11.04.2016

VW-Betriebsrat fordert Transparenz über Marke VW

Volkswagen – eine Never-Ending-Story. Sie läuft und läuft und läuft. Erst der Diesel-Skandal, dann das Gezerre um Vorstandsboni, nun ein Streit zwischen Gesamtbetriebsrat und Markenvorstand Herbert Diess. In einem Brief fordert der Betriebsrat Klarheit über die Zukunft der Marke VW.

die Marke VW

Anerkennung statt …

Geschäftsführung Betriebsrat. Anerkennung – das kommt gleich nach „bemüht“. Die Mitarbeiter von VW tragen nicht die Verantwortung, dafür aber die Lasten: Volkswagen bauen und gleichzeitig um ihre Zukunft bangen. Dafür sollen sie eine „Anerkennungsprämie“ bekommen. Das berichtet u.a. das „Handelsblatt“.

… Erfolgsprämie

Danach verhandelt der Vorstand gerade mit dem Betriebsrat, wie hoch diese Prämie für 2015 ausfallen soll. Früher hieß sie „Erfolgsprämie“, jetzt gehe es nur noch um eine „Anerkennungsprämie“. Die 5.900 Euro des Vorjahres werden die Mitarbeiter sich wohl abschminken müssen.

Gürtel enger schnallen – nur wer?

Aber sie können sich ja trösten. Die Vorstände sollten ja auch den Gürtel enger schnallen. Sollten. Doch danach sieht es nun nicht mehr aus. Unter Berufung auf „Spiegel Online“ heißt es in dem Bericht weiter, dass die VW-Vorstände eine Streichung ihrer Boni nicht akzeptieren wollen. Kurz vor der Entscheidung des Aufsichtsrats über die Entlohnung würden die Top-Manager allenfalls eine Kürzung ihrer Boni hinnehmen.

Unternehmensspitze Vorbild?

VW-Chef Matthias Müller hatte Ende vergangenen Jahres noch eine Gehaltskürzung für den Vorstand vorgeschlagen. „Dabei geht es um den Bonus für 2015“, sagte Müller. „Es ist klar, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen. Auch hier muss die Unternehmensspitze Vorbild sein“, zitiert ihn „Spiegel Online“. Sein im Zuge des Abgasskandals zurückgetretener Vorgänger Martin Winterkorn hatte für 2014 mehr als drei Millionen Euro Bonus kassiert.

Diess erprobt Geduld der Mitarbeiter

Als wäre das nicht schon genug, fordert jetzt auch VW-Markenvorstand Herbert Diess die Geduld der Mitarbeiter heraus. Man habe den Eindruck, dass der Diesel-Skandal „hinterrücks dazu genutzt werden soll, personelle Einschnitte vorzunehmen, die bis vor wenigen Monaten kein Thema waren“, heißt es in dem Brief des VW-Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh, seiner Betriebsratskollegen und der IG Metall.

Nachholbedarf bei Verlässlichkeit und Verbindlichkeit

Der Betriebsrat habe in den vergangenen Wochen und Monaten oft den Eindruck gehabt, dass es auf Seiten des Markenvorstands „deutlichen Nachholbedarf gibt, wenn es um Verlässlichkeit und Verbindlichkeit geht“, zitiert das „Handelsblatt“ aus dem Schreiben. Als Beispiele werden darin genannt:

  • ständig wechselnde Zielvorgaben,
  • Fehlen einer verlässlichen, langfristigen Strategie für die Marke Volkswagen oder
  • pauschale, nicht zu Ende gedachte Sparvorgaben.

Konkrete Standortvereinbarungen

Vom Vorstand der Marke VW forderte der Betriebsrat „eine zentrale Vereinbarung zur Weiterentwicklung der Marke und konkrete Standortvereinbarungen für alle deutschen Volkswagenwerke“. Die Beschäftigtenvertretung verlangt die Festschreibung:

  • der Produkt-,
  • Stückzahl- und
  • Investitionszusagen für die nächsten Jahre.

Einen anderen Weg der Gemeinsamkeit sehe man derzeit nicht – es fehle beim Markenvorstand an der erforderlichen Verlässlichkeit.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)