News | Geschäftsführung Betriebsrat
05.10.2015

VW-Mitarbeiter zeigen Solidarität in schwerer Zeit

Wir schaffen das – oder doch: Das schafft uns? Die Rede ist nicht von Flüchtlingen. Damit ruft vielmehr VW-Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh die Belegschaft auf, zusammenzustehen. Die Aufforderung könnte auch an den neuen Vorstandschef Matthias Müller gerichtet sein – bei der Frage, ob der Skandal Sparmaßnahmen bei den Mitarbeitern erfordert.

Solidarität© pict rider /​ Fotolia

18 Forderungsschwerpunkte weltweit

Geschäftsführung Betriebsrat. Der VW-Skandal zieht immer weitere Kreise. 18 Forderungsschwerpunkte weltweit zählt die „Wolfsburger Allgemeine“ auf. Von Australien über USA und Deutschland bis Indien oder Mexico – die ganze Welt will vom größten Automobilhersteller in der Regel Geld.

Personelle Konsequenzen

Einige personelle Konsequenzen hat der Konzern bereits gezogen. Der bisherige Vorstandschef Martin Winterkorn musste abtreten. Er wurde von Porsche-Chef Matthias Müller ersetzt. Weitere personelle Opfer sind in der mittleren Ebene zu erwarten. Bleibt die Belegschaft ungeschoren? Schön wär’s. Doch ziehen auch hier am Horizont bereits dunkle Wolken auf.

Überstunden gestrichen bei Volkswagen Mexiko

Das Blatt berichtet unter Berufung auf Informationen der Deutschen Presse-Agentur von ersten Überstundenstreichungen bei Volkswagen Mexiko. Dort betreibt Volkswagen in Puebla sein zweitgrößtes Werk weltweit. Über 500.000 Fahrzeuge werden dort pro Jahr gefertigt. Ein Großteil der Autos ist für den Export in die USA bestimmt, wo der Skandal seinen Anfang nahm.

Nachteile für Beschäftigte

Auch die Bewältigung drohender Unkosten könnte sich für die Beschäftigten nachteilig auswirken. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet der Zeitung zufolge derzeit mit einem Schaden von 47 Milliarden Euro für den Konzern. Ein möglicher Imageverlust und damit verbunden ein Rückgang der Autoverkäufe seien dabei noch nicht eingerechnet.

40 Milliarden Euro Reserven

Der Konzern hätte Experten zufolge „über den Daumen gepeilt“ rund 40 Milliarden Euro an Reserven, aus denen Forderungen befriedigt werden könnten. Ob das indes reicht, ist ungewiss. Vor allem käme das Unternehmen gegebenenfalls nicht um einschneidende Sparmaßnahmen herum.

Sparmaßnahmen bei großen Konzernen

Die Zeitung schreibt: „In der Regel setzen Sparmaßnahmen bei großen Konzernen zuerst bei den Mitarbeitern an: Weniger Gehalt, Einstellungsstopps, bis hin zu Stellenstreichungen und Entlassungen.“ Bei Volkswagen wäre das allerdings nicht so einfach. Die Arbeitnehmervertreter hätten in Wolfsburg „deutlich mehr Macht als in anderen Konzernen“.

VW-Aufsichtsrat tritt am Mittwoch zusammen

Der VW-Aufsichtsrat will dpa zufolge am kommenden Mittwoch erneut in Wolfsburg zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Das 20-köpfige Gremium werde auf dem Werksgelände erneut über die weitere Entwicklung in der Abgas-Affäre sprechen. Dabei wird es sowohl um weitere personelle Konsequenzen als auch um Ergebnisse der internen Aufarbeitung des Skandals gehen.

10.000 T-Shirts und Buttons

Die Belegschaftsvertreter verlegen sich zusammen mit den Beschäftigten auf erste Solidaritätsaktionen. Am Dienstag soll im VW-Werk eine Betriebsversammlung stattfinden. Bei der nicht öffentlichen Veranstaltung soll neben dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh auch Müller sprechen. Dabei will der Betriebsrat 10.000 T-Shirts und mehrere tausend Buttons verteilen.

Mitarbeiter von Volkswagen „ geschockt“

„Wir werden klar und deutlich zeigen, dass die Beschäftigten auch in schweren Zeiten zusammenhalten“, kündigt dem Bericht zufolge Osterloh in einer Mitteilung an die Belegschaft an. Die Mitarbeiter von Volkswagen seien geschockt über die Manipulationen an Diesel-Abgastests in den USA.

Gesamtbetriebsrat Audi an Beschäftigte

Es handele sich bei der Abgas-Affäre aber „um einen grob fahrlässigen Fehler einiger weniger, der einem unternehmerischen Eigentor gleicht“, zitiert die „Wirtschaftswoche“ aus einem Brief des Gesamtbetriebsrates von VW-Tochter Audi an die Mitarbeiter. Zu keinem Zeitpunkt sei die Sicherheit der Kunden in Gefahr gewesen. Dennoch müsse die Unternehmenskultur neu durchdacht werden – „hin zu Offenheit, Transparenz und gegenseitigem Vertrauen, weg von starren Hierarchien“, hieß es in dem Brief. Deshalb sei es gerade jetzt wichtig, das Führungsleitbild bei Audi weiter voranzutreiben.

„Gemeinsam schaffen wir das“

Osterloh appellierte an die Beschäftigten: „Das Wichtigste ist, dass wir als Belegschaft zusammenstehen. Wir werden diese Krise meistern. Lasst euch nicht entmutigen. Gemeinsam schaffen wir das.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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