News | Geschäftsführung Betriebsrat 24.10.2016

VW-Betriebsräte warnen vor Einseitigkeit

Die Entwicklung des Elektroautos – der Betriebsrat von Volkswagen befürchtet Arbeitsplatzverlust. Er hofft gleichzeitig aber auch auf neue Jobs. Beim Umgang von Teilen der Öffentlichkeit mit dem Abgasskandal warnt er vor Einseitigkeit. Verbraucher hätten Rechte – die Beschäftigten aber auch.

Elektroauto Gefährdung Arbeitsplätze

Wind der Veränderung

Geschäftsführung Betriebsrat. Der Wind der Veränderung weht durch die Werkshallen von Volkswagen. Abgasskandal und Elektroauto sind die wesentlichen Windgebläse für die Veränderung bei der Beschäftigung. Im Windkanal: die Arbeitsplätze. Gleichrichterelemente sind die Betriebsräte. Sie sollen für eine möglichst gleichmäßige, unverwirbelte Strömung sorgen.

Elektroauto verwirbelt Automobilbranche

Verwirbelungen könnten derzeit in der Automobilbranche von der Überbetonung des Elektroautos drohen. Der VW-Konzern kündigt den nächsten Schritt zu mehr Umweltbewusstsein an. Der Betriebsrat von Volkswagen erwartet dadurch in den nächsten zehn Jahren einen massiven Stellenabbau.

25.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Bis zu 25.000 Stellen könnten wegfallen, warnt einer dpa-Meldung zufolge der Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrates und Mitglied des Aufsichtsrates der Volkswagen AG Bernd Osterloh am Mittwoch – 1.500 bis 2.500 pro Jahr. In Zukunftsbereichen wie Softwareentwicklung und Mobilitätsdienstleistungen wie etwa Carsharing würden aber andererseits auch neue Stellen entstehen. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Osterloh abermals aus.

Flexibilität beim Umbau – Sicherheit für die Belegschaft?

Derzeit verhandelt die Arbeitnehmerseite mit der renditeschwachen Kernmarke VW Pkw über einen Zukunftspakt. Der Konzern verspricht sich davon mehr Flexibilität beim Umbau und der Belegschaft Sicherheit. Grundsätzlich will man noch klären, wie die Standorte auf Branchentrends wie Digitalisierung und alternative Antriebe reagieren. Dabei geht es um Produkte, Stückzahlen, Investitionen und die Belegschaftsstärke. Die Vereinbarungen sollen Tarifvertragsstatus haben.

Einstieg in die Batterie

Osterloh hat vor einem Fehlschlag bei den laufenden Verhandlungen zum Zukunftspakt bei der Pkw-Kernmarke gewarnt. „Der Zukunftspakt könnte auch scheitern. Insbesondere, wenn es keine Zusagen des Konzerns zum Einstieg in die Batterie gibt“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

Zusagen für Arbeit

Die Betriebsratsseite will mit dem Zukunftspakt feste Zusagen für Arbeit. Dabei geht es um Stückzahlen für Automodelle und um neue Jobs etwa in der Batterie-Produktion für Elektrofahrzeuge. Sollte „das Angebot des Unternehmens jetzt keine zufrieden stellende Auslastung und kein Angebot zur Fertigung“ der neuen Technologien enthalten, werde „der Zukunftspakt scheitern“, stellte Osterloh klar.

Maas will Sammelklagen

Noch von einer anderen Seite droht den Beschäftigten bei VW und der Automobilbranche generell Ungemach. Im Zusammenhang mit dem Abgasskandal hatten Sammelklagen gegen den Konzern zugenommen. Die Bundesregierung will die Klagerechte von Verbrauchern gegenüber Unternehmen stärken. Justizminister Heiko Maas (SPD) bereitet einen Entwurf für Musterfeststellungsklagen vor. Mit ihnen könnten Verbraucherverbände Schadenersatzansprüche geltend machen.

Hunderttausende Arbeitsplätze

Saki Stimoniaris, Vorsitzender des Betriebsrates der LKW-Tochter MAN und Mitglied im VW-Konzernbetriebsrat, hat den Ruf nach Sammelklagen in Deutschland kritisiert. „Verbraucherschutz klingt immer gut, aber Politiker müssen sich auch fragen, wen sie mit solchen Plänen ans Messer liefern“, sagte Stimoniaris. Die Risiken für hunderttausende Arbeitsplätze in Deutschland seien mindestens so hoch zu bewerten wie die berechtigten Belange von Verbrauchern, zitiert ihn dpa.

Sammelklagen gefährden sozialen Kitt

Die Autoindustrie zahle anständige Gehälter für Menschen mit ganz unterschiedlichen Qualifikationen. „Sammelklagen gegen große Arbeitgeber gefährden diesen sozialen Kitt für unsere Gesellschaft“, warnte der Betriebsrat am Dienstag in München. Merke: Wer hier nicht umsichtig vorgeht, riskiert einen Zuwachs der prekären Beschäftigung.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)