20.04.2017

Wenn Arbeitgeber behindern und blockieren

In einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung wurde untersucht, wie Arbeitgeber die Entstehung von Betriebsräten zu verhindern versuchen. Davon können auch bestehende Betriebsräte viel lernen, denn die Methoden sind die gleichen, wenn es um die Behinderung von Wahlen geht. Interessant ist auch die Erkenntnis, dass sich die meisten Arbeitgeber schnell wieder beruhigen, wenn ihre Versuche erfolglos waren.

Betriebsratswahl

Mitbestimmung. Für so manchen Arbeitgeber ist der Betriebsrat nach wie vor das berühmte „rote Tuch“. Die aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt dabei bei Neugründungen ähnliche Sabotage- und Beeinflussungsmethoden wie bei regulären Wahlen bestehender Betriebsräte. Die Aggression der Arbeitgeber hat ihre Folgen: Nur 40 % der westdeutschen Beschäftigten arbeiten in einem Betrieb mit Betriebsrat. Vor 20 Jahren waren es noch mehr als 50 %. Jede dritte Neugründung wird von den Arbeitgebern verhindert.

Einschüchterung der Kandidaten

Hat man sich das mit der Kandidatur gut überlegt? Ist man sich bewusst, wie sich das auf die Karriere auswirken wird? Arbeitnehmer, die einen Betriebsrat gründen möchten, tun sich schwer, gegen solche Einschüchterungsversuche vorzugehen. Meist drohen Arbeitgeber und Führungskräfte nur mündlich ohne Zeugen oder unterschwellig. Später streiten sie alles ab oder erklären es als Missverständnis. Sowohl bei Wahlen bestehender Betriebsräte als auch bei neu zu gründenden Betriebsräten müssen deshalb Kandidaten gefunden werden, die stabil sind und sich von Drohungen nicht beirren lassen. Für die Kandidaten sollte es einen Ansprechpartner geben, an den sie sich bei Drohungen wenden können. Nur wenn jeder Kandidat weiß, dass er im Ernstfall nicht auf sich allein gestellt ist, wird er die Ruhe bewahren und bei seiner Kandidatur bleiben. Hilfreich ist in jedem Fall eine juristische Erläuterung über das Benachteiligungsverbot des Arbeitgebers.

Hans-Böckler-Stiftung Kampfzone BetriebsratswahlAnti-Betriebsrats-Propaganda

Eine weitere Methode, Betriebsräte zu verhindern oder zu schwächen, ist eine Propaganda, die die Arbeitnehmer gegen einen Betriebsrat einnehmen soll. Meist wird auf ein Autonomiegefühl gesetzt: „Wir lassen uns von Gewerkschaftern keinen Betriebsrat aufzwingen“ und „Der Betriebsrat spielt seine Spielchen an den Interessen der Arbeitnehmer vorbei“. Hier ist für den Erfolg entscheidend, ob die bestehenden oder angehenden Betriebsratsmitglieder die Frage „Wozu brauchen wir eigentlich einen Betriebsrat?“ überzeugend beantworten können. Dabei empfiehlt es sich, auf abstrakte Herleitungen (Demokratie im Betrieb, Bündelung von Einzelinteressen) zu verzichten und mit konkretem Nutzen zu argumentieren: Schutz jedes Einzelnen vor Arbeitgeberwillkür, bessere Sicherung der Arbeitsplätze, Ansprechpartner für einzelvertragliche Probleme und vieles mehr.

Hinweis

Weitere Informationen zur Studie finden Sie im Internet unter http://www.boeckler.de/67961_67981.htm

Zurück zur Tagesordnung

Auch Arbeitgeber, die sich massiv gegen die Gründung eines Betriebsrates wehren, beruhigen sich nach erfolglosen Versuchen wieder und erkennen dann sogar die Vorteile eines Betriebsrats: Sie haben in ihm einen Ansprech- und Verhandlungspartner, der die Interessen der Arbeitnehmer formuliert und vertritt. Dies gilt auch bei regulären Betriebsratswahlen: Hier sieht der Arbeitgeber eine Chance, den Betriebsrat durch Verhinderung von Kandidaten bzw. Förderung von gewünschten Kandidaten zu beeinflussen bzw. zu schwächen. Doch nach der Wahl geht er dann meist schnell wieder zur Tagesordnung über.

Empfehlung der Redaktion

Sie fanden diesen Beitrag interessant und wollen mehr über die Organisation und Geschäftsführung des Betriebsrats lesen? Dann empfehlen wir Ihnen unser monatliches Fachmagazin Betriebsrat INTERN, aus dem dieser Artikel stammt.

Betriebsrat INTERN

Autor: Martin Buttenmüller (ist Journalist und Chefredakteur des Fachmagazins Betriebsrat INTERN.)