News | Arbeitsrecht
02.09.2015

Werkverträge verdrängen Stammarbeitsplätze

Lange nichts zum Thema Werkverträge gehört. Heißt das, das Problem ist vom Tisch? Weit gefehlt, es stellt sich schlimmer denn je. Das ist das Hauptergebnis einer brandaktuellen Umfrage der IG Metall unter Betriebsräten. Danach untergraben Werkverträge immer mehr die bisherigen tariflichen Regeln.

Outsourcing© VRD /​ Fotolia

IG Metall veröffentlicht Betriebsräte-Umfrage 2015

Arbeitsrecht. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen (69 Prozent) kaufen inzwischen Leistungen bei anderen Firmen ein. In fast drei Viertel aller Fälle müssen die Beschäftigten der Werkvertragsfirmen zu schlechteren Bedingungen arbeiten als ihre Kollegen, die fest angestellt sind. So die aktuellen Umfrage der IG Metall bei über 4.000 Betriebsratsvorsitzenden.

Mehr Werkverträge anstellen von Stammarbeitsplätzen

Seit 2012 ist ihr zufolge der Anteil der Unternehmen, in denen Werkverträge Stammarbeitsplätze ersetzen, von fünf auf 13 Prozent gestiegen. Betriebsräte verzeichneten in den vergangenen drei Jahren in fast einem Viertel der Unternehmen (22 Prozent) eine Zunahme von Werkverträgen. In jedem dritten Betrieb würden Tätigkeiten aus der Produktion fremdvergeben; auch Montage, Logistik sowie Forschung und Entwicklung seien häufig betroffen.

Neuer Standard Werkvertrag

Die Zahlen belegen für Christiane Benner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall:

  • Werkverträge werden in den Unternehmen zum neuen Standard,
  • sie benutzen sie als Instrument und
  • sie untergraben damit die bisherigen tariflichen Regeln.

Arbeitgeber verweigern freiwillige Regeln

Überdies verweigerten die meisten Arbeitgeber freiwillige Regeln zum Einsatz von Werkverträgen. 69 Prozent der Unternehmen setzten Werkverträge ein. Gleichzeitig sei es den Betriebsräten in nur fünf Prozent der Unternehmen gelungen, das Thema in einer Betriebsvereinbarung zu regeln. Auch wenn die Gewerkschaft in vielen Werkvertragsfirmen bessere Bedingungen habe durchsetzen können, fehle es an einem angemessenen gesetzlichen Rahmen, kritisierte Benner jetzt vor Journalisten in Berlin.

Lohndumping per Werkvertrag

„Immer öfter setzen Unternehmen Werkverträge ein, um dadurch Lohndumping durchzusetzen“, ergänzt Jörg Hofmann, Zweiter Vorsitzender der IG Metall. „Sie schaffen mit dieser Art der prekären Beschäftigung betriebsratsfreie und tariflose Zonen in relevanten Bereichen der Wertschöpfung.“

IG Metall gegen Missbrauch

Die IG Metall kritisiert diesen Missbrauch – es gehe jedoch nicht um das Vertragskonstrukt Werkvertrag an sich. Die IG Metall fordert den Gesetzgeber auf, endlich mit gesetzlichen Regelungen Ordnung auf dem Arbeitsmarkt herzustellen. Der Missbrauch von Werkverträgen müsse unterbunden werden. Dazu brauche es bessere Informationspflichten und mehr Mitwirkungsrechte der Betriebsräte in den Einsatzbetrieben, so Hofmann.

Autor: Friedrich Oehlerking 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen

Aktuelle Veranstaltungen