News | Mitbestimmung
22.08.2016

Wiesenhof-Betriebsrat will bei Leiharbeitern mitreden

Erst Ostern der Brand bei Hühnchenmäster Wiesenhof in Lohne, Kreis Vechta. Dann wird der Großteil der festangestellten Mitarbeiter und Leiharbeiter entlassen, nur einige Leiharbeiter sollen bleiben. Wurde der Betriebsrat des Unternehmens dabei nicht angehört? Er reichte Klage ein.

Klage Betriebsrat Wiesenhofblobbotronic /​ fotolia.com

Betriebsrat fühlt sich übergangen

Mitbestimmung. Zwei Drittel der 750 Festangestellten entlassen, dafür Leiharbeiter beschäftigt – der Betriebsrat der Schlachterei des Wiesenhof-Konzerns PHW in Lohne im Landkreis Vechta fühlt sich bei diesen Entscheidungen übergangen, berichtet der NDR. Für die entlassenen Mitarbeiter einigte man sich auf einen Sozialplan.

Brand Ostermontag Anlass für Entlassungen

Anlass für die Entlassungswelle bot der Brand bei Wiesenhof am Ostermontag. Zwei Hallen des Geflügelfleischherstellers in Lohne brannten ab („Themenwelt Betriebsrat & Personalrat“ berichtete ). Der Schaden wird auf einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag geschätzt.

Leiharbeiter auch betroffen

Auch 219 Leiharbeiter hatten entlassen werden sollen. Die Lohner Leiharbeitsfirma Pro Work, die Produktionshelfer an die Geflügelschlachterei Wiesenhof vermittelt, hatte unmittelbar nach dem Brand bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) einen Antrag auf Massenentlassung gestellt. Kritik an diesem Plan äußerten seinerzeit sofort der Wiesenhof-Betriebsrat und die katholische Kirche.

Recht auf Anhörung missachtet?

Jetzt wurden dem Sender zufolge etwa 40 Leiharbeiter angestellt. Der Betriebsrat hat in solchen Fällen ein Recht auf Anhörung. Doch die wurde ihm offenbar nicht gewährt. Auch soll dies nicht der erste Fall dieser Art gewesen sein. Deswegen will der Betriebsrat ein Zeichen setzen. Vor dem Arbeitsgericht in Oldenburg hat er Wiesenhof verklagt. Dort soll es im Spätherbst weitergehen. Bis dahin hat Wiesenhof Gelegenheit, schriftlich Stellung zu nehmen.

Strafrechtliche Schritte vorbehalten

Der Betriebsrat behält sich dem Bericht zufolge sogar strafrechtliche Schritte wegen Behinderung der Betriebsratstätigkeit vor. Der Sender beruft sich dabei auf den Anwalt des Betriebsrates, René Henkys. Theoretisch wäre demnach eine Haftstrafe möglich.

NDR: In konstruktiven Gesprächen mit Betriebsrat

Wiesenhof verweigerte gegenüber dem NDR eine Stellungnahme im Detail zu dem Vorgang und zu weiteren Streitpunkten mit dem Betriebsrat. Es handele sich um ein schwebendes Verfahren, hieß es zur Begründung. Nur so viel: Man befinde sich „in konstruktiven Gesprächen mit dem Betriebsrat“, wird eine Unternehmenssprecherin zitiert.

Katholische Kirche: Leiharbeit wie Menschenhandel

Der Prälat der katholischen Kirche im Oldenburger Land, Peter Kossen, äußerte laut NDR ebenfalls Kritik an Wiesenhof und seiner Entlassungspraxis. Kossen gilt demnach generell als Kritiker der Fleischbranche und prangert die in ihr herrschenden Arbeitsbedingungen an. Mit Blick auf die Werkvertragsarbeiter wirft er den Unternehmern in der Fleischindustrie vor, Verantwortung wegzuschieben. Das System der Leiharbeit sei vielfach zum Menschenhandel verkommen.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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