News | Mitbestimmung
05.10.2015

Zeiss: Massiver Stellenabbau in Göttingen geplant

Mehrere hundert Beschäftigte sollen bei der Zeiss Mikroscopie in Göttingen gehen. Der Betriebsrat sieht den gesamten Standort in Gefahr, meldet die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA). Auch die letzten Arbeiten könnten demnach zum Beispiel nach China verlagert werden. Letzte Woche protestierten „Zeissler“ gegen den Stellenabbau.

Stellenabbau© Marco Schaack /​ Fotolia

Mitbestimmung. Gegen den Stellenabbau bei dem Mikroskop-Hersteller Zeiss am Standort Göttingen protestierten am Freitagnachmittag letzter Woche Mitarbeiter, ehemalige Beschäftigte sowie Interessierte. Sie wollten damit das Anliegen der „Zeissler“ unterstützen.

Teilweise Abfindungen und Vorruhestandsregelungen

Derzeit hat Zeiss am Standort Göttingen etwa 650 Beschäftigte, heißt es in dem Bericht der HNA. Am Ende des Prozesses von etwa zwei Jahren sollen demzufolge 240 Mitarbeiter übrig bleiben. Etwa 100 Mitarbeiter verließen das Unternehmen freiwillig über Abfindungen und Vorruhestandsregelungen. Weitere 100 Beschäftigte arbeiteten an anderen Standorten, würden bislang aber Göttingen zugerechnet. Aktuell ständen also mehr als 200 Stellen auf dem Spiel.

Geschäftsleitung informierte Mitarbeiter und Betriebsrat

Über die Pläne habe die Geschäftsleitung Ende vergangener Woche Mitarbeiter und Betriebsrat informiert. „Wir haben mit schmerzlichen Einschnitten gerechnet, aber nicht mit einem solchen Kahlschlag“, zitiert das Blatt den Betriebsratsvorsitzenden Torsten Dreyer. Kündigungen gebe es bislang noch nicht.

Sorge um Bestand des Standorts Göttingen

Der Betriebsrat sorge sich um den dauerhaften Bestand des Standorts Göttingen. Die Mitglieder befürchteten, dass auch die letzten Arbeiten an andere Standorte, zum Beispiel nach China, verlagert werden – das Aus für den Standort in Göttingen.

Stimmung im Keller

Die Stimmung sei sehr angespannt. Die Mitarbeiter seien enttäuscht und frustriert, schreibt die Zeitung weiter unter Berufung auf die Gewerkschaft IG Metall. „Am liebsten würde sie sofort die Brocken hinschmeißen“, sagt Martina Ditzell von der IG Metall Südniedersachsen. Derzeit seien aber Arbeitsniederlegungen nicht vorgesehen. Stattdessen soll es Verhandlungen mit der Geschäftsleitung geben.

Vorzüge des Standortes Göttingen

Aus Sicht des Betriebsrates arbeiten Entwicklung und Mikroskop-Produktion Hand in Hand. Dadurch könnten beispielsweise Kundenwünsche gut umgesetzt werden.

Unterschriftenaktion gegen betriebsbedingte Kündigungen

Neben Gesprächen und Verhandlungen mit der Geschäftsleitung seien ganz konkrete Maßnahmen geplant, wie etwa die Demo letzte Woche. „Diese Demonstration war eigentlich nur als Unterschriftenaktion gegen die betriebsbedingten Kündigungen geplant, die nun den Mitarbeitern drohen“, sagte Axel Freerk, Betriebsratmitglied bei Zeiss Göttingen.

Demo gegen TTIP spontan umfunktioniert

Zeitgleich zur Demonstration am Freitag fand in Göttingen eine gegen das Freihandelsabkommen TTIP statt. Deshalb hätten die Anwesenden „spontan“ beschlossen, für ihre Sache zu sprechen, so die HNA.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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