News | Geschäftsführung Betriebsrat
29.03.2016

Zara-Betriebsrat wehrt sich gegen Betriebsrat-Bashing

Ein Betriebsrat ist unbequem. Was machen? Kündigen. Leichter gesagt als getan. Modekette Zara dachte nach – und ward fündig. Eine Referententätigkeit wird dem Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates nun vorgeworfen. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat sich eingeschaltet.

Betriebsrat-Bashing© shockfactor.de /​ fotolia.com

Unbequeme Betriebsräte und Beschäftigte

Geschäftsführung Betriebsrat. Die Textilmodekette Zara will ihr offensichtlich unbequeme Betriebsräte und Beschäftigte loswerden. Das berichtet die zuständige Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Das Unternehmen versuche erneut, dem Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats, Festim Lezi, sowie dem Sprecher des Wirtschaftsausschusses, Marco Grüneschild, zu kündigen.

Vorwand Referententätigkeit

Dieses Mal diene als Vorwand eine – bislang nicht ausgeübte – Referententätigkeit. Die beiden ehrenamtlichen Gewerkschafter sollen auf einem Seminar zur Weiterbildung von Betriebsräten aufgetreten sein. Bereits in der Vergangenheit habe Zara versucht, Lezi und Grüneschild zu kündigen, war damit aber vor Gericht gescheitert.

Angriff auf demokratisch gewählte Betriebsräte

„Das Vorgehen von Zara ist ein Angriff auf demokratisch gewählte Betriebsräte“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Die Betriebsräte hätten sich immer wieder mit Nachdruck für die Rechte der Beschäftigten eingesetzt. Zara wolle sich „scheinbar freie Bahn“ verschaffen, „um möglichst ungestört und zulasten der Beschäftigten bei Umstrukturierungen und Stellenabbau Fakten zu schaffen“, so Nutzenberger. Sie forderte Zara auf, das Kündigungsbegehren zurückzuziehen.

Reaktion auf Auseinandersetzungen um Filialschließungen

ver.di wertet das Vorgehen von Zara unter anderem als Reaktion auf Auseinandersetzungen um Filialschließungen. Zara biete den Beschäftigten keine adäquaten Ersatzarbeitsplätze an. Dabei wären diese vorhanden, kritisieren Gewerkschaft und Betriebsräte.

Betriebsbedingte Kündigung in Hamburg

In der Hamburger Zara-Filiale in der Ottenser Hauptstraße erhielten fast alle Beschäftigten eine betriebsbedingte Kündigung. Das Geschäft wird dort Ende Juni geschlossen. Davon ausgenommen wurde neben einer Mitarbeiterin mit 15 Wochenstunden nur die Filialleitung sowie fünf Beschäftigte in Elternzeit. Unter den 17 Gekündigten befinden sich zwei Schwangere und sechs Frauen mit kleinen Kindern. Drei der Frauen waren gewählte Betriebsratsmitglieder. Für alle Gekündigten gab es in vier anderen Hamburger Zara-Filialen angeblich keine Beschäftigungsmöglichkeit.

Arbeitsplatzangebote in Köln

In der Kölner Filiale Hohe Straße erhalten die rund 55 Beschäftigten nach Kritik von ver.di zwar alle ein Arbeitsplatzangebot für die neue Filiale in der Schildergasse. Sie soll im Mai öffnen. Zara will die bisher existierenden Ansprüche der Beschäftigten mit kleinen Kindern auf familienfreundliche Arbeitszeiten weiterhin nicht garantieren.

Keine sichere Perspektive

Für 18 Frauen bietet das Arbeitsplatzangebot deswegen keine sichere Perspektive. Zara nehme auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie keine Rücksicht. Das Unternehmen versuche stattdessen, langjährige Beschäftigte mit guten Arbeitsbedingungen direkt oder durch die Hintertür loszuwerden.

Sozialer Verantwortung gerecht werden

„Wir erwarten, dass das Unternehmen umsteuert und seiner sozialen Verantwortung gerecht wird. Das müsste für Herrn Ortega, Zara-Eigentümer und mit geschätzt rund 63 Milliarden US-Dollar einer der reichsten Männer der Welt, eine Selbstverständlichkeit sein“, sagte Nutzenberger.

Furcht vor RFID-Chips

Zara gehört zu dem spanischen Modekonzern Inditex. Er plant auch in Deutschland die Einführung von RFID-Chips. Diese Funkchips dienen der Steuerung der Warenhaltung. Von ihnen befürchtet ver.di einen Stellenabbau. Auch fordert die Gewerkschaft sozialverträglich Lösungen im Einvernehmen mit den Betriebsräten. Nutzenberger: „Das Vorgehen von Zara lässt leider das Gegenteil erwarten.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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