News | Mitbestimmung
10.06.2016

WMF-Betriebsrat begrüßt Verkauf des Unternehmens

Zu wünschen wäre es den Besteckherstellern von der Steige. Jahrelang von Heuschrecken untergebuttert, ging WMF jetzt an einen französischen Konzern. Der Betriebsrat wittert bereits Morgenluft. Sie wird gefächelt durch das Versprechen, alle Mitarbeiter in Beschäftigung zu halten.

Die „Unstoppable Quality Tour“ auf der Internorga 2016 begeistert Kunden, Partner und Journalisten.© Press'n'Relations /​ WMF Group

Mitbestimmung. „Sehr gelassen“ – so sieht der Betriebsrat von WMF den Verkauf. „Bis jetzt“ zumindest, so Frank Schnötzinger gegenüber der „Geislinger Zeitung“. Für den Vorsitzenden von Betriebsrat und Konzernbetriebsrat des Besteck- und Kaffeemaschinenherstellers ist danach die Hauptsache, dass sein Unternehmen als Gesamtpaket verkauft wird. Schnötzinger: „Das Wichtigste ist, dass wir nicht zerstückelt werden.“

Chinesen ausgebootet

Das hätte anders aussehen können. So war auch etwa ein chinesischer Finanzinvestor als Käufer im Gespräch gewesen. Zuletzt wurde neben anderen Namen der chinesische Mischkonzern Haier gehandelt. Die Mitarbeiter haben mit Investoren aus Übersee schon einige Erfahrungen machen können.

Das böse Erbe

Der US-Großinvestor KKR hatte 2012 die WMF übernommen. Das habe nicht nur Gutes mit sich gebracht, sagt Schnötzinger heute. Er spricht von einem wahren „Kulturwandel“. In manchen Abteilungen würden Menschen nicht mehr behandelt, wie es sich gehört. Im Umgang mit Mitarbeitern mangele es an Respekt, der Druck sei zu groß. Schnötzinger: „Man versucht immer, noch mehr herauszuholen.“

KKR machte WMF fit für den Verkauf …

Allerdings habe KKR die WMF „fit gemacht“ und die Weichen für den Verkauf gestellt. Ihn lässt sich nun der französische Küchengeräte-Konzern SEB mit bekannten Marken wie Moulinex und Krups 1,7 Milliarden Euro kosten. WMF hat der „Wirtschaftswoche“ zufolge den Umsatz im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gesteigert. Der operative Gewinn (Ebitda) lag demnach bereinigt um Sondereffekte bei 118 Millionen Euro. 2016 soll er auf 140 Millionen Euro steigen. Das Kaffee-Geschäft trägt nur 37 Prozent zum Umsatz bei, steht aber für den Löwenanteil des Gewinns. Das 1853 gegründete Traditionsunternehmen beschäftigt rund 5700 Mitarbeiter.

… und vor allem die Angestellten

Nicht zuletzt seien es aber die Angestellten, die mit ihrer Arbeit „maßgeblich zum Erfolg beigetragen“ hätten. Dem neuen Eigentümer ist Schnötzinger wohlgesinnt: „Wir sind aus derselben Wurzel.“ SEB biete neue Chancen durch neue Märkte.

Tarifbindung und Weiterbeschäftigung

Wie sich Betriebsrat und Belegschaft in den neuen Strukturen platzieren werden, könne man noch nicht absehen. Nach Informationen des Betriebsratsvorsitzenden will er aber wohl alle Mitarbeiter hierbehalten. Auch in Zukunft lege er zudem viel Wert auf die Tarifbindung. Das ist Forderung und Ziel der Mitarbeiter und ihrer Vertretung.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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