News | Geschäftsführung Betriebsrat
19.09.2016

Zumtobel-Betriebsrat Usingen verhandelt mit Unternehmensleitung

Bei Zumtobel Lighting in Usingen gehen die Lichter aus. Zuletzt machte auch der letzte Interessent für eine Übernahme einen Rückzieher. Letzte Woche schlugen die Wellen hoch: die Beschäftigten streikten, das Unternehmen sperrte aus und legte das Werk still. Seither wird verhandelt.

Mannschaft am Seil versucht Minutenzeiger anzuhalten© pict rider /​ fotolia.de

Zerstörung oder nur Kriminalisierung?

Geschäftsführung Betriebsrat. Bei dem Leuchtenhersteller Zumtobel Lighting GmbH im hessischen Usingen liegen die Nerven blank. Die Geschäftsführung der Niederlassung wirft einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ zufolge Mitarbeitern Zerstörung vor. Deswegen habe sie das gesamte Werksgelände abriegeln lassen. Die IG-Metall spricht von einem „Kriminalisierungsversuch“.

Unternehmer aus Österreich

Das Werk soll geschlossen werden. Zuvor hatte Ende August die Geschäftsführung das Scheitern der Verkaufsgespräche für das Usinger Werk mit dem letzten Interessenten, einem Unternehmer aus Österreich, bekanntgegeben. Die Chancen auf Weiterbeschäftigung der 145 Beschäftigten sind dadurch erheblich gesunken.

Belegschaft streikt für Sozialtarif

Daraufhin beschloss die Belegschaft vorletzte Woche nahezu einstimmig, in den Streik zu treten. Sie wollte damit wenigstens einen Sozialtarifvertrag erkämpfen. Seitdem spitzt sich die Auseinandersetzung zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmern zu.

Zumtobel schließt Werkstore

Parallel zum Streikbeginn machte am Montagmorgen vergangener Woche Zumtobel die Werkstore dicht. Den Betrieb legte sie still. „Vorübergehend“, wird Christian Ranacher, Geschäftsführer von Zumtobel Deutschland, zitiert.

Anzeige gegen Unbekannt

Am Dienstag dann die nächste Eskalationsstufe: Die Unternehmensführung ließ das gesamte Werksgelände abriegeln. Mehr noch: sie kündigte eine Anzeige gegen Unbekannt an. Begründung: Betriebsmittel seien beschädigt worden. „Wir verstehen natürlich die Desillusionierung der Mitarbeiter“, so Ranacher. Allerdings sei das Zerstören oder Beschädigen von Betriebseigentum kein Kavaliersdelikt.

Keine Einzelheiten zu zerstörten Betriebsmitteln

Worum es sich bei den zerstörten Betriebsmitteln genau handelt, wollte ein Zumtobel-Sprecher auf Anfrage der Zeitung nicht sagen. Martin Weiss von der IG Metall sieht in den Vorwürfen einen „Kriminalisierungsversuch“. Ihm sei nicht bekannt, dass im Betrieb etwas kaputt gegangen sei.

Gespräche zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat

Unterdessen habe es erste Sondierungsgespräche zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat gegeben. Dabei sei es um die Möglichkeit einer gütlichen Einigung gegangen. Die IG Metall fordert unter anderem:

  • für jeden Mitarbeiter eine Abfindung in Höhe von drei Bruttomonatseinkommen pro Beschäftigungsjahr,
  • einen Härtefonds mit einem Volumen von fünf Millionen Euro und
  • die Finanzierung von Transfermaßnahmen.

Flexibler Übergang

Die Unternehmensführung setzt derweil auf „einen flexiblen Übergang in eine Anschlussbeschäftigung“. Darüber gebe es bereits Gespräche mit Mitarbeitern und Unternehmen in der Region. Diese zeigten, „dass die Region Usingen ein gut funktionierendes wirtschaftliches und soziales Netzwerk hat“, so Ranacher.

Umgang Zumtobels mit Mitarbeitern

Die SPD-Landtagsabgeordnete Elke Barth und die DGB-Bezirke Hochtaunus/Main-Taunus und Frankfurt-Rhein-Main haben den Streikenden ihre Unterstützung zugesichert. Der Umgang von Zumtobel mit seinen Mitarbeitern „schreit zum Himmel“, moniert Barth. Beobachter halten sie für „schofel“, zumal von der Schließung des Unternehmens auch deren Familien, der Einzelhandel und die Kommune betroffen seien.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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