News | Geschäftsführung Betriebsrat
02.12.2015

ver.di ruft Amazon-Beschäftigte zum Arbeitskampf auf

Bislang weigerte sich das US-Versandunternehmen Amazon, in Deutschland einen Tarifvertrag abzuschließen. Nicht genug damit: Man will nicht einmal darüber nachdenken. Die Beschäftigten wollen sich das nicht länger gefallen lassen. Letzte Woche rief ver.di zum Streik bei Amazon auf.

Arbeitskampf© stockpics /​ fotolia.com

Wallraff auf „Münchner Betriebsrats-Tagen 2015“ gegen Amazon

Geschäftsführung Betriebsrat. Günther Wallraff kennt den US-Onlinehändler wie kaum ein anderer. Auf den „Münchner Betriebsrats-Tagen 2015“ machte er Mitte November zum wiederholten Male seinem Unmut Luft: „Amazon ist eines der größten Übel unserer Zeit.“

ver.di ruft zu Streiks bei Amazon auf

Flankiert wird Wallraffs Weckruf jetzt von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Sie hat die Beschäftigten des US-amerikanischen Versandhändlers Amazon vergangene Woche an den Standorten Koblenz (Rheinland-Pfalz), Bad Hersfeld (Hessen), Leipzig (Sachsen), Rheinberg und Werne (beide NRW) zu Streiks aufgerufen.

Arbeitsniederlegungen sollen Druck auf Amazon machen

Mit den Arbeitsniederlegungen verleihen einer ver.di-Pressemitteilung zufolge die Beschäftigten ihrer Forderung nach einem Tarifvertrag Ausdruck. Amazon weigert sich demnach bis heute, über einen Tarifvertrag auch nur zu verhandeln. Es wolle die Arbeitsbedingungen weiterhin willkürlich und einseitig diktieren.

Wallraff: Amazon betreibt „Sklaventreiberei“

Wallraff hat Erfahrungen sammeln können als Auslieferungsbeschäftigter undercover bei verschiedenen Versandhandelsunternehmen. „Was Amazon, dpd, Amazon und Konsorten betreiben, ist schlimmste Sklaventreiberei, wie sie schlimmer kaum in früheren Zeiten hat betrieben werden können“, empört sich der Journalist, „das muss verboten werden“.

EU-Kommission prüft Amazon-Klauseln

Auch die EU-Kommission rüstet gegen Amazon auf. Sie ist derzeit dabei, vor allem bestimmte Klauseln der Verträge zwischen Amazon und Verlagen genau zu prüfen. Nach diesen Klauseln müssen laut Kommission Verlage Amazon informieren, wenn sie dessen Wettbewerbern günstigere oder andere Konditionen bieten, und Amazon vergleichbare Konditionen einräumen oder auf andere Weise sicherstellen, dass Amazon mindestens ebenso gute Konditionen erhält.

Amazon verweigert Tarifvertrag

„Amazon hat es in der Hand, Beschäftigten und Kunden ein reibungsloses Weihnachtsgeschäft zu ermöglichen“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Doch solange der Versandhändler sich weigert, einen Tarifvertrag abzuschließen, werde es in diesem Jahr zu flexiblen, auch kurzfristig angesetzten Streiks kommen, auf die sich das Unternehmen schlechter einstellen kann.

Nutzenberger: Amazon betreibt „Heuchelei“

Es sei ein Skandal, dass Amazon das Recht der Beschäftigten auf einen Tarifvertrag und damit auf existenzsichernde und garantierte Arbeitsbedingungen missachtet. Amazon behaupte, man respektiere seine Mitarbeiter. Doch das sei „Heuchelei“, so Nutzenberger. Das Unternehmen wolle den Beschäftigten in Leipzig als besonderes Weihnachtsgeschenk ab Anfang 2016 willkürlich einen Tag Urlaub streichen. Nutzenberger: „Das zeigt, wie Amazon wirklich tickt.“

 

Autor: Friedrich Oehlerking 

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