutschland mehr als eine halbe Million Brandschäden aller Art. Dazu zählen Brände in Zimmern, Wohnungen und Häusern bis hin zu Großbränden im gewerblichen oder industriellen Bereich mit einem Gesamtschadenvolumen in Milliardenhöhe. Neben den reinen Sachschäden kommt es oftmals auch zu Personenschäden, meist in Form von Rauchgasvergiftungen (Kohlenmonoxid, Blausäure).

Neben dem Ruß, der für sich genommen bereits ein Gesundheitsrisiko birgt, sind besonders die krebserregenden Polycyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie die Polychlorierten Biphenyle (PCB) und Dioxine/Furane (PCDD/ PCDF) bei der Brandschadensanierung zu beachten.

Aber nicht nur gesundheitsgefährdende Stoffe müssen hier erwähnt werden, sondern auch Substanzen mit einer schädigenden Wirkung für Bauteile, Betriebseinrichtungen und Vorräte. Hier sind in erster Linie die korrosionsfördernden Chloride (oft aus PVC gebildet), die sich beim Kondensieren von Chlorwasserstoff auf den Gebäude- und Inventaroberflächen bilden, von Bedeutung. Aber auch Bromwasserstoff spielt eine gewisse Rolle; er wird aus bromorganischen Verbindungen freigesetzt, die wegen ihrer schwerentflammbaren Wirkung vielen Materialien beigemischt werden

Bei Brandschaden hat Schutz der Arbeitnehmer oberste Priorität

Nach einem Brand ist es das Ziel, im Rahmen von Brandschadensanierungsarbeiten einen ausreichenden Schutz der Arbeitnehmer vor gefährlichen Stoffen zu erreichen.

Die hierzu zu treffenden Sicherheitsmaßnahmen sind in technischen Regeln, insbesondere in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), aufgezeichnet, die die Umgangsvorschriften der Gefahrstoffverordnung ausfüllen.

Zur Erleichterung der Umsetzung der Umgangsvorschriften und zur Systematisierung der Vorgehensweise kann die TRGS 524 „Sanierung und Arbeiten in kontaminierten Bereichen“, herangezogen werden. Nach dieser Handlungsanleitung ergeben sich 5 Arbeitsschritte für die Gefährdungsbeurteilung (§§  5,6  ArbSchG i.V.m. § 6 GefStoffV i.V.m. TRGS 400) und die Festlegung der angemessenen und geeigneten technischen, organisatorischen und personenbezogenen Sicherheitsmaßnahmen für Arbeiten an der erkalteten Brandstelle:

1. Ermittlung und Einschätzung der stofflichen Gefahren

Für die fachkundige Gefahrenermittlung, im Rahmen der Schadensbegehung nach Freigabe durch die Polizei, können Erfahrungen aus vorausgegangenen Brandschadensanierungsfällen herangezogen werden. Diese Erfahrungen sind z.B. in der „Richtlinie zur Brandschadensanierung“ des Verbandes der Sachversicherer, VdS 2357, niedergelegt.

Neben den typischen Gefahrstoffen als Brandfolgeprodukte sind die betriebsseitig vorhandenen und ggf. durch den Brand freigesetzten Gefahr-, Biostoffe in Art, Konzentration und Eigenschaften zu berücksichtigen.

Zur Kategorisierung der Gefährdung gliedert die VdS 2357 die Brandschadenstellen je nach Art und Menge des Brandgutes, dem Brandverlauf und der demnach anzunehmenden Gefahrstoffbildung in vier Gefahrenbereiche ein (GB 0 bis 3).

2. Auswahl der geeigneten Arbeitsverfahren mit der geringsten Gefährdung

Bei der Auswahl der fallbezogenen Räumungs-, Sanierungs- und Reinigungsmaßnahmen kann die TRGS 524 als Anwendungshilfe zur Gefahrstoffverordnung herangezogen werden.

Soweit nach dem Stand der Technik möglich, sind solche Verfahren anzuwenden, die möglichen Hautkontakt zu den Gefahrstoffen und Aufwirbelungen der Gefahrstoffe in die Atemluft vermeiden.

Geeignete Reinigungsverfahren sind in der Bekanntgabe des damaligen Bundesgesundheitsamtes „Empfehlung zur Reinigung von Gebäuden nach Bränden“ aufgeführt.

3. Auswahl und Festlegung der Arbeitsschutzmaßnahmen

Bei Arbeiten im Gefahrenbereich GB 0 ist die Beachtung der „Mindeststandards“ der TRGS 500 ausreichend. Bei Feuchtarbeiten kann zusätzlich die TRGS 401 „Gefährdung durch Hautkontakt“,  eine gute Hilfestellung bieten.

Bei Arbeiten im Gefährdungsbereich 1 bzw. Gefährdungsbereich 2 sind die in der VdS 2357 aufgeführten persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) zu tragen und für Gefährdungsbereich 2 die Abtrennung des Sanierungsbereichs vorzunehmen. Zusätzlich sind weitere Arbeitsschutzmaßnahmen erforderlich:

  • Beauftragung eines Aufsichtsführenden und ggf. eines Koordinators (§ 17  Gefahrstoffverordnung i.V.m. TRGS 524 Anlage 2A/BRG 128 Anlage 6A),
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge nach gesetzlichen und den berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen (u.a. G 26, G 40 b),
  • Qualifizierung der Beschäftigten durch Schulung und Unterweisung
  • Lüftungstechnische Maßnahmen bei nicht ausreichendem Luftwechsel
  • Begrenzung der Anzahl der betroffenen Beschäftigten
  • Bereitstellung der Betriebsmittel entsprechend der Betriebssicherheitsverordnung
  • Verwendung dicht verschließbarer Behälter insbesondere für die Gewährleistung einer sicheren Lagerung
  • Handhabung und Beförderung auch bei der Abfallbeseitigung
  • Regelmäßige Reinigung der Sozial und Sanitärräume sowie der Arbeitsmittel
  • Reinigung bzw. Ersatz der Arbeits- und Schutzkleidung durch den Arbeitgeber
  • Beschäftigungsbeschränkungen für werdende Mütter und Jugendliche
  • Verbot der Aufnahme von Nahrungs- und Genussmitteln im Sanierungsbereich
  • Kennzeichnung der Abfälle nach § 5 Gefahrstoffverordnung

Im Gefahrenbereich 3 sind weitergehende Arbeitsschutzmaßnahmen notwendig, die auf der Grundlage des Sachverständigengutachtens vom Sanierungsfachbetrieb festgelegt werden.

4. Arbeits- und Sicherheitsplan sowie Betriebsanweisung

Die Sanierungsarbeiten sind entsprechend dem Arbeits- und Sicherheitsplan und der Betriebsanweisung durchzuführen. Die Beschäftigten sind verpflichtet, für ihre Sicherheit und Gesundheit entsprechend diesen Weisungen Sorge zu tragen.

Der Arbeits- und Sicherheitsplan (A+S Plan) nach TRGS 524 muss detailliert alle stofflichen Gefährdungen (inhalativ, oral, dermal) sowie Brand- und Explosionsgefahren in den Arbeits-/Sanierungsbereichen, einzusetzenden Arbeitsverfahren und die danach vorzusehenden Arbeitsschutz- und Entsorgungsmaßnahmen berücksichtigen.

Falls die Baustellenverordnung zur Anwendung kommt, kann der Arbeits- und Sicherheitsplan Bestandteil des Sicherheits- und Gesundheitsschutzplanes sein.

Auf der Grundlage des Arbeits- und Sicherheitsplanes sind arbeitsbereichs-, tätigkeits- und stoffbezogene Betriebsanweisungen gemäß § 14 der Gefahrstoffverordnung zu erstellen und die Unterweisungen der Beschäftigten durchzuführen.

5. Kontrolle und Beurteilung der Maßnahmen bezüglich ihrer Wirksamkeit

Eine Wirksamkeitskontrolle ist vorzunehmen, um bei unzureichend getroffenen Maßnahmen nachsteuern zu können. Diese ist ebenfalls

Hinweis: Die Arbeiten sind mit dem Arbeits- und Sicherheitsplan nach BGR 128/TRGS 524 mindestens 14 Tage vor Arbeitsbeginn der zuständigen Berufsgenossenschaft  bzw. dem örtlich zuständigen Gewerbeaufsichtsamt auf Nachfrage anzuzeigen (§ 18 GefStoffV).

Bild: © Александр Васильев/iStock/Thinkstock

Autor: Stefan Johannsen 

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