News | Personalrat 19.10.2015

Verwaltungsbeschäftigte: auch Quereinsteiger gesucht

Für die öffentliche Verwaltung wird der „Wettbewerb um die Talente“ in diesen Wochen in großem Ausmaß stattfinden. Ob in Bremen, in Hessen oder anderen Ländern, für den öffentlichen Dienst heißt es jetzt schnellstens Personal einzustellen. Und das geschieht derzeit offenbar in einem Maß, das von Behördenbeschäftigten mit langjähriger Berufserfahrung die Bewertung „bisher ungekannt“ erhält.

Verwaltungsbeschaeftigte

Wir haben eine Meldung des Weser-Kuriers aus Bremen aufgegriffen, der die Öffentlichkeit über das Geschehen beim Bremer Senat informierte. Danach sollen die Neueinstellungen der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen zugutekommen. Um die Aufstockung der Beschäftigtenzahl zu organisieren, wurde von der Personalverwaltung eine „Task Force“ gebildet, eine Gruppe von Fachleuten, die auch dafür sorgt, dass die Einstellungsverfahren zügig abgeschlossen werden können. Bewerber für einige Berufsgruppen werden von den zuständigen Ressorts selbst ausgesucht – beispielsweise Ärzte von der Gesundheits- und Sozialpädagogen von der Sozialbehörde. Aber der mit Abstand größte Posten sind die Stellen im Verwaltungsdienst.

Gefragt sind etwa Bürokaufleute, Beschäftigte mit Erfahrungen in der Bürokommunikation und auch Bewerber, die über gute Sprachkenntnisse verfügen – ob Englisch, Französisch oder andere Sprachen. Und wer aus familiären Gründen lieber in Teilzeit arbeiten möchte, hat auch eine Chance – ebenso Migrantinnen und Migranten.

Verwaltungsbeschäftigte oft als Verwaltungsinspektoren eingestuft

In vielen Fällen entspricht die Einstufung für Verwaltungsbeschäftigte dem Niveau von Verwaltungsinspektoren. Da die Einkommenshöhe u.a. von der Berufserfahrung abhängt, gibt es nicht den einheitlichen Euro-Betrag. Nach einer groben Überschlagsrechnung dürften durchschnittlich etwa 2.500 Euro monatlich gezahlt werden. Geboten wird eine unbefristete Beschäftigung in bremischen Diensten. Das Geld für die Neueinstellungen – gut 25 Millionen Euro für das kommende Jahr – war als Ausnahme eingestuft und von der Koalition gesondert bewilligt worden.

Einstellungen, um die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen zu betreuen, plant nicht nur Bremen, sondern beispielsweise auch Niedersachsen. Einen Nachteil im Wettbewerb mit seinem Nachbarn sieht die öffentliche Personalverwaltung in der Hansestadt nicht.

Die Bezahlung sei ohnehin überregional tariflich festgelegt. Es besteht auch keine Sorge, dass das zusätzliche Personal, das jetzt eingestellt werde, ohne Aufgaben sei, wenn die Zahl der Flüchtlinge weniger werde. Denn in absehbarer Zeit gingen viele ältere Mitarbeiter in den Ruhestand.

Schon bevor die Stellenausschreibung jetzt auf den Weg gebracht wird, haben sich Interessenten gemeldet. Zitat aus einem Schreiben aus der vergangenen Woche an das Finanzressort: „Ich bin seit 28 Jahren im ungekündigten Beschäftigungsverhältnis in der freien Wirtschaft und würde mich sehr freuen, wenn ich den Anforderungen entspreche, um mich noch einmal beruflich zu verändern.“

Doch wie das alles mit einer sinnvollen Personalentwicklung vereinbar sein soll, weiß offenbar noch keiner zu beantworten.

Autor: Werner Plaggemeier (Werner Plaggemeier ist Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“. )