News | Geschäftsführung Betriebsrat
29.10.2015

VW-Betriebsrat stellt sich der Mitverantwortung

Volkswagen – das Aushängeschild des deutschen Wirtschaftswunders. Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg keinen. Der VW-Betriebsrat hat einen nicht unerheblichen Anteil an beiden. Er stellt sich der Verantwortung für Erfolg und Misserfolg. Zusammen mit der IG Metall veröffentlichte er jetzt eine „Gemeinsame Erklärung“.

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Geschäftsführung Betriebsrat. Grund, sich zur Vergangenheit des VW-Konzerns zu bekennen, hätte die Arbeitnehmervertretung gewiss. Der Vorstandsvorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung, Roland Tichy: „In keinem anderen deutschen Unternehmen sind die Gewerkschaften so stark wie bei VW.“

VW-Betriebsrat verurteilt Manipulationen

Nun bekennen die Arbeitnehmervertreter von VW Farbe. In einer „Gemeinsamen Erklärung“ von IG Metall und dem Konzernbetriebsrates der Volkswagen AG verurteilen sie „die Manipulationen der Abgaswerte bei Dieselmotoren im VW Konzern, die Kunden und Beschäftigten von Volkswagen gleichermaßen Schaden zugefügt haben“.

Aufklärung der Geschehnisse

Die Vertreter der IG Metall im Aufsichtsrat – hauptamtliche wie betriebliche – wollen demnach die Aufklärung der Geschehnisse „mit aller Kraft und ohne Ansehen von Personen vorantreiben“. „Auch weiterhin“, wie sie betonen. Als Gewerkschafter stehe man dafür, dass „Konsequenzen aus den bewussten Verstößen gegen Gesetze und Richtlinien gezogen werden“.

Führungs- und Entscheidungsstrukturen verändern

Weiter heißt es, der Konzernbetriebsrat von Volkswagen und die IG Metall setzten sich „schon seit längerem dafür ein, dass sich Volkswagen hinsichtlich seiner Führungs- und Entscheidungsstrukturen verändern muss“. Man habe die im September in der VW-Aufsichtsratssitzung verabschiedeten Konzernstrukturen maßgeblich „mitgestaltet und gegen Widerstände durchgesetzt“.

Verantwortung stärker teilen

Verantwortung müsse stärker geteilt und Entscheidungen dezentralisiert werden. Insbesondere die Marken des Volkswagen-Konzerns sowie die großen Regionen der Welt sollen in ihrer Eigenständigkeit gestärkt werden. Hierdurch erhielten auch Manager unterhalb des Vorstands ein höheres Maß an Entscheidungsbefugnis und Verantwortung. Die Entscheidungsgeschwindigkeit werde somit erhöht und der Konzernvorstand könne sich auf wesentliche strategische Fragen konzentrieren.

Starre Hierarchie

Durch die Verabschiedung der neuen Konzernstrukturen lägen jetzt die Voraussetzungen vor, die „starre Hierarchie, die auf eine Reihe von Topentscheidern zugeschnitten war, durch flachere und durchlässigere Strukturen zu ersetzen“. Der langjährige und in der Folge des Abgasskandals zurückgetretene VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh galten als enge Vertraute. Osterloh habe, wie „Automobil Produktion“ schreibt, Winterkorn denn auch lange gegen Kritik verteidigt.

Machtstellung der IG Metall

Begonnen bei Bau des VW-Werkes von der Nazi-Gewerkschaft „Deutsche Arbeitsfront“ über die von der britischen Besatzungsmacht 1949 den Gewerkschaften zugestandenen besonderen Einflussrechte bis hin zur heutigen Machtstellung der IG Metall bei VW: Der Einfluss der Gewerkschaft darauf, wo ein Werk verändert, gebaut oder zugemacht wird, ist Tichy zufolge „in einem eigenen Gesetz zementiert“.

Verantwortung von Betriebsräten und IG Metall

Zu Bestrebungen, auf eine Änderung des Gesetzes hinzuarbeiten, in der Erklärung der Arbeitnehmervertreter jetzt nur so viel: „Wir sind keine Co-Manager, aber wir managen die Interessen unserer Kolleginnen und Kollegen. Von dieser Form der qualifizierten Mitbestimmung werden wir nicht abrücken.“ Und: „Betriebsräte und IG Metall übernehmen für ihr Handeln Verantwortung, nicht aber für das Versagen anderer.“ Das lässt hoffen – und für die Zukunft genug offen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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