21.11.2019

Wunsch nach Wahlfreiheit: Kürzere Arbeitszeit oder Gehaltssteigerung

Etwa 210.000 der im öffentlichen Dienst tätigen Mitglieder der Gewerkschaft ver.di möchten die Wahl haben, sich für mehr freie Zeit oder für ein höheres Gehalt zu entscheiden. Eine solche Wahlfreiheit ist für 92 Prozent der Befragten von großer Bedeutung. Wenn sie die Wahl bereits hätten, würden 57 Prozent der Beschäftigten die tariflichen Gehaltssteigerungen tatsächlich gegen die Verkürzung ihrer Arbeitszeit eintauschen. Dieses Votum werde als ein starkes Signal für die im September 2020 beginnenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst mit dem Bund und den Kommunen gewertet.

Arbeitszeit

Arbeitszeitstudie liefert interessantes Ergebnis

Das wird Personalratsmitglieder besonders interessieren: Die Gewerkschaft ver.di teilte im Oktober 2019 mit, dass sich mehr als 210.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst an einer gewerkschaftsinternen umfangreichen Arbeitszeitstudie beteiligt und ihre Wünsche und Vorstellungen zur Arbeitszeit mitgeteilt hätten. Danach ist den Beschäftigten wichtig, die Wahl zu haben, sich für mehr freie Zeit oder für mehr Geld zu entscheiden. Eine solche Wahlfreiheit sei für 92 Prozent der Befragten von großer Bedeutung. Hätten sie die Wahl bereits, würden 57 Prozent der Beschäftigten die tariflichen Gehaltssteigerungen tatsächlich gegen die Verkürzung ihrer Arbeitszeit eintauschen. Diese Bereitschaft ziehe sich durch alle Altersgruppen, wobei Frauen mit 58 Prozent ein Mehr an Freizeit etwas stärker bevorzugten als Männer mit 55 Prozent. Von besonderem Interesse stoße die Umwandlung von Geld in Freizeit bei Frauen zwischen 51 und 60 Jahren. In dieser Altersgruppe würden 60 Prozent der weiblichen Beschäftigten ihre Tariferhöhungen gegen mehr freie Zeit tauschen.

Wunsch nach Entlastung

Der Vorsitzende von ver.di kommentierte dieses Ergebnis damit, dass angesichts der Personalkürzungen der letzten Jahre und der dadurch immer höher werdenden Belastungen im öffentlichen Dienst der Wunsch nach Entlastung deutlich erkennbar sei, und zwar von Mitgliedern wie Nicht-Mitgliedern gleichermaßen.

Geringere Wochenarbeitszeit

Besonders eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit käme für die meisten der Befragten infrage. Dafür sprachen sich 60 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen aus, die eine Umwandlung anstreben. 45 Prozent von ihnen würden lieber mehr freie Tage haben und je rund 30 Prozent wünschten sich ein Zeitkonto, um entweder länger Urlaub zu haben oder früher in Rente zu gehen. Die Befragung wurde in der Zeit vom 23. April bis zum 30. Juni 2019 durchgeführt.

Basis für Tarifverhandlungen

ver.di wolle die einzelnen Aspekte der Befragung vertiefen in Form einer qualitativen Befragung, um für die Tarifverhandlungen die Perspektiven zu erweitern und tiefere Einblicke zu bekommen.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)