News | Geschäftsführung Betriebsrat
14.04.2016

Wiesenhof-Betriebsrat kämpft für Beschäftigungssicherung

Der Schaden war beträchtlich. Zwei Hallen des Geflügelfleischherstellers Wiesenhof in Lohne brannten am Ostermontag ab. Glück im Unglück: der Schlachthof war geschlossen. Lebende Tiere kamen nicht zu Schaden, Mitarbeiter auch nicht. Doch deren Arbeitsplätze könnte es jetzt treffen.

Stellenabbau© stockWERK /​ fotolia.com

Arbeitsplätze zur Disposition

Geschäftsführung Betriebsrat. Bis zu 370.000 Hähnchen täglich wurden früher in Lohne geschlachtet. Rund 1.600 Mitarbeiter hatten damit ihre Arbeitsplätze, darunter 750 Festangestellte und 450 Leiharbeiter und Werkvertragsbeschäftigte. Sie alle stehen jetzt zur Disposition.

Betriebsversammlung zu geplantem Stellenabbau

Wie „Top Agrar“ berichtet, hat die PHW-Gruppe, zu der die Oldenburger Geflügelspezialitäten „Wiesenhof“ gehören, die Beschäftigten vergangene Woche bei einer Betriebsversammlung über einen geplanten Stellenabbau informiert. Viele Mitarbeiter sollen vorübergehend an anderen Standorten der PHW-Gruppe eingesetzt werden. Für alle anderen soll es einen Interessenausgleich geben mit Sozialplan und Abfindung.

Hallen nicht mehr produktionsfähig

Als Begründung führte das Unternehmen den Zustand der ausgebrannten Hallen an. In ihnen sei eine Produktion nicht mehr möglich. Planungen zum Wiederaufbau der Oldenburger Geflügelspezialitäten sollen erst noch anlaufen. Den Betrieb in Lohne will man demzufolge so schnell wie möglich zumindest teilweise wiederaufnehmen. Bislang dort zur Schlachtung vorgesehene Tiere würden in andere Schlachtereien gebracht.

NGG schaltet sich ein

Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG), Region Oldenburg/Ostfriesland, ist erstaunt über die vorschnelle Ankündigung des PHW-Konzerns, nach dem Brand in Lohne Entlassungen aussprechen zu wollen. Matthias Brümmer, zuständiger Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), fordert eine genaue Feststellung der durch das Feuer entstandenen Schäden und der nicht mehr betriebsfähigen Betriebsteile.

Klarheit über weitere Schritte

Auch müsste Klarheit über die weiteren Schritte zur Aufnahme von Produktionsteilen und der Neubauten geschaffen werden. Brümmer: „Wer zwei Tage nach den Löscharbeiten vor einer genauen Ablaufplanung schon die Beschäftigten feuern will, macht keinen souveränen Eindruck.“

Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates einhalten

Wiesenhof habe die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates einzuhalten. Dieser bestätigte, nicht über die Pläne informiert worden zu sein. NGG und Betriebsrat hätten wiederholt die höchste Priorität der Sicherung von Arbeitsplätzen betont.

Leiharbeitsfirma bereits vor Insolvenz

Presseberichten zufolge soll eine Leiharbeitsfirma bereits vor der Insolvenz stehen. „Dieser Aktionismus führt dazu, dass Fakten geschaffen werden, die einer Beschäftigungssicherung für die bei Wiesenhof beschäftigten Mitarbeiter im Wege stehen“, zitiert die Landwirtschaftsfachzeitschrift aus einer Pressemitteilung des Betriebsrates.

Versicherungen jetzt gefordert

Die wirtschaftlichen Folgen für das Unternehmen müssten durch die Versicherungen im Wesentlichen abgedeckt sein. Kurzarbeit stelle als Überbrückung bis zum Wiederaufbau der Schlachterei anstelle von Kündigungen ein probates Mittel dar. Der Betriebsrat werde alles tun, um die vom Arbeitgeber angekündigten Kündigungen der Wiesenhof-Mitarbeiter zu verhindern.

Betriebsrat beauftragt Kanzlei

Zur rechtlichen Unterstützung habe man daher die auf Beratung von Betriebsräten spezialisierte Arbeitsrechtskanzlei Althoff Gänsler & Partner beauftragt. Der Betriebsrat erhoffe sich zeitnah „faire und konstruktive Beratungen“ mit der Eigentümerfamilie Wesjohann und der PHW-Gruppe. Gleichzeitig erhoffe man sich von der Politik Unterstützung.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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