19.07.2021

Wie lange wird es den klassischen Arbeitsplatz in der Dienststelle noch geben?

Ob künftig in modernen Bürogemeinschaften oder gar in Co-Working-Spaces außerhalb der bisherigen Büros der Dienststellen gearbeitet werden soll oder kann, beschäftigt derzeit einen Teil der Politik. Es geht um die Frage, ob und wie die positiven Effekte aus dem coronabedingten Homeoffice beibehalten werden können. Nach allgemeinem Zuspruch der Fraktionen befasst sich seit Ende Mai 2021 der Fachausschuss des Landtags von Nordrhein-Westfalen mit diesem Thema.

Dienstelle

Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus?

Während der Corona-Pandemie haben viele Beschäftigte den angestammten Arbeitsplatz in der Dienststelle verlassen und ihre Arbeit im Homeoffice verrichten müssen. Die Begleitumstände (Betreuung oder gar Homeschooling von Kindern) waren zusätzlich belastend. Aber viele dieser Beschäftigten haben Homeoffice über diesen „Zwang“ auch schätzen gelernt. Nicht nur sie, sondern auch die Politik fragt sich, ob die sich aus dieser Beschäftigungsform ergebenden positiven Effekte (keine Wegezeiten, keine Anfahrtskosten, Umweltentlastung im Interesse des Klimaschutzes) beibehalten werden können. Sie haben sich aber auch zu fragen, wie stark die Negativseite des Homeoffice (kein ausreichender Platz in der Wohnung für das PC-Equipment, familiäre Belastungen während der Arbeitszeit, fehlender sozialer Austausch) gewirkt hat.

Dabei ist der Gedanke an externe Bürogemeinschaften zumindest im ländlichen Raum in der Fragestellung aufgekommen, also ob es im Fall weiterer Entfernungen zwischen Dienststelle und Wohnung möglich ist, Büros am Wohnort oder in seiner Nähe einzurichten und mit der Dienststelle technisch zu verbinden. Wenn sich das für eine Dienststelle allein „nicht rechnen“ sollte, ließe sich bei den großen öffentlichen Arbeitgebern (Bund, Länder, größere Kommunen) sicherlich klären, ob Büros gemeinsam von vielen Dienststellen an Wohnorten der Beschäftigten bereitgestellt werden können. Allerdings wäre diese Flexibilisierung des Arbeitsplatzes gewiss auch aus personalvertretungsrechtlicher Sicht besonders zu würdigen.

Mobiles Arbeiten kann in der öffentlichen Verwaltung funktionieren

Die Politik hat offenbar diese Gedanken aufgegriffen. Eine Initiative der CDU/FDP-Regierungsfraktionen traf Ende Mai 2021 im Landtag Nordrhein-Westfalens allseits auf großen Zuspruch. So war es in den Tageszeitungen zu lesen. Durch die Digitalisierung sei die Ausübung vieler Tätigkeiten der öffentlichen Verwaltung ortsunabhängig möglich. Mobile Arbeit stehe daher effizienten Arbeitsabläufen nicht entgegen, heißt es in dem betreffenden Antrag von CDU und FDP. Er soll nun in den Fachausschüssen beraten werden.

Was bedeutet Arbeiten im „Co-Working Space“?

In den Medien werden gern Anglizismen verwendet. So wird der Begriff Bürogemeinschaft oftmals mit „Co-Working Space“ umschrieben. Doch Vorsicht: Unter dem Begriff Co-Working wird eine schärfere Form einer Bürogemeinschaft verstanden. Bei ihr werden Räume und Geräte zeitlich befristet für Nutzer (vielleicht sogar durch eine Immobilien-Agentur) bereitgestellt.

Der Begriff Co-Working und damit die Definition von Co-Working Space kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „Zusammenarbeiten“. Die Arbeitsform ist im kalifornischen Silicon Valley entstanden und bezeichnet einen zeitlich flexiblen Arbeitsplatz, den sich mehrere Menschen teilen.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)