News | Geschäftsführung Betriebsrat 20.04.2016

ver.di gegen Betriebsratsbusting bei Bagel

Belegschaft wollte Betriebsrat gründen? Bei Werbekonfektionierer Bagel Direkt GmbH in Mönchengladbach hat man kurzen Prozess gemacht. Laut ver.di genau deswegen. Die Geschäftsführung widerspricht. Sie witterte politische Taktik hinter den Betriebsratsplänen.

Betriebsratsgründung unterbunden

Belegschaft erfuhr von Entlassung auf Betriebsversammlung

Geschäftsführung Betriebsrat. Die Bagel Direkt GmbH mit Sitz an der Neuwerker Grunewaldstraße in Mönchengladbach entlässt die komplette Belegschaft. Das berichtet „RP online“ unter Berufung auf die Gewerkschaft ver.di. Dies sei am vergangenen Freitag bei einer Betriebsversammlung mitgeteilt worden. Einigen der 44 Festangestellten habe man Werksverträge angeboten, wird ver.di-Gewerkschaftssekretär Jörg Krings zitiert.

Vertrag mit Zeitarbeitsfirma Pekon gekündigt

Auch der Vertrag mit der Zeitarbeitsfirma Pekon sei gekündigt. Sie hatte an Bagel Direkt weitere rund 130 Beschäftigte entliehen. Der Geschäftsbetrieb solle aufrechterhalten werden. Schon zuvor sei in dem Unternehmen „unter erschwerten Bedingungen mit einer sehr geringen Entlohnung“ gearbeitet worden.

Einkauf aktuell“ von anderen Mitarbeit eingeschweißt

Bagel Direkt konfektioniert seit Gründung 2006 Einzelhandelswerbung. Das Unternehmen verpackt und versendet Werbebeilagen wie die Broschüre „Einkauf aktuell“ sowie Postwurfsendungen. Sie würden wohl nun von anderen Mitarbeitern eingeschweißt werden. Mitarbeiter ebenso wie bisher eingesetzte Leiharbeiter sollen so unter Anrechnung der Betriebszugehörigkeit zu denselben Konditionen „ohne wirtschaftliche Verluste“ weiter für das Unternehmen tätig sein können.

Bogner: Betriebsratsgründung nicht der Grund

Grund für die Entlassungen ist laut ver.di die Absicht der Beschäftigten, einen Betriebsrat zu gründen. Geschäftsführer Dr. Udo Bogner bezeichnet das als „Falschaussage“. Damit habe man kein Problem. In anderen Teilen des Konzerns seien Betriebsräte selbstverständlich. Hinter dem Vorstoß für die Gründung eines Betriebsrats habe aber nicht die komplette Belegschaft gestanden. Bogner vermutet deswegen dahinter einen Versuch der Durchsetzung eines Tarifvertrags mit einer für das Unternehmen nicht bezahlbaren Kostenstruktur.

Politische Maßnahme ver.dis

Dies berge die Gefahr einer „politischen Maßnahme ver.dis“. Ihr habe man vorbeugen müssen. Deswegen stellte man den Betrieb im Rahmen der gültigen Kündigungsschutzfristen komplett technisch ein. Auch Leiharbeit mit insgesamt 170 Mitarbeitern habe man beendet. Der Geschäftsbetrieb soll nun mit Partnerunternehmen fortgesetzt werden, so Bogner.

Unternehmen durch Streik lahmzulegen

Nach Schätzung Bogners wäre das Unternehmen durch einen Streik schnell lahmzulegen. Bogner: „Wir hätten dann keinerlei Ausweichmöglichkeiten.“ Eine Lohnsteigerung durch einen Flächentarifvertrag könne man nicht verkraften. Bisher zahle man für Helfer Mindestlohn, in übrigen Bereichen sei man in etwa „vergleichbar mit Logistiktarifverträgen“. Einen zweiten Bagel-Standort mit laut Bogner „niedrigeren Produktionskosten“ gibt es in Freising bei München.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)