22.09.2016

Vereinbarkeit von Familie und Beruf für alle ein Gewinn

Einen neue Studie belegt: Für Unternehmen lohnt es sich, ihre Arbeitnehmer dabei zu unterstützen, Familie und Beruf leichter unter einen Hut zu bringen. Denn wenn Arbeitgeber in solche Maßnahmen investieren und eine familienfreundliche Kultur leben, sind Renditen von bis zu 40 Prozent möglich. Mit diesem Argument können Betriebsräte bei Arbeitgebern leicht punkten.

Familiefüße auf der Wiese

Ausganglage

Geschäftsführung Betriebsrat.  Laut der Studie „Renditenpotentiale der NEUEN Vereinbarkeit“, die das Bundesfamilienministerium in Auftrag gegeben hatte, möchten Mütter wieder schneller in das Berufsleben zurückkehren und Väter stärker familiäre Aufgaben übernehmen. Der Trend geht dahin, Haushalt und Familie gleichberechtigt zu betreuen. Immer mehr Arbeitnehmer müssen ihre älteren Angehörigen pflegen. Der Anteil der Pflegebedürftigen wird bis zum Jahr 2030 auf 4,4 % ansteigen, das entspricht in etwa dem Anteil aller Kinder unter sechs Jahren. Arbeitnehmer unter 30 Jahren legen besonderen Wert auf Work-Life-Balance und flexible Arbeitsbedingungen.

Familienfreundliche Maßnahmen kosten zwar, …

Zunächst einmal sieht der Arbeitgeber die Kosten. Familienbewusste Teilzeitmodelle, Betreuungs- und Beratungsangebote, Home Office, Elternzeitbegleitung, haushaltsnahe Dienstleistungen und die Unterstützung bei der Pflege verursachen zunächst einmal Kosten zum Beispiel für die Verwaltung von Teilzeitmodellen und die Finanzierung von Betreuungsangeboten.

… aber darauf verzichten, ist teurer

Verzichtet ein Unternehmen auf familienfreundliche Maßnahmen, nehmen kaum Väter Elternzeit in Anspruch und die Mütter sind gezwungen, sie voll auszuschöpfen. Ersatz für sie zu beschaffen und sie später wieder einzugliedern,  ist kostenintensiv. Können Beschäftigte die beruflichen und familiären Verpflichtungen nicht vereinen, führt die Doppelbelastung vermehrt zu Stress und Fehlzeiten. Die Motivation sinkt. Eine geringere Produktivität und eine gesteigerte Fehlzeitenquote sind die Folge. Familienunfreundliche  Unternehmen haben ein schlechteres Arbeitgeberimage und sind so für gesuchte Fachkräfte unattraktiver.

Investitionen mit hohen Renditen

Schon jetzt werden mit den klassischen Angeboten wie festen Teilzeitmodellen, Home-Office oder Kinderbetreuungsangeboten positive Renditen bis zu 25 Prozent erzielt.  Um die Rendite weiter zu erhöhen, sind Arbeitszeiten von Frauen und Männern in verschiedenen Lebensphasen bewusster zu gestalten. In Zukunft sollen innovative Rahmenbedingungen und Arbeitsmodelle Arbeitnehmern als Eltern, alleinerziehenden Getrenntlebenden oder Pflegende ermöglichen Privates und Berufliches miteinander zu verbinden. Unternehmen schneiden familienfreundliche Maßnahmen bedarfsgerecht auf individuelle Lebensumstände zu und verankern sie  in der Unternehmenskultur.

Autor: Astrid Hedrich (Rechtsanwältin und Dozentin in Augsburg. Beschäftigt sich mit Wirtschaftsrecht.)