12.12.2019

Zu kurze Ruhezeiten bei jedem fünften Beschäftigten

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz (BAuA) hat bei 6712 Vollzeitbeschäftigten danach gefragt, ob sie die Mindestruhezeiten einhalten. Rund 20 Prozent von ihnen gaben an, mindestens einmal im Monat von einer verkürzten Ruhezeit betroffen zu sein. Am höchsten war der Anteil im Gesundheitswesen (39 Prozent), wo allerdings auch gesetzliche Ausnahmeregelung zur Ruhezeit bestehen. Einhellig war die Feststellung, dass Beschäftigte mit verkürzten Ruhezeiten häufiger gesundheitliche Beschwerden und eine schlechtere Work-Life-Balance haben.

Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz (BAuA)

Die BAuA hat in der Publikation „Verkürzte Ruhezeiten: Auswirkungen auf die Gesundheit und die Work-Life-Balance“ Feststellungen über das Einhalten der Ruhezeit und weitere mit der Thematik verbundene Forschungsergebnisse zusammengefasst.

Was steht im Gesetz?

Das Arbeitszeitgesetz legt für Deutschland die Höchstgrenzen für die tägliche Arbeitszeit und die Mindestdauer für Arbeitsunterbrechungen fest. In der Regel haben Beschäftigte demnach Anspruch auf eine ununterbrochene Ruhezeit von elf Stunden. Das Gesetz lässt jedoch Verkürzungen in bestimmten Bereichen wie zum Beispiel im Gesundheitswesen, in der Landwirtschaft und beim Rundfunk zu. Zudem können abweichende Regelungen tarifvertraglich getroffen werden.

Verkürzte Ruhezeiten im Gesundheitswesen

In der Publikation hat die BAuA das Ergebnis einer Befragung von 6712 Vollzeitbeschäftigten zusammengefasst. Rund 20 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal im Monat von verkürzter Ruhezeit betroffen gewesen zu sein. Am höchsten war der Anteil im Gesundheitswesen. In diesem Bereich berichten 39 Prozent der Beschäftigten, dass sie mindestens einmal im Monat von verkürzten Ruhezeiten betroffen waren.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Beschäftigte mit verkürzten Ruhezeiten hätten mehr psychosomatische Beschwerden (z.B. Rückenschmerzen, Schlafstörungen oder emotionale Erschöpfung) und eine schlechtere Work-Life-Balance, heißt es weiter.

Das Risiko, Ruhezeiten nicht einhalten zu können, sei größer, je länger die Tages- bzw. Wochenarbeitszeiten der Beschäftigten seien.

Forderung der Schlafforschung

Auch im Hinblick auf Schlaf seien verkürzte Ruhezeiten äußerst kritisch zu betrachten: Wenn man die empfohlene Schlafdauer von etwa acht Stunden abziehe, blieben bei Vollzeitbeschäftigten bei einer Verkürzung nur ein bis zwei Stunden für Körperpflege, Mahlzeiten, soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten. Hiervon müssten ggf. auch noch Pendel- oder Wegezeiten bestritten werden. In der Schlafforschung gäbe es daher seit Langem die Forderung, die Mindestruhezeit sogar noch auszuweiten.

Abweichungen von der Ruhezeit im Blick behalten

Die Studie der BAuA macht deutlich, dass Mindestruhezeiten nach wie vor ein wichtiges und sinnvolles Instrument des Arbeitsschutzes sind. Die Autoren empfehlen, geltende Mindeststandards auch in Zukunft beizubehalten und vor allem die Länge der Ruhezeiten bzw. die Ausnahmeregelungen und Abweichungen noch stärker in den Blick zu nehmen.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)