News | Geschäftsführung Betriebsrat 13.09.2017

VW-Betriebsrat gegen weiteren Verkauf von Beteiligungen

VW nimmt sein Portfolio unter die Lupe. Konzernchef Matthias Müller will alles, was nicht zum Kerngeschäft gehört, abstoßen. Jedoch hat er mit solchen Plänen die Rechnung ohne die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat gemacht. In knapp 14 Tagen will der sich mit dem Thema befassen.

Verkauf Beteiligungen VW

Konzernbetriebsrat bleibt hart

Geschäftsführung Betriebsrat. Die Position des Konzernbetriebsrates ist hinlänglich öffentlich bekannt. „An ihr hat sich nichts verändert und wird sich nichts verändern.“ Mit diesen Worten bekräftigte jetzt ein Sprecher laut verschiedenen Medien wie dem in Ingolstadt erscheinenden „Donaukurier“ oder der Fachzeitschrift „Automobilwoche“ unter Berufung auf dpa die Sicht des Gremiums. Bereits Ende Juli hatten Arbeitnehmervertreter die Veräußerung des Getriebeherstellers Renk strikt abgelehnt. An Renk hält die VW-Tochter MAN 76 Prozent der Anteile. Im Juli erklärte ihr Sprecher: „Insofern raten wir allen angeblichen Interessenten: Sparen Sie sich den Aufwand, in irgendwelche Bücher zu schauen. Ein Verkauf wird nicht stattfinden.“

Spekulationen über Verkauf einzelner Sparten

Gleichwohl haben seither immer wieder Spekulationen über den Verkauf einzelner Sparten oder Marken des VW-Konzerns die Runde gemacht. Der Sprecher bekräftigte jetzt: „Wir sagen es jetzt noch einmal unmissverständlich: Die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat von Volkswagen wird weder dem Verkauf von Ducati noch dem von Renk oder MAN Diesel & Turbo zustimmen.“

Aufsichtsrat nicht um Zustimmung gefragt

Der Vorstand habe den VW-Aufsichtsrat noch nicht einmal nach seiner Zustimmung gefragt. Nach Informationen aus Konzernkreisen könnte das zunächst auf Eis gelegte Thema Ducati-Verkauf bei der VW-Aufsichtsratssitzung am 29. September auf der Tagesordnung stehen. Volkswagen hatte den italienischen Motorradhersteller Ducati 2012 übernommen. Er wird als Audi-Tochter geführt. US-Motorradbauer Harley-Davidson und etwa fünf weitere Firmen sowie Finanzinvestoren sollen an Ducati interessiert sein.

Keine Fusion mit FiatChrysler

Unterdessen hat Müller bereits ein neues Team auf Verkaufsoptionen von nicht mehr zum Kerngeschäft zählenden Konzernteilen angesetzt. „Donaukurier“ und „Automobilwoche“ zitieren ihn aus einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ (WSJ). Entscheidungen dazu seien noch nicht gefallen. Gerüchte über eine Fusion mit dem Konkurrenten FiatChrysler (FCA) seien „Spekulation“, sagte Müller dem Blatt. Der Konzern führe routinemäßig Gespräche mit vielen Herstellern. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass Volkswagen bald am Zusammenschluss mit einem Massenhersteller beteiligt sein werde. „Wir sind ein großer Konzern und haben kein Interesse daran, noch größer zu werden“, so Müller im WSJ.

Together nimmt Produktportfolio unter die Lupe

Im Sommer 2016 gab VW das Strategieprogramm „Together“ bekannt. Seither sei bekannt, dass VW das eigene Produktportfolio unter die Lupe nehme, erklärte ein Unternehmenssprecher. Dem Vernehmen nach umfasst das Kerngeschäft bei Volkswagen mehr als 80 Prozent des Umsatzes. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern Erlöse von 217 Milliarden Euro. Doch der Konzern steht unter gewaltigem finanziellen Druck, seit er im September 2015 zugeben musste, die Abgas-Reinigung von Millionen von Diesel-Motoren manipuliert zu haben. Für die Bewältigung der Folgen des Skandals sowie für Investitionen in elektrisch oder autonom fahrende Autos braucht der Konzern Milliarden. Allein für juristische Vergleiche in Nordamerika hat VW bereits Kosten von mehr als 22 Milliarden Euro verbuchen müssen.

LeasePlan- und Suzuki-Verkäufe bringen 3,7 Milliarden

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich VW deswegen von Beteiligungen getrennt, darunter der milliardenschwere Anteil an dem Leasing-Weltmarktführer LeasePlan. Dies spülte 2,2 Milliarden Euro in die Kasse der Wolfsburger. Der Autohersteller hielt 50 Prozent an LeasePlan, war 2004 dort eingestiegen und verhandelte Anfang 2009 noch über eine Komplettübernahme. Im Herbst 2015 hatte der Verkauf von Suzuki-Anteilen weitere 1,5 Milliarden Euro eingebracht.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)