09.02.2021

Viele möchten nicht im Homeoffice arbeiten

Eine Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit ergab, dass im öffentlichen Dienst die Arbeit von zu Hause aus nicht erst seit der Corona-Pandemie ein Handlungsthema ist. Das geht aus den Ergebnissen der Befragung unter knapp 1400 Beschäftigten des öffentlichen Dienstes hervor, wie der Gewerkschaftsbund am 18.1.2021 im Internet mitteilte. Die Aussagen der Befragten beziehen sich auf den Normalbetrieb und nicht auf pandemie-bedingte Notwendigkeiten, denn die Beschäftigten hatten diese Arbeitsform schon vorher vereinbart.

Homeoffice im öffentlichen Dienst

Der DGB-Index Gute Arbeit hat Homeoffice im öffentlichen Dienst einer Sonderauswertung unterzogen. Demnach haben 30 Prozent der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes den Wunsch, im Homeoffice zu arbeiten. 22 Prozent tun dies bereits teilweise. Aber etwa die Hälfte aller Beschäftigten möchte nicht im Homeoffice arbeiten. Diese Arbeitsform ist im öffentlichen Dienst stärker verbreitet als in der Privatwirtschaft (17 %). Das ist vor allem auf die Beamten zurückzuführen, bei denen der Anteil mit 43 Prozent sehr hoch ist. Bei den Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst ist kein bedeutsamer Unterschied zur Privatwirtschaft festzustellen.

Fehlende Unterstützung durch den Vorgesetzten

Auch bei der Unterstützung durch Vorgesetzte muss die öffentliche Verwaltung laut der DGB-Umfrage besser werden. Mit 32 Prozent gibt fast ein Drittel der Befragten an, durch ihre Vorgesetzten nur in geringem Maß (21 Prozent) oder gar keine (11 Prozent) Unterstützung zu erhalten, um von zu Hause arbeiten zu können.

Arbeitsmittel-Ausstattung vor allem privat

Die Befragten gaben außerdem an, dass die Nutzung privater Arbeitsmittel im Homeoffice eher die Regel als die Ausnahme ist: Mehr als die Hälfte (51 Prozent) nutzt ausschließlich private Arbeitsmittel.

Homeoffice bei größerem Gestaltungsspielraum

Für die Arbeit im Homeoffice sprechen aus Sicht der Beschäftigten vor allem die größeren Gestaltungsspielräume. 82 Prozent der Befragten, die im Homeoffice arbeiten, gaben an, die eigene Arbeit in teilweise sehr hohem Maß selber planen zu können (32 Prozent in sehr hohem und 50 Prozent im hohem Maß). Zum Vergleich: Einen hohen oder sehr hohen Einfluss auf die Planung der eigenen Arbeit geben im öffentlichen Dienst insgesamt 68 Prozent an.

Gesundheitsschutzprobleme

Probleme bereitet der Umfrage zufolge der Gesundheitsschutz. 62 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice gaben an, in der arbeitsfreien Zeit oft nicht abschalten zu können. Außerdem berichten Beschäftigte, die von zu Hause arbeiten, häufiger davon, Pausen zu verkürzen oder ausfallen zu lassen. 34 Prozent geben an, sehr häufig oder oft die Ruhezeit von elf Stunden bis zum nächsten Arbeitstag zu unterschreiten.

Homeoffice als bevorzugte Arbeitsform in der Corona-Pandemie

Anfang Januar 2021 forderte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Arbeitnehmer in Deutschland mit einem nachdrücklichen Appell zur Arbeit im Homeoffice auf:

 „Gehen Sie nicht ins Büro, wenn Sie nicht zwingend müssen!“

Bundesregierung und Ministerpräsidenten der Länder sind sich beim Homeoffice einig

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder haben bereits am 19.1.2021 unter anderem beschlossen, dass Arbeitgeber – also auch jene des öffentlichen Dienstes – den Beschäftigten künftig das Arbeiten im Homeoffice überall dort ermöglichen müssen, wo es die Tätigkeiten zulassen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil erließ hierzu folgende Verordnung: Neue Corona-Arbeitsschutzverordnung vom 21. Jan. 2021  (u.a. Homeoffice-Regelung)

 

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)